Gemeinsamkeit macht stark
Der Bosch-Vertragsgroßhändler Julius Fabian Roberg betreut vor allem Freie Werkstätten, betreibt aber auch einen eigenen Opel-Servicebetrieb.
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Redaktion: Wäre es denkbar, dass Teilegroßhändler miteinander kooperieren und Leistungen wie die Versorgung mit technischen Daten oder Schulungen für ihre Werkstattsystempartner bündeln und anbieten?
Julius Fabian Roberg: Sicher will sich jedes Werkstattsystem in Einzelsegmenten von anderen abheben, um für die Kunden attraktiv zu sein. Alle Großhandelskooperationen und damit alle Werkstattsysteme tragen jedoch für den freien Reparaturmarkt gemeinsam Verantwortung. Wenn wir die gesammelte Kraft all dieser Partner vereinigen würden, könnten wir dem Autofahrer ein klares Bild von der Reparaturalternative zur Vertragswerkstatt im Servicemarkt geben. Bei allem Wettbewerb untereinander ist dieses eine übergeordnete Aufgabe, die man schnell und mit Kapitaleinsatz angehen muss.
Können Sie Beispiele für gemeinsame Aufgaben nennen?
Wir müssen dem Autofahrer sagen, dass die Garantiebedingungen der Hersteller durch die Auswahl einer Freien Werkstatt nicht tangiert werden. Er muss wissen, dass Freie Werkstätten Meisterbetriebe sind, die erstklassige, fehlerfreie und dazu preisgünstige Leistungen anbieten. Wir müssen also gezielt Marketing betreiben — so fördern wir die Werkstattauslastung unserer Kundschaft. Zudem sensibilisieren wir unsere angeschlossenen Werkstätten für technische Fortbildungen, Schulungen und Investitionen in die entsprechende Werkstattausstattung. Gemeinsam mit anderen Teilegroßhändlern können wir so die Reparaturqualität unserer Werkstattpartner erhalten.
Wie qualifiziert sind die 1 400 1a-Autoservice-Betriebe der Centro?
Wenn wir den Autofahrern 1a-Leistungen versprechen, müssen sie sie auch in allen Servicebetrieben erhalten. Bekommen die Werkstattkunden die versprochene Servicequalität nicht, ist die Marke verbrannt. Zur Automechanika im September starten wir eine Qualifizierungsinitiative. Wir werden unseren Werkstattpartnern sagen, dass sie es in Zukunft schwer haben werden, wenn sie unsere Empfehlungen nicht befolgen.
Wollen Sie mit der Qualifizierungsinitiative den Automobilherstellern Paroli bieten?
Die beste Maßnahme gegen das Marketingfeuerwerk der Fahrzeughersteller ist eine saubere, qualitativ hochwertige Arbeit in der Freien Werkstatt. Der Stellenwert des Autos ist bei den Verbrauchern unglaublich hoch. Für den Autofahrer wird die Fahrzeugreparatur immer mehr zu einer Vertrauensangelegenheit. Hier haben regional verwurzelte Servicebetriebe einen Vorteil vor den Markenwerkstätten in Filialsystemen. Denn in einer Freien Werkstatt redet der Kunde in der Regel immer mit dem Inhaber.
Wie kann eine Freie Werkstatt im Preiswettbewerb gegenüber den Vertragswerkstätten bestehen?
Den Aktivitäten der Automobilhersteller können wir gelassen entgegensehen. Eine Freie Werkstatt, bei der neben erstklassiger Handwerksarbeit auch eine betriebswirtschaftliche Sichtweise das Geschäft beeinflusst, findet die richtigen Antworten, um eine attraktive Reparaturalternative zu sein. Die Kooperationen des freien Teilegroßhandels bieten dafür betriebswirtschaftliche Schulungen, professionelle EDV und Kalkulationssysteme sowie Hinweise zur produktiven Fahrzeugreparatur an.
Seit einem Jahr führen Sie in Ahaus einen Opel-Servicebetrieb. Was war der Grund dafür?
Ich wollte erfahren, welche Anforderungen Opel an seine Servicebetriebe stellt, und davon lernen.
Mussten Sie überzogene Standards erfüllen?
Überzogene Standards ist ein relativer Begriff. Opel stellt Fahrzeuge her und möchte, dass diese Autos von Anfang an fachgerecht repariert werden. Der Hersteller möchte, dass die Marke Opel auch nach dem Erwerb eines Neufahrzeugs dem Kunden stets in bester Erinnerung ist. Dafür gibt Opel sein technisches Know-how, schult die Servicemitarbeiter und stellt den Betrieben Spezialwerkzeug zur Verfügung. Zudem macht Opel klare CI-Vorgaben. Die professionelle Handhabung dieser Themen ist beeindruckend und für einen freiheitsliebenden Unternehmer neu.
Was ist Ihr Fazit?
Die Investition in die Signalisation und in die komplette Betriebsausstattung hat uns zwar viel Geld gekostet. Unter Berücksichtigung der oben genannten Zusammenhänge, bei hohem Engagement des Personals und einer guten Kundenpflege ist damit jedoch Geld zu verdienen. Opel hat den Vorteil, Themen wie permanente technische Schulungen des Werkstattpersonals oder Betriebsvergleiche vertraglich durchsetzen zu können, ohne dass der vielleicht da und dort genervte Werkstattinhaber zum nächsten Lieferanten wechselt.
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