Neuzulassungen März Frühjahrsbelebung bleibt Fehlanzeige

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der Neuwagenmarkt ist im März in der Depression verharrt, die Zulassungen gingen rund 4 Prozent zurück. Elektrifizierte Modelle legten allerdings stark zu. Doch der Handel zweifelt an der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung.

Der Neuwagenmarkt ist in Deutschland den fünften Monat in Folge rückläufig gewesen.(Bild:  Grimm – VCG)
Der Neuwagenmarkt ist in Deutschland den fünften Monat in Folge rückläufig gewesen.
(Bild: Grimm – VCG)

Der deutsche Neuwagenmarkt verharrt im Minus. Wie aus den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts hervorgeht, sank die Zahl der Pkw-Erstzulassungen im März um 3,9 Prozent im Vergleich zum ebenfalls schon rückläufigen Vorjahresmonat auf 253.497 Einheiten. Die Zulassungszahlen sind damit den fünften Monat in Folge rückläufig. Mit einer Unterbrechung im Oktober 2024 ist die Tendenz sogar seit Juli negativ.

Bezieht man die Zahl der Arbeitstage ein, fällt die Rechnung noch negativer aus, da der März 2024 einen Arbeitstag mehr hatte als der Berichtsmonat. „Der kalenderbereinigte Rückgang beträgt sogar 8,5 Prozent“, rechnet der Importeursverband VDIK vor.

Unabhängig von diesen Sondereinflüssen ist der deutsche Neuwagenmarkt seit Jahresstart deutlich im Minus: exakt um 4,3 Prozent. Die Zahl der Neuzulassungen summiert sich auf noch 664.571 Einheiten – rund 30.000 weniger als vor Jahresfrist. „Die negative Entwicklung der Fahrzeugzulassungen zeigt, dass eine wirtschaftliche Erholung und damit das Kundenvertrauen in den Erwerb neuer Fahrzeuge noch immer nicht erreicht ist“, kommentierte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé die Zahlen. Sie mahnt „nachhaltige Reformen für den Standort Deutschland“ durch die künftige Regierung an.

Schwache Konjunktur verunsichert Konsumenten

Laut Constantin Gall, Leiter Mobility bei EY für die Region Westeuropa, liegen die Probleme aber tiefer. Eine schwache Konjunktur, die schlechte Stimmung in der Wirtschaft und die Sorge um die Arbeitsplätze dämpfen sichtlich die Konsumfreude. „Für zusätzliche Verunsicherung sorgen die hohen geopolitischen Risiken und die US-Zollpolitik, die erhebliche konjunkturelle Folgen haben könnte“, sagt Gall. Aufgrund dieser Gemengelage werde der Neuwagenmarkt auf absehbare Zeit schwierig bleiben, „denn sowohl private als auch gewerbliche Kunden werden sich beim Autokauf zurückhalten“.

Entgegen den zurückhaltenden Prognosen entwickelt sich der Auftragseingang derzeit positiv. Laut dem Verband der Automobilindustrie registrierten die vom VDA vertretenen Fabrikate im März dieses Jahres 29 Prozent mehr Bestellungen aus dem Inland als im Vorjahresmonat. Im Februar zeigte dieser Indikator noch 7 Prozent nach unten.

Obwohl sich der Elektromarkt bislang weniger agil entwickelt, als von den Herstellern und Importeuren erhofft, zeigen die Zulassungszahlen der Elektromodelle deutlich nach oben. Insgesamt wurden im März 69.080 BEV- und PHEV-Modelle neu zugelassen. Das war ein Plus von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (BEV: +35,5%; PHEV: +66%). Seit Jahresstart kamen 176.800 Elektromodelle neu auf die Straßen – das war ein kumulierter Zuwachs um 40 Prozent (BEV: +39%; PHEV: +42%).

Handel zweifelt am Elektro-Trend

Der aktuelle Elektro-Trend steht nach Auffassung von Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, allerdings auf wackeligen Beinen. „Auf Basis der aktuellen Neubestellungen können wir noch nicht sicher sein, ob sich dieser Trend auch im zweiten Quartal fortsetzt“, kommentiert er die Zahlen. Der Handel ist aus seiner Sicht noch damit befasst, die Verzögerung in der Neufahrzeug-Auslieferung abzuarbeiten, wodurch die Hersteller die Elektroquote zum Jahresstart erhöhten, da sie jetzt auf die verschärften CO2-Flottenwerte einzahlt. Zudem würden speziell die Privatkunden noch abwarten, welche Fördersignale sich aus der Regierungsbildung ergeben.

Blickt man auf die reinen Verbrenner, zeigt sich ein deutlicher Zulassungsrückgang. So wurden im März 29 Prozent weniger Benziner zugelassen als im Vorjahresmonat, bei den Diesel-Neuwagen ergab sich ein Minus von 22 Prozent. In der Folge sank der durchschnittliche CO2-Ausstoß um 11,7 Prozent auf 109,8 g/km. Die Vorgabe der EU liegt bei 93,6 g/km.

BYD im Aufwind, Tesla sehr schwach

Blickt man auf die einzelnen Marken, ergibt sich in der Entwicklung einmal mehr ein heterogenes Bild. Passend zum Elektro-Aufschwung ist BYD der Gewinner des Monats – auf niedrigem Niveau. Die Chinesen legten um 400 Prozent auf 805 Neuzulassungen zu. Die Elektro-Schwerpunktmarke MG verbuchte ein Plus von 34,7 Prozent auf 2.100 Einheiten. Unter den Volumenmarken sticht Renault heraus. Die Franzosen legten um 45,7 Prozent auf knapp 6.000 Einheiten zu.

Am anderen Ende des Rankings rangieren ebenfalls Elektromarken – die Nischenfabrikate Smart (-84 %; 240 Einheiten), Great Wall (-56,4 %; 134 Einheiten) und Nio (-56,3%; 21 Einheiten). Unter den Volumenmarken hat Mitsubishi einen sehr schwachen Monat erwischt (-66,9 %; 1.788 Einheiten). Auch Citroën (-42,7 %) und Tesla (-42,5 %) müssen herbe Rückschläge verkraften. Unter den deutschen Marken schnitt Opel sehr schwach ab (-26,1 %).

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