Hauptuntersuchung prüft die Elektronik
Der TÜV Süd hat Prüfmethoden für die elektrischen Systeme von Fahrzeugen entwickelt, die ab dem 1. April 2006 zugelassen wurden.
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ABS, ESP, Airbag und Kurvenfahrlicht – Elektronische Systeme entlasten den Fahrer und sorgen für mehr Verkehrssicherheit. Voraussetzung: Die Systeme funktionieren einwandfrei. Um dies im Rahmen der periodischen Fahrzeuguntersuchung zu gewährleisten, müssen Autos mit Erstzulassung ab 1. April 2006 sich einer erweiterten Hauptuntersuchung unterziehen.
Der TÜV Süd demonstrierte vor kurzem im Prüflabor der Fahrzeugsystemdaten GmbH (FSD) die neue Fahrzeughauptuntersuchung. Wie dringend notwendig eine Überprüfung elektronischer Sicherheitssysteme ist, verdeutlicht eine, so FSD-Geschäftsführer Jürgen Bönninger, „dramatische Zahl“: Demnach deckten die Hauptuntersuchungen im Jahr 2008 in Deutschland 77.000 defekte oder nicht reparierte Airbags auf.
Damit elektronische Helfer wirklich helfen, müssen sie funktionieren – über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs. „Das Sicherheitsniveau eines Fahrzeugs muss erhalten bleiben. Das kann nur die Hauptuntersuchung sicherstellen“, sagt Martin Jost, Direktor für Sachverständigenwesen bei der TÜV Süd Auto Service GmbH. Manchmal würden Komponenten wie der Airbag nach einem Unfall ausgebaut, um die teure Reparatur zu vermeiden, ergänzte er.
Hauptuntersuchung für das 21. Jahrhundert
Um die Hauptuntersuchung in Sachen Elektronik auf den neuesten Stand zu bringen, hat der TÜV Süd gemeinsam mit anderen Prüfgesellschaften bereits vor fünf Jahren die Fahrzeugsystemdaten GmbH (FSD) mit Sitz in Dresden gegründet. Deren Aufgabe ist, alle relevanten Systemdaten der Fahrzeughersteller zusammenzutragen, um den Verbau und die Funktionsweise der elektronischen Helfer überprüfen zu können.
Die Datenbank umfasst mittlerweile Angaben für mehr als 60 Millionen in Deutschland zugelassener Fahrzeuge. Auf der Basis dieser Daten haben die Experten von der FSD gemeinsam mit den Kfz-Herstellern standardisierte Prüfvorgaben entwickelt, die für alle verbauten elektronischen Sicherheitssysteme gelten. Sie sind die Grundlage der neuen elektronischen Hauptuntersuchung.
Ziel für die Entwicklung der Hauptuntersuchung ist die Nutzung der Fahrzeugschnittstelle (On-Board Diagnose) im Fahrzeug. Dort können die Systemdaten von sicherheitsrelevanten elektronischen Systemen mit der Datenbank des Prüfers verglichen werden und damit die komplizierte und zeitaufwändige Einzelprüfung verbauter Helfer ersetzt werden.
„Mit dem neuen HU-Tool zur Prüfung elektronisch geregelter Systeme direkt über die Fahrzeugschnittstelle sind wir mit der Hauptuntersuchung im 21. Jahrhundert angekommen“, betont René Babick von der FSD. Über die OBD-Schnittstelle, die ohnehin jedes moderne Fahrzeug besitzt, lässt sich innerhalb von Sekunden ermitteln, ob die Geräte vorhanden sind, ob es sich um Originalteile handelt – das wird über die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) sichergestellt – und ob alle zu einem System gehörenden Komponenten einwandfrei funktionieren, nicht manipuliert oder unsachgemäß repariert wurden.
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