Gut gerüstet mit Werkstattsystem
Freie Werkstätten haben Vorteile gegenüber ihren markengebundenen Wettbewerbern. Doch ohne Werkstatsysteme wie ad Autodienst ist es schwierig zu bestehen.
Als Frank Achenbach 1988 sein Unternehmen in Bochum gründete, war ihm eines klar: Er wollte frei sein. Deshalb kam es ihm gar nicht in den Sinn, sich um einen Vertrag mit einem Hersteller zu bemühen – obwohl seine Firmengründung in einen Zeitraum fiel, als die Importeure nahezu Jeden in ihre Händlerschaft aufnahmen oder sogar mit enormen Zuschüssen lockten. „Als Freie Werkstatt kann ich viel flexibler auf Veränderungen am Markt reagieren“, erklärt Achenbach. Die Flexibilität ist für ihn der größte Vorteil, den Freie Werkstätten gegenüber ihrem markengebundenen Wettbewerb haben.
Viel Fleiß, vernünftige Preise, gute Qualität und intensive Werbung: Schnell hatte sich in Bochum herumgesprochen, dass Auto Achenbach eine gute Adresse für Service und Reparaturen am Auto ist. 15 Jahre arbeitete Achenbach fast Tag und Nacht. In dieser Zeit baute er seinen Werkstattbetrieb aus, sodass er im Jahr 2003 acht Mitarbeiter beschäftigte. Außerdem investierte er in einen Zweigbetrieb, in dem er hauptsächlich den Gebrauchtwagenverkauf abwickelt.
Guter Ruf
Mit der Zeit baute sich Achenbach ein ganz spezielles GW-Image auf. Denn der gelernte Kaufmann verkauft in erster Linie hochwertige Gebrauchtwagen. Der Durchschnittspreis liegt oberhalb von 40 000 Euro. Rund 300 Fahrzeuge verlassen jährlich seinen Hof. „Leider verkaufe ich die meisten Fahrzeuge über das Internet außerhalb meines Einzugsgebiets“, bedauert der Unternehmer. Er hätte es lieber, wenn er die Fahrzeuge auch warten und reparieren dürfte.
Als im Jahr 2002 in Brüssel die reformierte GVO verabschiedet wurde, war Achenbach besorgt. Zwar fand er es gut, dass die GVO viele der bestehenden Wettbewerbsbeschränkungen verbietet; aber er sah auch, dass dadurch der Wettbewerb härter werden würde. Denn auf einmal hatten die markengebundenen Kollegen die Möglichkeit, in den Mehrmarkenservice einzusteigen. Achenbach sah seinen Vorsprung schwinden, den er sich so hart erarbeitet hatte.
Einzelkämpfer
„Ich war die ganzen Jahre auf mich selbst gestellt. Alle Werbekampagnen habe ich mir selbst ausgedacht und umgesetzt. Darüber hinaus war ich damit beschäftigt, die notwendigen technischen Informationen zu beschaffen und mich immer nach der günstigsten Möglichkeit für den Teileeinkauf umzuschauen. Dazu kam dann noch der Gebrauchtwagenein- und -verkauf“, sagt Achenbach.
Dem befürchteten härteren Wettbewerb wollte sich der Bochumer unter diesen Umständen nicht stellen. Ihm war klar, dass er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen musste. Dabei ging es ihm überhaupt nicht um die unternehmerische Beratung, sondern um die Unterstützung bei seinen täglichen Aufgaben. Achenbach erkannte, dass die etablierten Werkstattsysteme ihm genau diese Unterstützung bieten konnten. „Es war für mich wichtig, in einem Verbund von vielen Werkstätten zu sein. Da habe ich größere Überlebenschancen gesehen. Das gilt in Bezug auf technische Daten, einheitliche Signalisation oder bezüglich der Werbemaßnahmen. Diese Dinge bekomme ich in einem Verbund wesentlich günstiger und einfacher“, erläutert Achenbach.
Richtige Wahl
Er schaute sich am Markt um und entschied sich Ende 2003 für das System Ad Autodienst der Carat-Gruppe. Besonders sprach ihn an, dass es modular aufgebaut ist und er sich die Dinge herausgreifen konnte, die er für sinnvoll hielt. Heute nutzt Achenbach alle Bausteine des Systems: „Das ist ja gerade der große Vorteil eines Werkstattkonzepts: Der Kunde findet in jeder Stadt unter der gleichen Signalisation das gleiche Angebot. Der Wiedererkennungswert ist enorm.“ In diesem Zusammenhang bedauert er, dass längst nicht alle Ad Autodienste das System in seiner ganzen Breite nutzen. „Dadurch gibt es punktuell Unterschiede im Angebot und das schadet dem Gesamtkonzept“, berichtet der Unternehmer.
In den Folgejahren erlebte der Betrieb einen wahren Schub in seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Die Mitarbeiterzahl wuchs auf heute 16. Auch der Umsatz des Unternehmens verdoppelte sich (siehe Kasten). Von einer Umsatzrendite von 14 Prozent kann die Branche normalerweise nur träumen – bei Achenbach wird sie erwirtschaftet.
Allerdings weist das Unternehmen auch eine extrem günstige Kostenstruktur auf (beispielsweise 500 Euro Monatsmiete).
Zahlreiche Vorteile
Ein weiterer großer Vorteil war das Schulungsangebot, das das Werkstattsystem anbietet. „Man bekommt auch als Freier Betrieb alle notwendigen Schulungen. Jedoch musste ich alles in mühevoller Kleinarbeit zusammenstellen“, beschreibt er. Das sei seit 2003 deutlich einfacher geworden. Neben dem geringeren Zeitaufwand seien auch die Kosten für Schulungen gesunken. „Es ist eben ein Unterschied, ob ich eine Schulung als Einzelunternehmen buche oder ob 50 Autodienstpartner an dieser Schulung teilnehmen. Die Kostenreduzierung hat zum Teil bis zu 50 Prozent ausgemacht“, meint Achenbach.
Darüber hinaus gebe es eine Analyse der Autodienstmitarbeiter, die zeige, wo die Stärken und Schwächen des Betriebes liegen. Daraufhin stellen sie ein entsprechendes Schulungsprogramm zusammen.
Ähnlich verhält es sich im Punkt technische Informationen. Auch hier ist Achenbach davon überzeugt, dass sich ein Freier Betrieb alle notwendigen Daten beschaffen kann. In seinem Betrieb gibt es beispielsweise drei Motortester, über deren Hotlines schon eine weite Spanne abgedeckt wird. Den Rest konnte er sich über seine Teilelieferanten beschaffen. Heute hält sich allerdings der Aufwand für die Datenbeschaffung in Grenzen. „In diesem Punkt haben wir durch die reformierte GVO einen Riesenschritt nach vorne gemacht“, freut sich Achenbach. Darüber hinaus würden sowohl Teilehersteller als auch Automobilhersteller die Werkstätten mit technischen Informationen locken. „Die wollen ihre Teile verkaufen und geben die technischen Informationen quasi als Rabatt dazu“, berichtet der Bochumer.
Vor einer erneuten GVO-Reform hat Achenbach keine Angst. Selbst der Gedanke, dass die GVO komplett kippen könnte, versetzt ihn nicht in Unruhe. Ganz im Gegenteil: Der Unternehmer bleibt gelassen. Er ist davon überzeugt, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat und sein Unternehmen für die Zukunft richtig aufgestellt hat.
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