Händlerverband fordert Schadensersatz für die VW-Abgasaffäre
Lange hat der VW- und Audi-Partnerverband zur Dieselaffäre des Herstellers und den Folgen geschwiegen. Jetzt rechnet der Vorsitzende Dirk Weddigen von Knapp im „Spiegel“-Interview mit dem Verhalten des Autobauers ab. Der reagiert „mit Verwunderung“.
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Nach langem öffentlichen Schweigen hat der Vorsitzende des VW- und Audi-Partnerverbands, Dirk Weddigen von Knapp, den Umgang des Volkswagenkonzerns mit den Händlern heftig kritisiert. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ warf er dem Autobauer allgemein „eine grobe Verletzung ethischer Werte“ vor sowie die Missachtung der Händlerschaft. Sie fühle sich im Stich gelassen, „der Konzern kümmert sich nicht um ihre Sorgen“.
Die sind nicht zuletzt finanzieller Art. Mit jedem Leasingrückläufer eines Dieselfahrzeugs drohen dem Handel derzeit bis zu 3.000 Euro Verlust, dazu steigen die Standzeiten und sinken die Marktanteile. Der Verband hat angesichts dieser Entwicklungen ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um die Höhe des Schadens für den Handel zu ermitteln. Auf dieser Basis will man vom Hersteller Schadenersatz fordern. VW-Markenchef Herbert Diess sei vor drei Wochen über die Schritte informiert worden. „Ich habe bis heute keine Antwort bekommen“, so Weddigen von Knapp.
Diese wiederholte Missachtung der Belange des Handels irritiert ihn zunehmend. „Die Händler fühlen sich so, als wären sie keuchend aus dem Wasser aufgetaucht, und gleich drückt sie wieder einer runter“, kritisiert Weddigen von Knapp. Auf den Skandal um die verbotene Prüfstandserkennung sei die Diskussion um Temperaturfenster und unzureichende Abgasreinigung gefolgt, die nun zur Infragestellung aller Dieselautos bis einschließlich Euro 5 mündete.
Während die Händler täglich mit den Fragen und dem Ärger der Kunden konfrontiert werden, „spricht Herr Müller kein Wort mit uns“. Stattdessen sprechen die Vertriebsabteilungen der Marken – über die VW-Verkaufsziele fürs kommende Jahr und über Änderungen an den Audi-Händlerverträgen. „Dabei müsste der Vertrieb jetzt erst mal mit uns darüber sprechen, welche wirtschaftlichen Folgen der Skandal für die Händler hat“, stellt Weddingen von Knapp klar. So lange der Schaden nicht beziffert sei, müsse man nicht über neue Verkaufsziele reden.
Wolfsburg gibt sich überrascht
Der Volkswagenkonzern reagierte auf die Aussagen des Verbandschefs mit Unverständnis. Die Konzernmarken stünden „in regelmäßigem und konstruktivem Austausch mit allen Repräsentanten des Volkswagen-Audi-Partnerverbands“, heißt es in einem noch vor Veröffentlichung der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe verschickten Statement. Der Konzern wisse um die herausfordernde Situation des Handels und nehme die Rückmeldungen seiner Handelspartner ernst.
Daran hat Weddigen von Knapp allerdings seine Zweifel. Deutlich kritisiert er den Umgang mit den Klagen der Autokäufer, die ihr Fahrzeug getauscht oder ihr Geld zurück haben wollen. Die Ankündigung, mit den Klagen durch alle Instanzen gehen zu wollen, „vergrätzt die Kunden noch mehr“. Letztlich spiele der Konzern das Problem herunter, spreche von 5.000 anhängigen Klagen. Nach Informationen des Händlerverbands sind es aber mindestens doppelt so viele, wegen der Verjährungsfrist werde „bis zum Jahresende noch ein ganzer Schwung dazukommen“.
Der Verbandschef fordert den Hersteller auf, seine Kunden „endlich anständig zu behandeln“. Der Konzern lasse Kunden und Händler allein aus finanziellen Überlegungen im Regen stehen. „Es geht ihnen ums Geld, einzig und allein ums Geld.“
Inhaltlich entspreche die Darstellung der Themen aus Konzernsicht nicht den Fakten, etwa hinsichtlich der Diesel-Restwerte, heißt es in der VW-Stellungnahme weiter. Zudem zeigte sich der Autobauer verwundert über den unvermittelten Gang in die Öffentlichkeit. Dies sei nicht im Sinne der Handelspartner und sogar „geschäftsschädigend für die Handelsorganisation“. Diese Einschätzung teilen zumindest nicht alle Handelspartner. Michael Sprenger, Geschäftsführer der Hülpert-Gruppe, äußerte auf den Vorgang angesprochen spontan, dass für Gespräche hinter verschlossenen Türen genug Zeit gewesen sei. Die scheint bislang scheinbar ergebnislos verstrichen zu sein.
ZDK bietet Unterstützung an
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) äußerte unterdessen in einer ersten Stellungnahme Verständnis dafür, dass „bei den VW-Händlern und dem Händlerverband die Nerven blank liegen.“ Die Händler müssten im Gespräch mit den Kunden Vieles aushalten. „Sie erwarten von ihrem Hersteller Rückendeckung, damit verloren gegangenes Vertrauen gemeinsam wieder aufgebaut werden kann – daran mangelt es aber offensichtlich“, hieß es am Montag aus der Bonner Verbandszentrale.
Der ZDK unterstrich zudem, man biete dem VW- und Audi-Partnerverband selbstverständlich seine Unterstützung an.
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