Bisher scheint aber nur Lada Deutschland nennenswerte Aktivitäten zu zeigen.
Ja, der Konzern hat bislang noch kein durchdachtes Konzept. Das beginnt schon mit der Modellpolitik. Sie muss korrigiert werden, um Fahrzeuge anzubieten, die bei den Kunden ankommen. Ausgerechnet im Autoland Deutschland werden Granta, Kalina und neuerdings auch Vesta mit den schwächeren Motoren angeboten, obwohl die stärkeren Aggregate nur wenig teurer wären. Dann kommt der Vesta mit einer Automatik, die in dieser Klasse und in dieser Qualität gar nicht gefragt ist. Drittens ist auch das Stufenheck-Modell hierzulande die falsche Wahl. Und auf den SUV-Boom verzichtet Lada, obwohl mit dem X-Ray ein entsprechendes Modell verfügbar wäre.
Das macht nicht viel Hoffnung …
Ganz so ist es nicht. Derzeit läuft beispielsweise die Produktion des Vesta Cross an, ein Kombi mit einigen Offroad-Applikationen. Dieses Modell soll nach Europa kommen – kombiniert mit dem richtigen Preis und der richtigen Motorisierung könnte der Vesta Cross den Geschmack der Kunden treffen. Auch technisch und in der Ausstattung ist der Vesta Cross konkurrenzfähiger.
Wie ist Avtovaz technisch überhaupt aufgestellt?
Der Hersteller hat mehr zu bieten, als angeboten wird. Vieles wurde entwickelt, aber bisher nicht in Serie produziert, weil die Nachfrage in Russland nicht da ist. Auch das spricht für den Schritt nach Westeuropa. Beispielsweise soll es einen modernen 1,4-Turbomotor geben, der durchaus mit VW-Aggregaten konkurrenzfähig ist. Für Deutschland wäre so ein Motor im Angebot natürlich ein großer Gewinn. Auch ein Hybrid-Antrieb liegt quasi fertig im Regal, aber man braucht einfach entsprechende Stückzahlen, damit die Produktion profitabel läuft.
Welche Rolle spielt das Unternehmen eigentlich im Renault-Nissan-Konzern?
Da findet derzeit ein Umdenken statt. Zunächst dachte man, mit Lada die GUS-Märkte abzudecken und über gemeinsame Plattformen und die Gleichteilestrategie Modelle woanders als Dacia oder sogar als Renault-Badge anzubieten. Wegen der geschrumpften GUS-Märkte entstand die neue Marschroute, etwa 20 Prozent der Produktion im Ausland zu verkaufen. Seitdem gilt es für Lada, außerhalb Russlands eine Marktnische zu finden. Aber ich denke schon, dass die Strategie darauf ausgerichtet ist, Lada als internationale Marke aufzustellen.
Das wird doch erschwert, weil mit Dacia bereits eine Low-Cost-Marke im Konzern vorhanden ist, oder?
Ich denke schon, dass in Europa Platz für zwei Billigmarken ist. Erst recht, so lange Lada keine großen Volumen dreht. Der Gesamtkonzern macht es ja vor mit Renault und Nissan, zwei Marken mit Produkten, sich immer ähnlicher werden, getrennt zu führen. Fast jedes Renault-Modell hat inzwischen einen Nissan-Doppelgänger, und trotzdem können die Marken koexistieren. Wie es genau laufen soll, befindet sich aber noch im Fluss. Fraglos gibt es im Konzern auch Widerstände. Dafür spricht etwa, dass man den X-Ray, der letztlich auf dem Dacia Sandero Stepway basiert, noch nicht in Westeuropa anbietet.
Wie sehen Sie das Lada-Händlernetz aufgestellt?
Derzeit wird die Marke von Enthusiasten getragen. Die Frage ist natürlich, ob ein Vertrieb über das Renault-Dacia-Netz nicht schnell die Absatzzahlen hochtreiben könnte. Allein schon wegen der Größe des Netzes. Ein weiterer Vorteil wären vermutlich bessere Konditionen in der Finanzierung, schließlich sind Low-Cost-Kunden an möglichst kleinen Finanzierungsraten besonders interessiert. Und da hat Lada doch Nachholbedarf.
Wie sehen Sie speziell die Rolle des deutschen Marktes für Avtovaz-Lada?
Ich denke, dass Deutschland die Speerspitze für die Marke in Westeuropa sein soll. Es ist einfach der bedeutendste Markt, wo selbst ein geringer Marktanteil zu nennenswerten Stückzahlen führt. Marken, die sich hierzulande behaupten, werden es einfacher haben, sich in anderen Märkten zu etablieren. Dazu kommt, dass hierzulande ein eingeschworener Kundenkreis existiert, der sofort bedient werden kann.
Einen Bericht über die Pläne von Lada in Deutschland und eine Einschätzung von Händlern lesen Sie in Ausgabe 31 des »kfz-betrieb«, die am 11. August erscheint.
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