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H2-Strategie soll den Verkehrssektor dekarbonisieren

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Die Bundesregierung hat die Wasserstofftechnologie als zentrales Zukunftsfeld ausgerufen. Ausdrücklich soll auch die Autobranche daran teilhaben – zur Senkung des CO2-Ausstoßes wie zur Sicherung der Innovations- und Zukunftsfähigkeit.

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H2 in den Tank: Deutschland will mit „grünem“ Wasserstoff den Verkehrssektor weniger CO2-lastig machen.
H2 in den Tank: Deutschland will mit „grünem“ Wasserstoff den Verkehrssektor weniger CO2-lastig machen.
(Bild: Daimler)

Deutschland soll nach dem Willen der großen Koalition bei der Nutzung neuartiger klimafreundlicher Wasserstoff-Energie weltweit zum Vorbild werden. Dazu verabschiedete das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin eine Strategie, die Milliarden-Zuschüsse, rechtliche Erleichterungen und konkrete Produktionsziele vorsieht. Neben den laufenden Förderprogrammen soll mit sieben Milliarden Euro erreicht werden, dass sich Wasserstoff am Markt durchsetzt. Weitere zwei Milliarden sind für internationale Partnerschaften eingeplant.

Im Zentrum steht dabei sogenannter grüner Wasserstoff, der ausschließlich mit erneuerbarer Energie gewonnen wird. Er kann als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas abzulösen. Die Strategie kommt mit einem guten halben Jahr Verspätung, da wichtige Fragen lange zwischen den Ministerien umstritten waren.

Wasserstoff sei entscheidend für die Dekarbonisierung wichtiger deutscher Kernbranchen, darunter auch des Verkehrssektors, hieß es zur Begründung. Zugleich können sich Wasserstofftechnologien zu einem zentralen Geschäftsfeld der deutschen Exportwirtschaft entwickeln. Die Zeit für Wasserstoff und die dafür nötigen Technologien sei reif, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Wir müssen daher jetzt die Potenziale für Wertschöpfung, Beschäftigung und den Klimaschutz erschließen und nutzen.“

„Wir wollen bei den neuen Wasserstoff-Technologien hin zu grünem Wasserstoff weltweit führend sein, als Ausrüster für die Welt, aber auch als Produzenten“, sagte Altmaier weiter. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens könnten nur erreicht werden, wenn auch andere Länder die Potenziale erkennen würden. Bis 2030 sollen in einem ersten Schritt Erzeugungsanlagen für Wasserstoff von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung in Deutschland entstehen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte Deutschland müsse sich „gerade im Bereich der Mobilität auch als das führende Herstellerland in Europa und der Welt positionieren“. Nun sei die Wirtschaft gefordert, etwa Wasserstoff-Busse und -Lkw zu entwickeln. „Wir brauchen Wasserstoff auch im Verkehrsbereich“, sagte Scheuer. Nötig seien wirtschaftliche Projekte, die Wasserstoff für die Menschen erlebbar machen. Mit den „HyLand-Projekten“ sei sein Ressort bereits dabei, in einzelnen Regionen die Wasserstofftechnologie von der Erzeugung bis zur Nutzung vor Ort aufzubauen.

Forschungsministerin: „Es braucht noch jede Menge Forschung und Entwicklung“

Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, um weltweit an die Spitze zu kommen, brauche es noch „jede Menge Forschung und Entwicklung“. Vieles könne man in kleinem Maßstab, jetzt gelte es, die Technologien im großen Maßstab in die Praxisanwendung zu bringen. Kommende Woche will sie einen „Innovationskoordinator“ vorstellen, der das Thema vorantreiben soll. Zudem kündigte sie einen Ideenwettbewerb für Forschungseinrichtungen und Unternehmen an.

Für die Wasserstoff-Produktion braucht es sehr viel Energie. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mahnte, wer Ja zu Wasserstoff sage, müsse auch Ja zum Ausbau der Windkraft sagen, weil es zusätzlich Ökostrom brauche. Die Bundesregierung geht allerdings davon aus, dass ein großer Teil der benötigten Wasserstoff-Menge auf absehbare Zeit importiert werden wird. Entwicklungsminister Gerd Müller unterzeichnete eine Vereinbarung mit der marokkanischen Regierung zum Aufbau einer ersten industriellen Produktionsanlage für Wasserstoff in dem nordafrikanischen Land.

Aus der Energiewirtschaft und der Industrie kam viel Lob für die Strategie. Umweltschützer begrüßten besonders, dass grüner Wasserstoff im Zentrum stehe – sehen aber den geplanten Ausbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes kritisch, da batterieelektrische Pkw den Strom effizienter nutzen.

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