Gefahren: Mercedes C-Klasse, das 40-Liter-Auto
Mercedes-Benz bringt seine neue C-Klasse auf den Markt. Auch ohne das umfangreiche Zubehör schnellt die Mittelklasse-Limousine technisch über ihr angestammtes Segment hinaus.

Es gibt Fahrzeuge, die geben der Marke ein Gesicht, andere bilden das Rückgrat. Mit 52.433 hierzulande neu zugelassenen Einheiten im Jahr 2013 ist die C-Klasse der Verkaufsschlager und das wichtigste Volumenmodell für den Mercedes-Handel. Seit 1982 konnte der Hersteller weltweit über 8,5 Millionen C-Klasse-Modelle absetzen.
Die neue Generation der Mittelklasse-Limousine ist seit dem 15. März auf dem Markt, das T-Modell folgt im Herbst, die Coupé-Version im Laufe des Jahres 2015 und die Cabrio-Version kommt noch ein Jahr danach. Spätestens bei voller Verfügbarkeit sollte die C-Klasse die alte Absatzstärke erreicht haben – wenn es nach der Daimler-Führung geht, auch gerne früher – konkrete Absatzziele nennt der Hersteller jedoch nicht.
Aber die Technik spricht für sich: Mercedes hat dem „Baby-Benz“ viele Bauteile der Oberklasse spendiert und erhofft sich damit einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Serienmäßig verfügt die C-Klasse über einen Aufmerksamkeitsassistenten, warnt vor Kollisionen und bremst im Bedarfsfall autonom ab. Die Kehrseite des Fortschritts: Er kostet. Mit einem Einstiegspreis von 33.558 Euro (inkl. Mwst.) für die kleinste Benziner-Variante (115kW/156 PS) liegt die C-Klasse über dem Angebot der – zugegeben: älteren und technisch nicht so ausgereiften –Wettbewerbsfahrzeuge wie dem Audi A4 (28.100 Euro) oder dem 3er BMW (29.050 Euro).
Auch mit Vollausstattung dürfte die C-Klasse preislich über den Fahrzeugen der Konkurrenz liegen. So kostet das 7-Ganggetriebe 2.499 Euro Aufpreis, der Bordcomputer „Command Online“ ist ab 3.510,50 Euro erhältlich. Die drei Ausstattungslinien Avantgarde, Exclusive und AMG sind je nach Konfiguration für 2.300 bis 4.400 Euro mehr zu haben.
„Ein Mercedes ist mehr wert!“
Mit Hinblick auf die neue Fahrzeuggeneration sei es als Premiumhersteller das Ziel, einen entsprechenden Preis gegenüber den relevanten Wettbewerbern durchzusetzen, sagte Ola Källenius, Leiter Vertrieb und Marketing Mercedes-Benz Cars: „Wenn andere Hersteller hohe Rabatte geben, dann ist das ihre Entscheidung. Bei der C-Klasse beispielsweise – was den Preis im Verhältnis zum Produkt angeht – liegen wir da sehr gut.“ Denn die Kunden bekämen ein Produkt, das in allen Aspekten einen Riesensprung im Vergleich zum Vorgänger gemacht habe und über Eigenschaften verfüge, die man bisher nur von Mercedes-Oberklassemodellen kenne, sagte Källenius. „Ein Mercedes ist mehr wert,“ lautete die selbstbewusste Aussage des Vertriebschefs.
„Mehr wert“ ist auf jeden Fall die elektronisch geregelte Verstelldämpfung an Vorder- und Hinterachse der Luftfederung „Airmatic“ (ab 1.416,10 Euro). Wem der Modus „Comfort“ zu behäbig ist, kann „Sport“ oder „Sport+“ wählen: Das Fahrzeug nimmt das Gas schneller an, die Lenkung wird schwerer und lässt kurz einen Hauch von Go-Kart-Gefühl aufkommen. Aber nur kurz, denn das optionale Head-up-Display (1.178,10 Euro) mit Informationen zur Geschwindigkeit und dessen Begrenzung sowie Hinweisen des Navigationsgeräts sorgt für Sachlichkeit. Dann doch lieber zurück auf „Eco“ und den vom Hersteller versprochenen vier Litern Verbrauch auf 100 Kilometern sowie 103 g/km CO2-Ausstoß (C 220 Bluetec).
41-Liter-Tank weckt Kleinwagen-Gefühl
Stimmen die Verbrauchsangaben, käme eine serienmäßige C-Klasse mit Dieselmotor übrigens auf eine mögliche Reichweite von 1.000 Kilometern – denn Mercedes hat das Mittelklassemodell mit einem ungewöhnlichen 41-Liter-Tank ausgestattet. Die Auftragseingänge werden zeigen, wie viele Kunden den Kleinwagentank gegen den größeren mit 66 Litern eintauschen – der Aufpreis von 59,90 Euro sollte nicht die Hürde sein.
Das Motorenangebot reicht von einem neuen kleinen Vierzylinder-Dieselmotor mit 1,6 Litern Hubraum mit 85 oder 100 kW / 115 oder 136 PS bis zum bereits bekannten 2,2-Liter-Motor mit Leistungsvarianten von 85 kW / 115 PS bis 150 kW / 204 PS. Der C220 Bluetec ist als Blue-Efficiency-Version mit 120 kW / 163 PS erhältlich. Optional mit einem Hybridmodul ausgestattet, erreicht der C300 Bluetec Hybrid mit seinem Vierzylinder und einer E-Maschine eine Leistung von 150 plus 20 kW / 204 + 27 PS – und das bei einem vom Hersteller errechneten Verbrauch von 3,6 Litern/100km. Zudem stellte Daimler-Vorstand Thomas Weber (Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung) einen Plug-in-Hybrid in Aussicht.
Bei den Benzinern hat Mercedes Vierzylinder-Motoren mit 115 bis 180 kW / 156 bis 245 PS im Programm. Demnächst soll ein Sechszylinder mit 245 kW / 333 PS folgen. Dann fällt der 41-Liter-Tank allerdings mutmaßlich etwas klein aus.
(ID:42586848)