G(l)anz oder gar nicht!
Die Optik spielt beim Gebrauchtwagenverkauf eine große Rolle. Für die Aufbereitung der Gebrauchten stellt sich häufig die Frage, ob diese in Eigenregie erfolgen soll oder ob man einen externen Aufbereiter beauftragt.
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Gebrauchtwagen verkaufen sich selbst in Zeiten akuter Geldknappheit nicht ausschließlich über den Geldbeutel. Auch die Optik hat großen Anteil an der Kaufentscheidung. Wohl die meisten Gebrauchtwagen haben bei der Inzahlungnahme Mängel, die man ihnen in gewissem Maße auch zugesteht. Um die Standtage für das Fahrzeug jedoch möglichst gering zu halten, müssen diese Mängel umgehend beseitigt werden. Stellt sich nur die Frage, ob die Aufbereitung in Eigenregie erfolgen soll oder ob man einen externen Aufbereiter beauftragt. „Am Ende ist es ein Rechenexempel,“ weiß Volker Kuhn vom Bundesverband Fahrzeugaufbereitung (BFA), „Doch meist sprechen die Zahlen für den Profi-Aufbereiter.“
Die Gründe dafür lägen auf der Hand, ergänzt Kuhn: „Wer sich im Betrieb einen eigenen Aufbereiter leistet, schafft einen kompletten Arbeitsplatz, der im Kfz-Gewerbe schnell bis zu 90.000 Euro pro Jahr kostet. Allein mit Gebrauchtwagenaufbereitung wird die Amortisation nicht gelingen.“ Dabei hat Kuhn Investitionen in Geräte und Pflegemittel, Aus- und Weiterbildung sowie Betriebskosten für Wasser und Strom noch gar nicht berücksichtigt. Emrah Ates, Geschäftsführer und Inhaber von Car Image in Würzburg, kennt das: „Ich beschäftige 25 Aufbereiter, die regelmäßig Schulungen besuchen. Nur so können wir den hohen Qualitätsstandard halten, der unter den BFA-Mitgliedern herrscht. Zur Zeit bilden sich Mitarbeiter im Bereich kratzfester Lacke und Nanoversiegelung weiter. Ihre Personalkosten laufen während ihrer Abwesenheit natürlich weiter.“ Michael Bonfigt, Geschäftsstellenleiter des Volvo-Zentrums Würzburg, lässt grundsätzlich alle in Zahlung genommenen Gebrauchtwagen extern aufbereiten: „Das sind pro Jahr etwa 350 Fahrzeuge. Selbst bei einer relativ hohen Zahl gehandelter Gebrauchtwagen rentiert es sich nicht, einen eigenen Arbeitsplatz zu schaffen. Wir haben das gründlich kalkuliert, doch die Kosten für Material, Personal und Zeit amortisieren sich nicht über den Fahrzeughandel.“
Den Profis alles überlassen
Auch ein professioneller Fahrzeugaufbereiter kann nicht zaubern. Ates rät seinen Kunden: „Bei Autos, die älter als zehn Jahre sind, rechnet sich eine Aufbereitung häufig nicht mehr. Der Fahrzeughändler sollte alles dransetzen, solche Wagen an Wiederverkäufer zu veräußern.“ Kuhn argumentiert für die Fahrzeugaufbereiter etwas anders: „Die Tätigkeit des Fahrzeugaufbereiters hört dort auf, wo die Reparatur beginnt.“ Es sei denn, der Dienstleister ist ein Meisterbetrieb und kann somit auch „größere Schönheitsreparaturen“ beseitigen, so wie beispielsweise Car Image. Ates fasst zusammen: „Wir holen die Fahrzeuge beim Händler ab, bereiten sie außen und innen auf und beseitigen sämtliche Mängel. Dazu gehören auch Arbeiten an Mechanik, Elektrik und Karosserie.“ Kunden von Car Image müssen sich demnach um nichts kümmern - außer um die Auftragserteilung. So läuft es auch bei Volvo in Würzburg ab: Das aufzubereitende Fahrzeug wird abgeholt und dem Dienstleister bleibt es überlassen, wie er das Auto wieder in Schuss bekommt. Lediglich bei speziellen Arbeiten gibt Bonfigt Instruktionen: „Bei speziellen Kundenwünschen im Bereich Smart Repair oder bei Lackierungen sprechen wir die anstehenden Aufgaben durch. Alles andere überlassen wir den Profis des Unternehmens.“
Mit einer sach- und fachgerechten Aufbereitung lassen sich Gebrauchtwagen schneller absetzen – das ist bekannt. Gleichzeitig lässt sich auch der Ertrag beim Handel mitunter deutlich steigern. „500 bis 1 500 Euro mehr Ertrag haben wir an einem aufbereiteten Gebrauchtwagen. Natürlich ist diese Summe abhängig von Marke, Modell, Saison und regionalen Marktgegebenheiten,“ erklärt der Volvo-Geschäftstellenleiter. Die Aufbereitungskosten würden, ergänzt der Unterfranke, entweder intern verrechnet oder bereits beim Ankaufpreis einkalkuliert.
Der Bundesverband Fahrzeugaufbereitung ist überzeugt, dass die professionelle Fahrzeugaufbereitung einen extrem hohen Stellenwert besitzt und letztendlich nicht mehr aus dem Gebrauchtwagenhandel wegzudenken ist. Kuhn propagiert unermüdlich: „Nur optisch einwandfrei präsentierte Fahrzeuge lassen sich gut verkaufen.“ Glanz oder gar nicht ist definitiv keine Frage, sondern vielmehr eine Pflicht für diejenigen, die aktiv Gebrauchtwagen verkaufen wollen.
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