Auch wenn das laufende Autojahr wegen schlechter Auftragslage nicht gut gestartet ist, zeigt sich das hessische Kfz-Gewerbe optimistisch. Grund dafür ist die sehr gute Bilanz für 2023.
Stellten gemeinsam die Jahresbilanz für das Kfz-Gewerbe Hessen vor: Geschäftsführer Joachim Kuhn (v.l.), Präsident Michael Kraft, Vizepräsident Thorsten Krämer und Pressesprecher Roger Seidl.
(Bild: Kfz-Gewerbe Hessen)
Das für viele Branchen schmerzhafte Krisenjahr hat das hessische Kfz-Gewerbe mit Umsatzplus und Rekorden überstanden. „Wir gehen verhalten optimistisch in die Zukunft“, sagte Michael Kraft, Präsident des Kfz-Landesverbands, bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Donnerstag. Grund dafür gebe das Autojahr 2023 mit seinem unerwartet guten Ergebnis. Der hessische Automarkt schloss mit einem Gesamtumsatz (Neuwagenhandel, Gebrauchtwagen und Service) von 29,3 Milliarden Euro (+18,4 Prozent) ab.
2023 habe mit gestiegenen Neuwagenpreisen und der besseren Verfügbarkeit von Fahrzeugen höhere Umsätze und Erträge beschert, sagte Kraft. Erfreulich sei eine stabile Umsatzrendite vor Steuern von 3 Prozent. Der Gesamtumsatz in Höhe von 29,3 Milliarden Euro gliedere sich in 15,2 (Vorjahr: 12,1) Milliarden Euro für den Neuwagenmarkt und 8,8 (Vorjahr: 8,3) Milliarden Euro für das Geschäft mit gebrauchten Pkw. Mit neuen Lkw sei ein Umsatz von 2,1 (Vorjahr: 1,6) Milliarden Euro erreicht worden, mit gebrauchten Lkw 836,6 (Vorjahr: 780,3) Millionen Euro. Der Serviceumsatz liege jetzt bei 2,4 (Vorjahr: 2,0) Milliarden Euro.
Aufgrund dieses Ergebnisses werde sich der hessische Automarkt trotz der konjunkturell nicht einfachen Rahmenbedingungen festigen, ebenso die Positionen des mittelständischen Kraftfahrzeuggewerbes, glaubt Präsident Kraft. Nach einem erfolgreichen Autojahr 2023 mit unerwartet hohem Geschäftsvolumen sieht sich die Branche nun einer zunehmenden Wettbewerbsintensität gegenüber, auch durch neue Anbieter aus China und die Änderungen durch die Einführung von Agentursystemen.
Überdurchschnittlich viele Neuzulassungen
Zum Ergebnis: Der hessische Pkw-Markt 2023 mit überdurchschnittlich hohen Neuzulassungen teilt sich in 54,3 Prozent für Verbrenner und 45,7 Prozent für alternative Antriebe, davon 17,6 (Vorjahr: 17,1) Prozent vollelektrische Pkw. Dies sind 123.975 (Vorjahr: 96.591) Benziner, 59.783 (Vorjahr: 50.877) Diesel und 154.827 (Vorjahr: 132.035) „Alternative“, davon 59.615 (Vorjahr: 47.846) vollelektrische Neuwagen (BEV) und 23.249 (Vorjahr: 40.283) Plug-in-Hybride.
Das überdurchschnittliche Plus im Neuwagenmarkt resultiert aus Sondereffekten durch Eigenzulassungen der Hersteller und Importeure. Hessen hat im vergangenen Autojahr die höchsten Steigerungen aller Flächenländer bei den Pkw-Neuzulassungen zu verzeichnen. Das durchschnittliche Plus liegt bundesweit bei 7,3 Prozent, Hessen hat 21 Prozent erreicht.
E-Markt-Erholung erst ab 2025
Auch wenn der Anteil der elektrischen Antriebe 2023 noch mal zulegte, zeigte sich Kraft skeptisch. Zwar hätten die meisten Hersteller und Importeure freiwillig den Umweltbonus nach dem plötzlichen Stopp der Förderung den Kunden gezahlt. Dennoch sei der Absatz elektrisch betriebener Fahrzeuge überproportional zurückgegangen und dafür der Absatz von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren wieder gestiegen. Die Kunden seien aktuell sehr verunsichert. Eine Abkehr von der Elektromobilität will Kraft aber darin nicht erkennen.
Politik und Verwaltung müssten für die Bürger zuverlässig und berechenbar sein, forderte Kraft. Er rechne mit einer Erholung des Marktes für E-Autos erst ab 2025, wenn auch mehr kostengünstige Modelle auf dem Markt sind. Ob sich der Markt 2024 nachhaltig beleben werde, sei bei den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fraglich, so Kraft. Er forderte einen stärker forcierten Ausbau der Ladeinfrastruktur, auch wenn der in Hessen im bundesweiten Vergleich besser sei. Während der bundesweite Durchschnitt pro Ladepunkt bei rund 20 E-Autos liege, melde Hessen 27,7 Pkw pro Ladepunkt.
Grund für den gestiegenen Umsatz im Neuwagenhandel ist der gestiegene durchschnittliche Preis von 44.850 (Vorjahr: 43.110) Euro für einen Neuwagen, auch durch Sonderausstattungen und den gestiegenen Anteil der E-Fahrzeuge.
Preise für Gebrauchte sind deutlich gesunken
Leichte Einbußen gab es auf dem hessischen Gebrauchtwagenmarkt (0,9 Prozent). Gewinner ist der Fachhandel, Verlierer der Privatmarkt. Von den 474.033 (Vorjahr: 439.471) Besitzumschreibungen sind 336.384 Verkäufe im Fachhandel erfolgt (71 Prozent) und 137.649 im Privatmarkt. Letzterer hat 13 Prozent eingebüßt und hält noch 29 (Vorjahr: 36) Prozent Marktanteil. Der neue durchschnittliche Preis für einen gebrauchten Pkw in Höhe von 18.880 (Vorjahr: 19.130) Euro (-14,6 Prozent) ist das Ergebnis eines steigenden Angebots.
Positiv stehen die Kennzahlen des Nutzfahrzeugmarktes in der Bilanz. Die Umsätze mit neuen und gebrauchten Nutzfahrzeugen in Hessen sind um 20,7 Prozent auf 2,9 (Vorjahr: 2,4) Milliarden Euro gestiegen. 57.376 (Vorjahr: 46.340) Fahrzeuge sind ein Plus von 23,8 Prozent, wobei besonders die Transporter mit plus 24,2 Prozent zugelegt haben.
Stand: 08.12.2025
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Service mit starker Bilanz
Als das „Rückgrat des Kraftfahrzeuggewerbes“ bezeichnete Thorsten Krämer, Landesinnungsmeister und Vizepräsident des Kfz-Landesverbands, den Service. Mit einem Umsatz von 2,4 (Vorjahr: 2,0) Milliarden Euro sei die Vorjahresmarke um 17,2 Prozent übertroffen worden. Das Wachstum resultiere vor allem aus Wartungsarbeiten, denn trotz eines erneut gestiegenen Pkw-Alters auf 10,1 Jahre im Durchschnitt habe es Verluste bei den Verschleißreparaturen gegeben. Dies könne an der kleineren Jahreskilometerleistung von 12.440 Kilometern liegen. Die Quote der durchschnittlichen Werkstattauslastung lag bei 87 Prozent (+2 Prozent) und vier Prozent höher als im letzten Vorkrisenjahr 2019. Die Wartezeiten der Kunden für Servicetermine stieg damit auf durchschnittlich elf Tage, teilte Krämer mit.
Berufsbilanz mit neuem Rekord
Gute Zahlen gibt es auch im Ausbildungsbereich: 2023 erlebte das hessische Kfz-Gewerbe die beste Ausbildungsbilanz seit 30 Jahren. Das hessische Kfz-Gewerbe schloss 2.433 neue Verträge für die fünf gewerblichen und kaufmännischen Ausbildungsberufe (+19,3 Prozent) ab.
Für den Kfz-Mechatroniker wurden 1.758 neue Verträge abgeschlossen (+20,3 Prozent). Für den Automobilkaufmann/-frau konnten 426 neue Verträge abgeschlossen werden, eine Steigerung von 10,1 Prozent, der höchste Wert seit 2017, so Krämer. Gründe für das gute Ergebnis seien das starke Engagement der Betriebe, die Hilfsmittel des ZDK und die Modernisierung des Berufs und des digitalen Prüfungsverfahrens, so Krämer. Das spreche auch mehr Frauen an.
Für die Zukunft sieht Kraft noch viele Herausforderungen, mit denen Kfz-Betriebe konfrontiert sind: Fragen und Problemen rund um die Agentursysteme, die ungeklärten Datenzugänge, überbordende Regulatorik für die Betriebe, Kostensteigerung, die allgemeine Wirtschaftslage und die erfolgreiche Umsetzung der Transformation der Branche. Kraft erklärte, die Traumergebnisse aus dem letzten Vorkrisenjahr 2019 seien nicht mehr zu erreichen.
Zum Abschluss gab Präsident Kraft eine Erklärung ab und sprach sich gegen jegliche Art von Extremismus und Rassismus aus. Die Kfz-Betriebe seien ein Spiegel der Gesellschaft: So wie nach dem Zweiten Weltkrieg Heimatvertriebene und Flüchtlinge hier Lohn und Brot fanden und danach, ab den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts, viele Zuwanderer ihre berufliche Heimat fanden, werde die Automobilwirtschaft auch in der Zukunft ohne Fachkräfte und Mitarbeiter aus dem Ausland nicht auskommen, so Kraft.