Zulassungsanalyse Gewerbekundengeschäft wächst um ein Viertel

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Die Verschiebungen auf dem Neuwagenmarkt werden immer augenfälliger. Zum dritten Mal in Folge sind die Gewerbekunden die wichtigsten Abnehmer. Allerdings wird die Entwicklung derzeit getrieben von verschiedenen Faktoren.

Die Neuzulassungen ziehen an, die treibende Kraft sind derzeit aber gewerbliche Kunden.(Bild:  Schreiner – »kfz-betrieb«)
Die Neuzulassungen ziehen an, die treibende Kraft sind derzeit aber gewerbliche Kunden.
(Bild: Schreiner – »kfz-betrieb«)

Das Firmenkundengeschäft ist inzwischen mit Abstand der wichtigste Absatzkanal für Neuwagen. Wie aus einer Auswertung der Neuzulassungszahlen im März durch die Marktforschung Dataforce hervorgeht, kamen über diesen Kanal knapp 3.500 Einheiten mehr in die Erstzulassung als über den Privatkundenmarkt. Dieser war bisher, mit wenigen Ausnahmen, der wichtigste Abnehmer für Neuwagen gewesen.

Im März wurden nun noch 32,9 Prozent aller Neuwagen durch Privatpersonen veranlasst. An die Firmenflotten und die Gewerbetreibenden flossen dagegen 34,1 Prozent aller Erstanmeldungen. Dass der Gewerbemarkt den Privatmarkt überholt hat, liegt auch an einem starken Zulassungsplus in jenem Kanal. Um 23,8 Prozent legte der Flottenmarkt zu im Vergleich zum Vorjahresmonat, während die Privatzulassungen nur um 2,1 Prozent wuchsen. Sie bleiben damit deutlich unter dem Marktdurchschnitt von 16,6 Prozent. In dieser Zielgruppe dürften die hohe Inflation und damit einhergehend die stark gestiegenen Zinsen in der Fahrzeugfinanzierung deutliche Bremsspuren hinterlassen haben.

Aus Sicht der Dataforce-Analysten liegt der starke Aufwärtstrend im Flottenmarkt an einem hohen Nachholbedarf der Firmen. Die hatten wegen der akuten Lieferschwierigkeiten der letzten Jahre (Stichwort Halbleiterkrise) oft die Leasingverträge verlängert, sodass die Firmenwagen inzwischen hohe Laufleistungen absolviert haben und dringend ersetzt werden müssen. Übrigens war der Flottenmarkt im bisherigen Jahresverlauf in jedem Monat der zulassungsstärkste Vertriebskanal.

Gewerbe fährt auf BEV ab

Zu dieser Entwicklung passen auch die Trends bei der Antriebswahl. So ist der Absatz von Dieselfahrzeugen, die im Flottengeschäft traditionell gefragt sind, um 14 Prozent gestiegen. In diese Zahl spielt aber auch der Wegfall der E-Auto-Prämie für Plug-in-Hybride hinein, wodurch diese Antriebsart im gewerblichen Einsatz weniger attraktiv wird. Plug-in Hybride verloren 31 Prozent in Flotten – und 57 Prozent im Privatmarkt. Die Zulassungszahlen von Benzinern und Benzinhybriden legten dagegen um 28,4 Prozent zu. Die BEV-Zulassungen kletterten um 28,0 Prozent – vor allem getrieben durch die Gewerbekunden (+52 %).

Mit der steigenden Produktion und Lieferfähigkeit der Hersteller gewinnen auch die Eigenzulassungen wieder an Bedeutung. Die Hersteller brachten 22,5 Prozent mehr Neuwagen selbst auf die Straßen, die Händler weiteten die Eigenzulassungen um ein Fünftel aus (+20,8 %). Allerdings sind die zugrunde liegenden Vergleichszahlen des Vorjahres auch auf einem niedrigen Stand gewesen. „Schnäppchen mit einer stark rabattierten Tageszulassung können aktuell nur wenige Autokäufer machen“, heißt es in der Dataforce-Analyse. Und auch die Unternehmensberatung EY erwartet, dass Rabatte erst gegen Ende des Jahres wieder eine größere Rolle spielen könnten.

Einen sehr starken Anstieg der Erstzulassungen verzeichnen die Analysten dagegen im Bereich der Autovermieter (+43,7 %). Diese Klientel wurde wegen der Lieferengpässe in den vergangenen Monaten stiefmütterlich behandelt, nun fließen die Fahrzeuge wieder in diesen Kanal. Mit einiger Verzögerung dürfte diese Entwicklung den Gebrauchtwagenmarkt entlasten.

Transportermarkt deutlich stärker als Pkw-Markt

Deutlich verhaltener verlief die Entwicklung des Transportermarkts. In dieser Sonderauswertung analysiert Dataforce die Nachfrage von leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities. Deren Neuzulassungen legten im März um genau 10 Prozent zu. Ursächlich an dieser verhaltenen Entwicklung ist der Privatmarkt: Er verlor um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Ursache liegt möglicherweise in stark rückläufigen Reisemobil-Zulassungen. Exakte Daten dazu liegen aber noch nicht vor.

Denn grundsätzlich scheinen diese Fahrzeuge gefragt zu sein, in den gewerblichen Kanälen stiegen die Neuzulassungen überdurchschnittlich stark. Am deutlichsten legte auch hier die Autovermieter zu (+24,4 %), gefolgt von den Händlern (+18,0 %) und den Herstellern (+14,7 %).

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