Freie Werkstatt signalisiert Kompetenz

Redakteur: Norbert Rubbel

Ehepaar Steffi und Holger Winter sind klassische Einzelkämpfer, die die Hilfe einer Werkstattsystemzentrale oder eines Automobilherstellers nicht brauchen.

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Je älter das Fahrzeug, umso seltener ist es laut DAT-Report in der Vertragswerkstatt: Nur 48 Prozent der Autofahrer mit sechs bis acht Jahren alten Autos lassen notwendige Reparaturen in den Fabrikatsbetrieben durchführen. Von einem Fahrzeugalter ab acht Jahren bleiben nur noch 29 Prozent der Kunden den markengebundenen Autohäusern treu. Über die Hälfte der Fahrzeuge werden von Freien Werkstätten gewartet und repariert.

Mit verlängerten Garantiezeiten, Flatrateangeboten und Aktionspreisen für Verschleißteile wollen die Automobilhersteller und Importeure nun verloren gegangenes Terrain im Servicemarkt zurückerobern. „Immer mehr Autohäuser bieten kostenlose Wartungsarbeiten innerhalb eines bestimmten Zeitraums an“, beobachtet Holger Winter besorgt.

Serviceangebote der Wettbewerber

Bauchschmerzen bereiten dem Inhaber einer Freien Werkstatt in Dresden auch die Serviceangebote der Reifenfachgeschäfte und Filialisten wie A.T.U und Pit-Stop. So offeriert A.T.U eine zweijährige Flatrate für 119 Euro. Darin enthalten sind zwei Inspektionen inklusive Mobilitätsgarantie, jeweils zwei Urlaubs- und Winterchecks, vier Radwechsel, eine Voruntersuchung für die HU und ein Bremsflüssigkeitstest.

„Der Wettbewerb um jeden Servicekunden nimmt zu. Noch bin ich in meinem regionalen Markt der Platzhirsch. Doch es wird zunehmend schwieriger, neue Kunden an den Betrieb zu binden“, betont Holger Winter.

Der Einzelkämpfer

Der freie Unternehmer ist der klassische Einzelkämpfer, der bisher für seine Werbung, Betriebsführung und -organisation die Hilfe einer Werkstattsystemzentrale oder eines Automobilherstellers nicht brauchte. Instrumente zur Kundenansprache und -bindung konzipiert er selbst: Zeitungsanzeigen, Werbemittel für den Fahrzeugscheck, Bonus- und Glückwunschkarten. Auch Werkstatttickets für die öffentlichen Verkehrsmittel und Angebotsbroschüren für Großkunden besitzen die unverwechselbare Handschrift von Holger Winter.

Top-Erscheinungsbild

In seinen Werbekampagnen und im äußeren und inneren Erscheinungsbild der Freien Werkstatt dominieren die Farben Orange und Blau. Sie begleiten das Leistungsversprechen auf vielen Werbemitteln: „Wir reparieren und warten alle Autos — zum Festpreis und mit 3-fach-Garantie“. Die Marke Auto Winter steht in Dresden für Kompetenz, Vertrauen und Sicherheit, ebenso wie das Meisterschild des Kfz-Gewerbes. Dementsprechend begegnet man dem blauen Branchenlogo auf allen Werbeträgern: überdimensioniert in der Außensignalisation, sowie im Kundenzentrum auf den Geschäftspapieren, Werbeartikeln und Dekorationsmaterialien.

„Alle Werbemittel müssen einzigartig sein und die Kunden persönlich ansprechen“, weiß der Betriebsinhaber. Er hat es auf diese Weise geschafft, 3 700 Stammkunden an seinen Betrieb zu binden. Und damit sie auch weiterhin treu bleiben, erhalten sie eine Mobilitätsgarantie und eine „VorteilsCard“, die ihnen fünf Prozent Rabatt auf Ersatzteile und Arbeitslohn zusichert. „Die Mobilitätsgarantie ist ein wichtiges Kundenbindungsinstrument, das den Werkstattbesuchern Vertrauen signalisiert“, betont Winter.

Fachliche Kompetenz

Seit über sechs Jahren demonstriert er seine fachliche Kompetenz auch in der „Kfz-Sprechstunde“ des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Jeden zweiten Freitag gibt das Vorstandsmitglied der Innung Dresden den Hörern Tipps zu technischen Problemen am Fahrzeug.

Im Radio tritt Holger Winter nicht nur als Experte auf. Er fördert auch das Image der Branche, findet passende Antworten zur Umweltproblematik und informiert beispielsweise zur Nachrüstung von Rußpartikelfiltern. „Als ich mit der Sendung begann, war mir der Nutzen für die Hörer sehr wichtig. Heute weiß ich, dass ich als Ratgeber auch den guten Ruf der Kfz-Betriebe vertreten und pflegen kann“, betont der Dresdener.

Doch mit Image allein lassen sich keine Neukunden gewinnen. Erschwerend kommt für die Werkstätten hinzu, dass die Zahl der jährlichen Wartungen und Reparaturen permanent zurückgeht. Die rückläufige Nachfrage ist hauptsächlich auf die steigende Qualität und längeren Wartungsintervalle der Fahrzeuge zurückzuführen.

Neue Kunden und technische Daten

Zwar werden die traditionellen Servicesegmente II (fünf bis sieben Jahre alte Fahrzeuge) und III (acht bis zehn Jahre alt) weiter wachsen. Die zunehmende technische Komplexität der Fahrzeuge und der erforderliche Schulungsaufwand sind jedoch für kleine, markenunabhängige Servicebetriebe kaum noch zu bewältigen. „Die klassische Freie Werkstatt wird sich zukünftig einem Werkstattsystem anschließen müssen, um Neukunden akquirieren zu können und die dringend notwendigen technischen Informationen der Automobilhersteller zu erhalten“, resümiert Holger Winter. Norbert Rubbel

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