Neuwagenmarkt Gewerbekunden bleiben aus, Hersteller springen ein

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der Neuwagenmarkt blieb im ersten Halbjahr ohne Impulse – mit Ausnahme der Hersteller selbst. Die fielen mit einer erheblichen Ausweitung der Eigenzulassungen aus dem Rahmen. Davon profitierte zuletzt vor allem eine Antriebsart.

Die Auslieferung von Neuwagen stockt. Die Rückgänge der Neuzulassungen bleiben zudem nur wegen steigender Eigenzulassungen der Hersteller in einem erträglichen Rahmen (Symbolbild). (Bild:  Grimm – privat)
Die Auslieferung von Neuwagen stockt. Die Rückgänge der Neuzulassungen bleiben zudem nur wegen steigender Eigenzulassungen der Hersteller in einem erträglichen Rahmen (Symbolbild).
(Bild: Grimm – privat)

Dem deutschen Neuwagenmarkt fehlen die gewerblichen Impulse. Wie aus einer Analyse der Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, ist die Zurückhaltung der gewerblichen Kunden im ersten Halbjahr maßgeblich für den Verlust von rund 69.000 Neuzulassungen im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres.

Der deutsche Neuwagenmarkt liegt nach sechs Monaten um 4,7 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Besonders schlecht lief der Juni mit einem Zulassungsminus von fast 14 Prozent – allerdings hatte den Juni des Vorjahres einmal mehr ein Sondereffekt kurzzeitig befeuert. Damals war zum 1. Juli die EU-Cybersicherheitsverordnung in Kraft getreten, weshalb viele Modelle, die den Vorgaben nicht entsprachen, noch schnell per Eigenzulassung auf den Markt gebracht wurden.

Die unsichere Wirtschafts- und weltpolitische Lage belastet derzeit scheinbar vor allem die Stimmung der gewerblichen Kunden. Für diesen Zulassungskanal verzeichnet Dataforce im ersten Halbjahr einen Rückgang der Erstzulassungen um 12,2 Prozent. Es ist zugleich der stärkste Rückgang aller Segmente. In absoluten Zahlen nahm dieser Käuferkreis 59.000 Einheiten weniger ab als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Im Vergleich zum Gewerbekundenmarkt ist der Privatmarkt weitgehend stabil – oder einfach auf einem Niveau angelangt, das ein weiteres Abrutschen kaum mehr möglich macht. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 sanken die privaten Erstzulassungen nochmals um 1,0 Prozent oder rund 5.000 Einheiten.

Ebenfalls deutlich im Minus sind die Verkäufe an die Autovermieter (-7,5 %) – ein weiteres Zeichen für die schleppend verlaufende Konjunktur. Und auch der Fahrzeughandel hielt sich im bisherigen Jahresverkauf mit Eigenzulassungen überraschend deutlich zurück. Mit einem Minus von 9 Prozent war der Rückgang wesentlich stärker als die Gesamtentwicklung.

Hersteller setzen vermehrt auf Elektro-Eigenzulassungen

Man könnte letztlich fast meinen, dass sich die Hersteller als einzige gegen die negative Entwicklung stemmen. Die Zahl der Eigenzulassungen des Fahrzeugbaus, der Hersteller und Importeure stieg im Vergleich fast explosionsartig um 29 Prozent. Insgesamt ließ dieser Kreis rund 29.000 Pkw mehr zu als vor Jahresfrist. „Ein hohes Maß an Eigenzulassungen ist ein Indiz für die schwache Marktlage“, heißt es dazu von Dataforce.

Markenmonitor 2025

»kfz-betrieb«-Dossier

Vertriebsnetze – Gute Stimmung, schlechte Stimmung

Der Markenmonitor 2025 beleuchtet, wie zufrieden der Handel mit 28 Marken ist.
(Bildquelle: VCG)

Seat und Cupra sind top, Citroën ist das Schlusslicht im diesjährigen Markenmonitor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA). Nur warum ist das so? Gibt es Entwicklungspotenzial und wie schätzt die Branche die Fabrikate ein? Um Antworten zu geben, hat »kfz-betrieb« die Markenmonitor-Daten durchgesehen, komprimiert und durch Grafiken anschaulich aufbereitet. Dadurch ist ein Kompendium entstanden, das die Gemütslage des Handels in 28 Vertriebsnetzen durchleuchtet und auf den Punkt bringt. Die Ergebnisse finden Abonnenten im Online-Dossier Markenmonitor 2025.

Weil die Autos aber am Ende als Kurzzulassungen mit deutlichen Preisabschlägen im Markt landen, könnte die Entwicklung zugleich ein Indiz sein, dass in vielen Netzen die Neuwagenpreise zu hoch sind – die Forderung nach mehr bezahlbaren Neuwagen wird auch immer wieder aus den Händlernetzen geäußert.

Sicher ist zudem, dass die Hersteller zuletzt über die Eigenzulassungen vermehrt Elektroautos in den Markt bringen. Laut der Dataforce-Auswertung war die Elektroauto-Quote im Marktsegment Fahrzeugbau zuletzt auffällig hoch: 27 Prozent im Juni seien weit über Marktniveau und ein Zeichen dafür, dass Hersteller ihre E-Autos selbst zulassen, weil der Markt sie noch nicht genug abnimmt. „Um den Markt zu stabilisieren, drücken Hersteller besonders E-Fahrzeuge in den Markt“, heißt es von Dataforce.

Transporter: Starke Vermehrung der Hersteller-Zulassungen

Ein sehr ähnliches Bild wie für den Gesamtmarkt zeigt der spezielle Blick der Marktforschung auf die Entwicklung der leichten Nutzfahrzeuge und privaten Utilities. Der Transportermarkt verlor laut Dataforce unter dem Strich 5 Prozent an Volumen.

Auch die Performance der Kanäle weist Ähnlichkeiten auf: Große Verluste im Flottengeschäft (-10 % /13.500 Einheiten weniger) sowie steigende Eigenzulassungen der Hersteller (+ 75 %/4.200 Einheiten mehr). Der einzige Unterschied ist der Aufschwung im Privatmarkt. Der fällt mit einem Anstieg um 13 Prozent und fast 7.000 Fahrzeuge aus der Reihe.

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