„Für Lada ist Platz in West- und Mitteleuropa“

Osteuropa-Spezialist Svyatoslav Kuchko im Gespräch

| Autor: Andreas Grimm

Svyatoslav Kuchko ist Analyst bei IHS Markit und spezialisiert auf die Marken und Märkte in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion.
Svyatoslav Kuchko ist Analyst bei IHS Markit und spezialisiert auf die Marken und Märkte in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. (Bild: privat)

Lada Deutschland ist bundesweit auf Händlersuche. Wieder einmal. Doch aktuell stehen die Chancen gut, die Marke voranzubringen. Lada muss in Westeuropa wachsen, ist IHS-Analyst Svyatoslav Kuchko überzeugt. Mit dem Vesta hat die Marke ein Modell nach Westeuropa gebracht, das optisch konkurrenzfähig ist. In der Hinterhand hält Lada zudem weitere Trümpfe.

Redaktion: Lada hatte über Jahre mit Absatzproblemen zu kämpfen, dann stieg Renault-Nissan ein. Wie ist der Autobauer wirtschaftlich aufgestellt?

Svyatoslav Kuchko: Der Hersteller kämpft weiterhin mit Problemen, Avtovaz schreibt noch immer Verluste, auch wenn sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr gebessert hat. Aber das Unternehmen müsste eigentlich 500.000 Neuwagen im Jahr absetzen, um aus den roten Zahlen zu kommen.

Eigentlich ist Lada doch Marktführer in Russland. Wie konnte das passieren?

Die wichtigsten Märkte für die Marke, Russland und bis vor 2013 die Ukraine, sind in der Finanzkrise nach dem Jahr 2008 eingebrochen. In der Ukraine ist die Nachfrage bis heute gering und der russische Markt hat sich nur zeitweise wieder erholt. Zuletzt erreichte das russische Neuwagengeschäft gerade mal noch 1,43 Millionen Einheiten. Lada verkaufte dort im vergangenen Jahr 266.000 Einheiten.

Wie hat Lada auf den Absturz reagiert?

Bis der russische Markt wieder so groß ist wie vor der Krise, also ein Volumen von rund drei Millionen Neuwagen erreicht, wird es wohl bis 2025 dauern. Deshalb hat der neue Avtovaz-Chef Nicolas Maure das Ziel ausgegeben, künftig 20 Prozent der gesamten Produktion zu exportieren, also neue Absatzmärkte zu erschließen.

Lada Vesta: Russische Marke in westlichem Design

Welche Länder kommen dafür denn in Frage?

Erste Wahl wären sicher die Märkte im traditionellen russischen Einflussbereich, also die Ukraine, Kasachstan, Weißrussland. Doch die sind wirtschaftlich schwach und bringen keine nennenswerten Absatzvolumina. In der Ukraine erschwert zudem das gespannte Verhältnis zu Russland das Geschäft. Auch in Asien und Nordafrika hat sich Lada schon umgesehen, doch hier bremsen hohe Zölle die Expansion. Damit bleibt vor allem noch die EU.

West- und Zentraleuropa gelten aber doch als sehr anspruchsvoll …

Das stimmt, aber diese Märkte haben allein schon aufgrund ihrer Größe einen Vorteil. In den kommenden Jahren werden dort weiterhin jährlich rund 11 Millionen Klein- und Kompaktwagen verkauft werden. In diesen Segmenten ist Lada aktiv. Selbst ein geringer Marktanteil von 0,5 Prozent würde schon ein Absatzvolumen von 55.000 Einheiten bedeuten. Dazu kommt, dass das Low-Cost-Segment in der EU quasi nicht mehr besetzt ist, sieht man mal von Dacia ab. Dagegen spricht allerdings das Angebot an jungen Gebrauchten. Kurz: Es ist höchste Zeit für Lada in Europa aktiv zu werden, um die Marktanteile zu erhöhen.

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