Handwerk wirbt um Studienabbrecher

Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

Immer mehr junge Menschen studieren, zugleich steigt die Quote der Abbrecher. Ihnen erleichtert nun das Handwerk die Neuorientierung mit einer Videokampagne, die Chancen und Perspektiven zeigt.

Kfz-Mechatroniker Christian Sauermann-Kersch ist eines der Gesichter der Kampagne.
Kfz-Mechatroniker Christian Sauermann-Kersch ist eines der Gesichter der Kampagne.
(Foto: Björn Ewers)

Mehr als 500.000 Studenten beginnen jährlich ein Studium, Tendenz weiter steigend. Doch am Ende verlassen knapp 30 Prozent von ihnen die Uni ohne Abschluss. Die wichtigsten Gründe für den Studienausstieg sind laut einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) Leistungsprobleme, finanzielle Engpässe, mangelnde Motivation und fehlender Praxisbezug.

Viele der jungen Erwachsenen schlagen sich dann ohne Berufsabschluss mehr oder weniger erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt durch. Das Handwerk will den Studienaussteigern nun zeigen, welche attraktive Ausbildungsplätze mit viel Praxis, eigenem Gehalt und guten Aufstiegschancen es in seinen über 130 Berufen bietet. Speziell für Studienabbrecher bieten einige Handwerkskammern in Kooperation mit Universitäten und Betrieben vor Ort Beratung an, beispielsweise zur verkürzten Ausbildung und zu passenden Handwerksbetrieben.

Der Weg vom Hörsaal in die Werkstatt ist bei vielen unglücklichen Studenten aber noch nicht hinreichend bekannt. Das will der Deutsche Handwerkskammertag mit einer Kampagne ändern. In kurzen Videosequenzen berichten acht ehemalige Studienaussteiger, die inzwischen im Handwerk glücklich sind, als „Helden des Handwerks“ von ihren Erfahrungen. Die Filme sind seit Mitte November an Gebäudefassaden rund um Universitäten sowie im Internet unter www.handwerk.de/walloffame und auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube und Instagram zu sehen.

Kfz-Meister statt Bachelor

Einer der Protagonisten ist der Kfz-Mechatroniker Christian Sauermann-Kersch. Nach seiner Kfz-Ausbildung hatte er die Fachhochschulreife nachgeholt und ein Maschinenbau-Studium aufgenommen. Doch einen Abschluss machte er an der Hochschule nicht. Stattdessen kehrte er in seinen erlernten Beruf zurück und legte die Meisterprüfung ab. Heute leitet der 36-Jährige die Filiale eines Unternehmens für Reifen- und Autoservice in Chemnitz.

Studierenden, die an der Universität unglücklich sind, rät er: „Macht etwas aus eurem Leben – es muss nicht immer das sein, was ihr euch zuerst vorgenommen habt.“ Wenn jemand eine Leidenschaft für handwerkliche Tätigkeiten habe, solle er oder sie diese im Handwerk ausleben. Denn dort werde die Person glücklicher als in einem eventuell aufgezwungenen Studium.

(ID:43736334)