50 Jahre Mercedes-Benz G-Klasse G wie Granit

Von sp-x 5 min Lesedauer

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Sie zählt zu den Urgesteinen in der Geländewagen-Historie, die kantige Mercedes G-Klasse. Obwohl robust und langlebig wie massiver Bohus-Granit wird sie stets von neuster Offroadtechnik angetrieben, künftig auch elektrisch. Eine Geschichte, die 1973 als Kooperation zwischen zwei 4x4-Spezialisten begann.

Die Mercedes-Benz G-Klasse der Baureihe 463 aus dem Jahr 2018 (Mitte), umgeben von Vorgängern. Vor 50 Jahren erfolgte der Startschuss zur Entwicklung des erfolgreichen Offroaders.(Bild:  Mercedes-Benz)
Die Mercedes-Benz G-Klasse der Baureihe 463 aus dem Jahr 2018 (Mitte), umgeben von Vorgängern. Vor 50 Jahren erfolgte der Startschuss zur Entwicklung des erfolgreichen Offroaders.
(Bild: Mercedes-Benz)

Als sich andere noch mit schroffen Offroadern fürs Militär abkämpften und nur der Range Rover stilvoll durch den Matsch kam, bahnte Mercedes dem Allradler mutig neues Absatzterrain: Vor 50 Jahren schlug die Geburtsstunde für das G-Modell beziehungsweise die G-Klasse, wie der visionär vielseitige Hightech-Geländewagen später genannt wurde. Die damalige Daimler-Benz AG brachte 1973 ihre Unimog-Kompetenz in einen Kooperationsvertrag mit der österreichischen Steyr-Daimler-Puch AG ein, dem Hersteller der alpinen Geländevehikel Puch Pinzgauer und Haflinger. Obwohl die Verkaufsprognosen unsicher waren, begannen die Partner, die G-Klasse als komplett neuen Allradler für zivile Kunden zu planen. Sechs Jahre später wurde sie in Serie gebracht. Weil das Leben kein Ponyhof ist, sondern manchmal ein ganzes Gestüt, Alpen-Anrainer ein Auto für den Berg brauchen und Präsidenten oder Päpste bisweilen lieber aus schusssicherer G- statt S-Klasse grüßen, wurde der G als Multitool ausgelegt.

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Erfolgreich, wie die Bilanz dieses Urgesteins moderner Geländegänger beweist: Fast unzerstörbar robust gebaut und langlebig wie massiver Bohus-Granit sind heute noch Mercedes G der ersten Jahre im Einsatz. Vor allem blieb kein anderes Auto mit Stern so lange im Programm der Stuttgarter. Und als Stromer zeigt sich der G ab 2024 fit für die Zukunft. Ein Geländewagen wie kein anderer sollte der G werden, und genau das ist den Konstrukteuren des Krabblers mit Mercedes-Logo oder anfänglichem Puch-Signet (für den Vertrieb in den Alpenländern und Osteuropa) gelungen. So zeigte sich der Allradler schon in den ersten Entwürfen in jenen geradlinig kantigen und markanten Karosseriekonturen, die bis heute wie unter Denkmalschutz gestellt wirken, sich im Fall des Falles aber auch zwischen Timbuktu und Tamanrasset reparieren lassen.

Vom 72-PS-Saugdiesel bis zum 630-PS-V12-Monster

Nicht nur in Wüsten – 1983 gewann Racing-Legende Jacky Ickx mit dem G-Modell die Rallye Paris – Dakar – stellte der unter dem Puch-Ingenieur Erich Ledwinka entwickelte Offroader mit Leiterrahmen seine Qualitäten unter Beweis. Er explorierte auch als Erster den Kältepol. Unerschrockene schickte der Geländegänger sogar auf Steigungen mit 80 Prozent und durch Wasserpassagen mit fast einem halben Meter Tiefgang. Für das feuchte Element befindet sich die Luftansauganlage des G in so lichten Höhen, dass der Traktionskünstler später in manchen Versionen auch einen ganzen Meter eintauchen kann. Ebenso wichtig: Dank vollsynchronisierten Verteilergetriebes lässt sich der Allradantrieb während der Fahrt zuschalten und 100-Prozent-Differenzialsperren an den Achsen leisten das Übrige.

Kein Wunder, dass schon früh Polizeibehörden und Militärs Gefallen fanden am G-Modell, das als „Wolf“ für die Bundeswehr unterwegs ist und bei Streitkräften von den USA bis Australien Aufgaben übernimmt, andererseits für Hilfsdienste und UNO friedliche Missionen erledigt, während der fast baugleiche Peugeot P 4 in den Achtzigerjahren für die französische Armee und Behörden abseits der Straße fast alle Wege ebnete. Technik ohne Kompromisse kennzeichnet den begehrten Weltbürger aus dem kleinen Werk in Graz in der Steiermark: Im Laufe der Jahre kommen kontinuierlich weitere Traktionshelfer hinzu, etwa drei Differenzialsperren (1985), permanenter Allradantrieb (ab 1989 in der komfortbetonteren Baureihe 463) und elektronische Vortriebsassistenten (ab 2001). Auf den Spuren des Allrad-Alleskönners Mercedes Unimog bewegten sich dann Sondermodelle der G-Klasse, denn der G 63 AMG 6x6 (2013), der G 500 4x42 oder der 5,35 Meter lange Mercedes-Maybach G 650 V12 Landaulet adaptierten die Portalachsen des Unimog für besonders große Bodenfreiheit. Das Jahr 2018 brachte eine grundsätzliche Erneuerung für die G-Klasse inklusive Vorderachse mit Einzelradaufhängung und bis zu 100 Prozent Steigfähigkeit. Aber obwohl Mercedes von einer neuen Generation sprach, blieb der Baureihencode 463 bewahrt.

Selbst Promis und der Papst nutzten ihn

Dazu passte, das Mercedes die unter dem Slogan „Stronger than time“ beworbene aktualisierte G-Klasse vor einem Kubus präsentierte, in dem sich eine 1979er-G-Klasse in Kunstharz befand, fast als wäre sie wie Insekten vor Millionen Jahren von Bernstein umschlossen worden. Dieses Kunstwerk sollte betonen, wie sehr sich die DNA des ersten G-Modells bis in der heute aktuellen, optisch kaum veränderten G-Klasse widerspiegelt. Vor allem aber zeigt der Kubus die Main-Character-Rolle der G-Klasse unter den Offroad-Klassikern. Denn die geradlinige Designlinie des Big Benz bleibt sich schon seit 44 Produktionsjahren treu – einzigartig im 4x4-Segment. Keine Massenware wie Toyota Land Cruiser oder Jeep Grand Cherokee, sondern in insgesamt nur gut 500.000 Einheiten rollte der G bislang aus dem Werk in Graz, aber diese Knappheit macht den Sternträger offenbar nur noch begehrenswerter. Wenn vorübergehende Bestellstopps und lange Lieferzeiten für Beliebtheit stehen, dann thront die G-Klasse wie ein Pop-Titan über allen anderen Offroadstars.

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Dieter Bohlen, die Schlagerkönige Roland Kaiser und Udo Jürgens oder Pop-Promis wie Eric Clapton oder Tina Turner setzten übrigens ebenso gern auf die bis zu dreieinhalb Tonnen schwere Trutzburg – optional mit Panzerung – wie Potentaten und Politiker. Der Schah von Persien orderte um 1975 gleich 20.000 Einheiten. Allerdings machte die Revolution im Iran diese Bestellung hinfällig. Seit Johannes Paul II vertraut sogar der Heilige Stuhl auf maßgeschneiderte, traditionell in Mystikweiß lackierte Papamobile im Zeichen des G. Dagegen forderte Hollywoodstar Arnold Schwarzenegger nach vielen PS-starken Verbrennern für seinen geliebten Dinosaurier einen elektrischen Antrieb – und Mercedes wird liefern.

Mit Elektromotoren in die Zukunft

Ab 2024 sind es vier radnah montierte und einzeln ansteuerbare Elektromotoren, die im batterieelektrischen EQG für verblüffende Geländetalente sorgen sollen. Aber als harten Granitbrocken unter den vielen weichgespülten Geländekreuzern wird es den G wahlweise weiterhin mit klassischem Verbrenner geben. Nur Giganten wie der 463 kW/630 PS abgebende 6,0-Liter-V12 im Maybach G 650 oder der einst 5,5 Liter große V8 im G 63 AMG sind dann endgültig Geschichte, die Legende setzt künftig auf kleinvolumigere, jedoch weiterhin kräftige Motoren.

Welche Anziehungskraft die vor 50 Jahren angeschobene und seit 44 Jahren produzierte Mercedes G-Klasse auf Oldtimerfans ausübt, erklärt Martin Heinze von der Bewertungsorganisation Classic Analytics: „Wenn Mercedes etwas macht, dann meistens richtig und deutlich teurer als andere. So war es auch bei der Premiere der G-Modelle. ‚Der Mercedes unter den Geländewagen‘ hieß es damals in einem Werbeslogan. Und schnell entwickelte sich eine Kundschaft, die es zu schätzen wusste, nun auch im Gelände-Einsatz Mercedes fahren zu können und den ursprünglich für militärische Zwecke entwickelten Wagen für die Jagd oder im Winterbetrieb einzusetzen. Gute Exemplare sind kaum unter 40.000 Euro zu haben.“

 

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