Gentex: Digitaler Blick nach hinten

Autor / Redakteur: Isabella Finsterwalder / Ottmar Holz

Ein Blick in den Rückspiegel aktueller Autos erinnert stark die Aussicht im legendären Brezelkäfer aus den Fünfzigern – kleine, flache Heckscheiben gewähren kaum Sicht auf nahende Fahrzeuge. Ein digitales Spiegelsystem könnte das demnächst ändern.

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Alles im Blick mit dem dualen Display-Spiegel von Gentex.
Alles im Blick mit dem dualen Display-Spiegel von Gentex.
(Bild: Isabella Finsterwalder)

Der amerikanische Automobilzulieferer Gentex hat das weltweit erste hybride Spiegelsystem aus Standardrückspiegel und integriertem Video-Display entwickelt. Mit dem hybriden „Full-Display-Mirror“-System kann der Fahrer zwischen dem Standardrückspiegel und einem kameragestützten Videomodus wechseln. Zusätzlich verfügt der Spiegel bei Nachtfahrten über eine automatische Abblendfunktion.

Je nach Wetter- und Fahrsituation, beispielsweise mit Gepäck und Insassen im Fond, kann der Fahrer zwischen beiden Sichtweisen wechseln. Der Display-Modus soll dank einer nach hinten gerichteten Kamera eine stark verbesserte Sicht nach hinten bieten – und auch die seitlichen toten Winkel wesentlich verkleinern.

Laut Craig L. Piersma, Marketingdirektor der Gentex Corporation in Michigan/USA, wird das Sichtfeld nach hinten mit dem digitalen Spiegel auf bis zu 60 Grad erweitert.

Eigenentwickelte Bildregeltechnik

Für die Sicht nach hinten im Auto benötigen Videosysteme einen hohen Dynamikumfang. Dieser ergibt sich aus der Herausforderung, Details der dunkelsten und hellsten Bildbereiche in einem Display ausgewogen anzuzeigen. Die neue Gentex-Kamera soll das mithilfe sogenannter CMOS-Bildsensoren (Complementary Metal Oxide Semiconductor) schaffen. Mit einer selbst entwickelten Bildregeltechnik lässt der Bildsensor jeden Pixel selbstständig die optimale Belichtung berechnen, sodass der hellste und der dunkelste Bereich auf dem Bildschirm klar angezeigt werden.

Je nach Herstelleranspruch bzw. Kundenanforderung soll die Kamera in nahezu allen Fahrzeugtypen einsetzbar sein, sei es im Heckspoiler, in der Heckklappe, der dritten Bremsleuchte oder in der Haifischantenne auf dem Wagendach. Die Kamera lässt sich auf Wunsch beheizen und oberflächenbehandeln, sodass auch bei schlechten Witterungsverhältnissen eine klare Sicht sichergestellt ist.

Das neue Spiegelsystem soll künftig auch im Aftersales-Markt angeboten werden. Gentex wird das System in Europa anbieten, sobald die modifizierte EC Regulation 46 (Camera Monitoring System) im kommenden Sommer verabschiedet wird.

Wahlweise arbeitet der Spiegel auch analog und zeigt das gewohnte Bild.
Wahlweise arbeitet der Spiegel auch analog und zeigt das gewohnte Bild.
(Bild: Gentex)

Die 1974 gegründete Gentex Corporation mit Sitz in Zeeland, Michigan, USA, ist in der Hightech-Elektronik tätig. Das Unternehmen produziert für die Automobilindustrie, die Luftfahrt und den Brandschutz. Mit seinen weltweiten Vertriebs- und -Entwicklungsbüros in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Korea, China und Japan sowie vier weiteren regionalen US-Vertriebsniederlassungen für die Sparte Brandschutzprodukte erwirtschaftet das Unternehmen mit seinen 5.000 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von zuletzt 1,54 Milliarden US-Dollar.

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