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Doch wer sind wir, dass wir die Empfehlung der Rolls-Royce-Company missachten, die mit englischer Zurückhaltung anmerkt, dass der Ghost durchaus zum Selbstfahren gedacht ist. Das gilt natürlich auch und vor allem für die Centenary Edition. Schließlich kämpfte sich James Radley vor hundert Jahren über Berge und unwirtliche Pässe.
Der Platz am Steuer ist fast genauso bequem wie der im Fond und hat ein bisschen was von einem Kinosessel. Leider fehlt auch der Seitenhalt. Die Sitzposition ist schnell gefunden. Dann gleitet man mit dem Ghost davon. Leistung? „Ist ausreichend vorhanden“, heißt es üblicherweise bei Rolls-Royce. Das Understatement in allen Ehren, aber etwas genauer darf es dann doch sein: Der 6,6-Liter-V12-Motor schiebt das 2,4-Tonnen-Vehikel mit 570 PS an. Die 780 Newtonmeter sorgen dann noch für das entspannte Gleiten. „Effortless Driving“ im Rolls-Royce-Jargon.
So lange es ohne größere Richtungswechsel dahin geht, ist das Fahren mit dem rund 265.000 Euro teuren Luxusmobil eine wahre Freude. Die Achtgang-Automatik sorgt für geschmeidige Gangwechsel und die Kraft des Motors für entspanntes, fast lautloses Dahinrollen. So bewegt sich also die Upper-Class. Drückt man auf das Gaspedal, geht es durchaus ambitioniert nach vorne und die 200 km/h sind im Nu erreicht. Überholprestige hat der hellblaue Rolls-Royce ohnehin genug. Handys werden gezückt, um noch schnell ein paar Bilder des edlen Briten zu machen. Facebook lässt grüßen. Was soll’s.
Geht es um Kurven, agiert der Ghost Centenary Edition nicht mehr ganz so souverän. Dann sind deutliche Wank- und Rollneigungen zu spüren. Dass die Lenkung ebenfalls nicht die direkteste ist, stört wohl nur unverbesserliche Fahrdynamiker. Schließlich reden wir hier von einem Rolls-Royce und keinem Gokart. Da würden die noblen Mitglieder in einem Londoner Gentlemen’s-Club wohl noch mehr die Stirn runzeln.
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