Volkswagen Höchstrichterliche Entscheidung im Betriebsräte-Streit

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Die üppige Bezahlung des langjährigen VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh hatte einst für viel Aufsehen gesorgt. Doch auch andere Fälle waren strittig. Jetzt ist klar: Die Beweislast für Veränderungen in der Vergütung liegt beim Arbeitgeber.

Bei der Veränderung der Vergütung von Betriebsräten muss der Arbeitgeber klar darlegen, warum eine Anpassung geschieht.(Bild:  gemeinfrei)
Bei der Veränderung der Vergütung von Betriebsräten muss der Arbeitgeber klar darlegen, warum eine Anpassung geschieht.
(Bild: gemeinfrei)

Im Streit um gekürzte Vergütungen für freigestellte Betriebsräte im Volkswagen-Konzern hat das Bundesarbeitsgericht dem Unternehmen eine Beweispflicht verordnet. Korrigiere der Arbeitgeber eine vorgenommene Anhebung der Betriebsratsvergütungen, habe er „darzulegen und zu beweisen, dass die Vergütungserhöhung fehlerhaft war“, sagte die Vorsitzende Richterin Kristina Schmidt in der Urteilsverkündung in Erfurt (7 AZR 46/24). 

Das Urteil hat potenziell Auswirkung auf alle Unternehmen mit einem Betriebsrat. Die (Weiter-)Bezahlung von Betriebsratsmitgliedern ist in Paragraf 37 des Betriebsverfassungsgesetzes geregelt. Strittig ist immer wieder aber die Gehaltsentwicklung von längere Zeit freigestellten Betriebsratsmitgliedern.

Der Präzedenzfall, bei dem ein freigestelltes Betriebsratsmitglied die Rücknahme einer vorgenommenen Kürzung verlangte, wurde vom Bundesarbeitsgericht nicht entschieden. Wegen Rechtsfehlern ging er an das Landesarbeitsgericht in Niedersachsen zurück. Es hatte beim Kläger die Beweislast dafür gesehen, warum ihm eine bestimmte Entgeltstufe zusteht.

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2023, nach der sich Unternehmensvorstände des Untreueverdachts aussetzen, wenn sie Betriebsräten überhöhte Vergütungen gewähren, wurden insgesamt vier VW-Fälle vom Bundesarbeitsgericht verhandelt. Dem Kläger, der den Präzedenzfall lieferte, hatte der Autobauer nach einer Überprüfung infolge der BGH-Entscheidung die Vergütung laut Anwalt von knapp 7.093 Euro auf 6.454 Euro brutto monatlich verringert.

Was Betriebsrat und Unternehmen sagen

Ein Sprecher des Konzernbetriebsrates sagte nach der Urteilsverkündung, die mündliche Begründung des Bundesarbeitsgerichts lasse hoffen, dass endlich ein Schlusspunkt hinter die jahrelange Unsicherheit beim Thema Betriebsratsvergütung gesetzt werden könne. 98 Prozent der Betriebsratsmitglieder in der Volkswagen AG würden tariflich vergütet. 

„Die Volkswagen AG begrüßt, dass durch diese Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts ein erster wichtiger Beitrag für die Klärung einer Vielzahl grundsätzlicher, bislang nicht durch das Bundesarbeitsgericht entschiedener Rechtsfragen in diesem komplexen Rechtsgebiet geleistet wird“, erklärte eine Unternehmenssprecherin. 

Die Höhe der VW-Zahlungen an freigestellte Betriebsräte hatte bundesweit für Diskussionen gesorgt, für Arbeitsgerichtsklagen und Strafverfahren – in diesem Jahr auch gegen Ex-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Auch in anderen Unternehmen werde auf den Ausgang des Verfahrens geschaut, sagte ein Arbeitsrechtler. 

Die Regeln für Betriebsratsvergütungen 

Bundesrichterin Schmidt verwies auf das Benachteiligungs- und Begünstigungsverbot für Arbeitnehmervertreter. Freigestellte Betriebsräte würden nicht für ihr ehrenamtliches Engagement bezahlt, sondern dafür, „was sie nicht tun“. Laut Betriebsverfassungsgesetz sollen sie nicht geringer vergütet werden als vergleichbare Arbeitnehmer mit einer im jeweiligen Betrieb üblichen beruflichen Entwicklung.

Ein anderer Passus beschäftigt sich mit hypothetischen Karriereschritten des einzelnen Betriebsrats und deren Auswirkungen auf die Vergütung. Diese allgemeinen Regeln sorgen häufig für Konfliktstoff – nicht nur bei VW, wo es laut Anwältin des Unternehmens allein 85 strittige Fälle gibt.

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