Goodyear und Sumitomo gehen auseinander
Der beiden Reifenhersteller haben sich über die Auflösung ihrer globalen Allianz geeinigt. Wichtig für den deutschen Markt: Die Dunlop-Markenrechte in Europa bleiben bei Goodyear.
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Die Reifenhersteller Goodyear (USA) und Sumitomo (Japan) gehen künftig getrennte Wege: Am 4. Juni gaben die Unternehmen die Einzelheiten zur Auflösung ihrer globalen Allianz bekannt, die im Jahr 1999 gegründet worden war. „Wir haben in den vergangenen 16 Jahren von dieser Allianz profitiert. Heute ist Goodyear allerdings gut genug aufgestellt, um seine Strategie selbstständig weiterzuverfolgen“, erklärte Goodyear-Chairman und CEO Richard J. Kramer:„Wir sind bemüht, den Übergang für unsere Kunden so reibungslos und geordnet wie möglich zu gestalten.“
Dem japanischen Unternehmen Sumitomo Rubber Industries (SRI) gehören die Rechte an der Marke Dunlop auf einer Reihe von Märkten. Außerdem stellt es Reifen unter der Marke Falken her. Die Zusammenarbeit mit Goodyear besteht hauptsächlich aus vier Joint Ventures, wovon jeweils eines in Nordamerika und Europa und zwei in Japan tätig sind. Auch die Japaner waren in den letzten Jahren mit dem Nutzen des Gemeinschaftsunternehmens nicht mehr zufrieden, vor allem in Europa und Nordamerika. Außerdem sei die Geschäftsentwicklung in den Wachstumsmärkten aus dem Blickfeld geraten.
Besonders interessant für den deutschen Markt sind die Vereinbarungen über das Schicksal der europäischen Organisation Goodyear Dunlop Tires Europe. Hier soll es folgendermaßen weitergehen:
Goodyear (zurzeit 75 Prozent Anteilsbesitz) wird die von SRI gehaltenen 25 Prozent der Anteile an der Goodyear Dunlop Tires Europe (GDTE) erwerben. Goodyear behält das exklusive Recht zum Vertrieb von Reifen der Marke Dunlop in den Ersatz- und Erstausrüstungsmärkten in den Segmenten Pkw- und Nutzfahrzeugreifen sowie Motorrad- und Rennreifen in den europäischen Ländern, in denen das bestehende Joint Venture heute das alleinige Vertriebsrecht besitzt. Für die hiesigen Kunden dürfte sich also wenig ändern.
Deutsche Reifenwerke: Standortsicherungspakt gekündigt
Was mit den sechs deutschen Reifenwerken des Joint Ventures passiert, wurde in der Goodyear-Pressemitteilung nicht mitgeteilt. Offensichtlich fallen sie ebenfalls komplett dem amerikanischen Konzern zu. Allerdings hatte die deutsche Niederlassung Goodyear Dunlop Tires Germany bereits Anfang Mai den seit 1998 bestehenden Standortsicherungspakt gekündigt, wie die „Neue Reifenzeitung“ berichtete. Insgesamt arbeiten in Deutschland 7.400 Mitarbeitern für das Unternehmen (inklusive Goodyear Dunlop Handelssysteme). Die deutsche Produktion betrug 2014 rund 30 Millionen Stück.
SRI sieht sich durch die Trennung befähigt, in Europa eigene Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten aufzubauen. Seiner Marke Falken traut der Konzern offensichtlich ausreichendes Potenzial auf dem europäischen Markt zu.
USA: Dunlop-Reifen zukünftig von beiden Herstellern
Auf dem nordamerikanischen Markt behält Goodyear das Recht, Reifen der Marke Dunlop an nichtjapanische Autohersteller sowie auf den Ersatzmarkt zu liefern. SRI hingegen bekommt die Dunlop-Markenrechte für Lieferungen an japanische OEM. Dort wird es künftig also Dunlop-Produkte von unterschiedlichen Herstellern geben. Das nordamerikanische Motorradreifengeschäft geht an Sumitomo. In Japan trennen sich die bisherigen Partner säuberlich entlang ihrer Markengrenzen: Dunlop bleibt bei Sunitomo, Goodyear bei Goodyear. SRI erhält zudem das Recht, Reifen der Marke Dunlop in Ländern wie Russland, der Türkei und einigen afrikanischen Staaten zu verkaufen.
Die Vereinbarung sieht außerdem vor, dass Goodyear an SRI beim Abschluss der Transaktion, die für das vierte Quartal 2015 vorgesehen ist, 271 Millionen US-Dollar zahlen wird. Zusätzlich wird Goodyear innerhalb von drei Jahren nach dem Abschluss der Vereinbarung eine bereits bestehende Schuld von etwa 55 Millionen Dollar an SRI zurückzahlen. Im Rahmen der Vereinbarung wird Goodyear außerdem seine 3,4 Millionen SRI-Stammaktien verkaufen.
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