GTÜ: Auf dem Weg zum Vollsortimenter
Seit Jahren kämpft die GTÜ gegen sogenannte Wettbewerbsverzerrungen – mit Erfolg. Das belegt nicht nur die fachliche, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stuttgarter PÜberwachungsorganisation. Davon ist GTÜ-Geschäftsführer Rainer de Biasi überzeugt.
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Redaktion: Worauf ist der anhaltende Erfolg der GTÜ zurückzuführen?
Rainer de Biasi: Tatsächlich haben wir im Jahr 2010 um zwei Prozent zugelegt, obwohl der Rückgang bei den Hauptuntersuchungen genau so eingetreten ist, wie wir ihn prognostiziert hatten. Wenn ein Unternehmen trotz des rückläufigen Marktes Zuwächse erzielt, dann kann man mit der Unternehmensentwicklung sehr zufrieden sein. Das zeigt, dass die Dienstleistung unserer Partner nach wie vor nachgefragt wird und wir als bevorzugte Partner im Markt gesehen werden.
Was ist der Grund dafür?
Zuallererst die hohe Flexibilität sowie die Service- und Kundenorientierung unserer Partner. Diese weiten mit unserer Hilfe ihr Dienstleistungsangebot beständig aus, sodass sie im Prinzip als Vollsortimenter im Sachverständigen- und Prüfwesen auftreten können. Dafür bekämpfen wir die immer noch bestehenden Wettbewerbsverzerrungen. Dass wir das mit Erfolg tun, zeigt beispielsweise die Möglichkeit der Oldtimerbegutachtung oder der Wegfall der 18-Monatsfrist bei Stilllegungen. Die notwendigen Begutachtungen/Untersuchungen dürfen heute auch die Prüfingenieure der Überwachungsorganisationen übernehmen. Diese Tätigkeiten führten in der Vergangenheit zu Wettbewerbsverzerrungen, weil die Autohäuser für diese Teilleistungen dann doch wieder die Dienste eines Monopolisten in Anspruch nehmen mussten.
Auch in der Kundenzufriedenheit schneidet die GTÜ im Vergleich gut ab. Was tun Sie dafür?
Das liegt zum einen in der Natur der Sache: Der Freiberufler ist in der Regel kundenorientierter als der angestellte Mitarbeiter – insofern tut er auch alles Mögliche für die Kundenzufriedenheit. Beispielsweise macht er seine Prüfstelle erst dann zu, wenn der letzte Kunde vom Hof gefahren ist und hält sich nicht sklavisch an die ausgewiesenen Öffnungszeiten. Zu dieser Flexibilität gehören auch zusätzliche Dienstleistungen, die wir im Autohaus anbieten können. Zudem legen wir neben der rein fachlichen Ausbildung viel Wert auf Ausbildungsthemen wie Mitarbeiterführung, Kundenkontaktpflege, Kundenakquise, Motivation und Mitarbeitergespräche. Dafür haben wir eine Unternehmerakademie gegründet, weil wir glauben, dass nur der sich im Markt durchsetzen kann, der auch diese Themen beherrscht.
Also wenn man den Autobesitzer ohne Plakette wegschickt, dann wenigstens freundlich?
Das ist es, genau. Viele Kunden sind dankbar, wenn man ihnen beispielsweise einen porösen Bremsschlauch am Auto zeigt. Man muss ihnen erklären, warum sie die Plakette für ihr Fahrzeug nicht bekommen – es geht nicht darum, sie zufriedenzustellen, indem man unter allen Umständen die Plakette klebt. Das haben alle Überwacher begriffen.
Wie hat sich die freiwillige Qualitätskontrolle durch den Qualitätssicherungsverein, der sich die Prüforganisationen unterziehen, entwickelt?
Wir haben viele unangekündigte Nachkontrollen sowohl in den Werkstätten als auch in den Prüfstellen durchgeführt. Es war wichtig und sinnvoll, den Werkstätten und Kunden zu zeigen, dass wir alle mit der gleichen Messlatte messen. Der Prüfingenieur vollzieht häufig einen Spagat in den Werkstätten: Der Autofahrer möchte gerne, dass sein Fahrzeug die Plakette mit möglichst geringem Aufwand bekommt. Die Werkstatt hat Interesse an vielen Mängeln, weil sie diese reparieren möchte. Der Prüfingenieur muss hier im Sinne der Verkehrssicherheit in beide Richtungen Rückgrat zeigen – er darf sich von keiner Seite beeinflussen lassen.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis der Willensbekundung, die das Kfz-Gewerbe und die Überwacher unterzeichnet haben?
Ich glaube, wir haben in den vergangenen zehn Jahren bewiesen, dass wir sehr partnerschaftlich miteinander umgehen. Es gab aus unserer Sicht einige Punkte, an denen der ein oder andere derjenigen, die unterschrieben haben, das Gegenteil von dem gemacht hat, was vereinbart war. Solange das der Fall war, sah ich keine Veranlassung zu einer Unterschrift. Deshalb haben wir an der Willensbekundung weiter gearbeitet, sodass sie nun für alle akzeptabel ist. Dadurch schaffen wir auch für die nächsten zehn Jahre Leitplanken, in denen wir uns bewegen wollen. Insofern glaube ich, dass die Willensbekundung sinnvoll ist, auch wenn das Gewerbe an verschiedenen Stellen meint, dass die Kooperation nicht gut funktioniert habe. Wenn man sich aber überlegt, dass das eine freiwillige Vereinbarung ist und der ZDK keinen unmittelbaren Durchgriff auf seine Werkstätten hat – ich nenne hier nur die Dumpingpreise für die AU – und wir im Endeffekt auch keinen unmittelbaren Durchgriff auf unsere Partner. Deshalb sollten wir das in den Vordergrund stellen, was in den vergangenen zehn Jahren sehr gut funktioniert hat.
Ist nicht die technische Prüfstelle überflüssig, wenn der Markt liberalisiert wird?
Im Grunde genommen brauchen wir sie heute schon nicht mehr. Man behauptet ja, dass die Freien Organisationen die Präsenzpflicht – 25 Kilometer im Umkreis eines jeden Autofahrers – nicht erfüllen könnten. Das stimmt so schon lange nicht mehr. Es ist auch nicht so, dass wir uns nur in besonders attraktiven Gebieten bewegen. Vielmehr sind wir in den weniger besiedelten Gebieten in Deutschland genauso vertreten wie in den Ballungszentren. Das heißt, wir decken die gesamte Fläche ab. Aus meiner Sicht ist das System der technischen Prüfstelle überholt. Das BMVBS hat ja zunächst versucht, die Einzelgenehmigungen für Fahrzeuge den technischen Prüfstellen vorzubehalten. Das ist nicht gelungen. Vielmehr wurden die technischen Dienste allgemein als die Zukunftslösung in der EU angesehen. So sind wir über den Weg der Akkreditierung auch zu der Befugnis als Technischer Dienst für Gesamtfahrzeuge gelangt. Mittelfristig wird allenfalls das Fahrerlaubniswesen noch bei den technischen Prüfstellen bleiben.
Das Gespräch führteKonrad Wenz
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