Mit der zweiten Generation des Mirai macht Toyota sein Wasserstoffauto deutlich massentauglicher. Ein Fahrtest zeigt, dass sich die Nutzung kaum von klassischen Limousinen unterscheidet. Zwei Dinge müssen Kaufinteressenten aber berücksichtigen.
Toyota schickt die zweite Generation des Mirai ab dem 1. März auf die Straßen. Das Modell ist gegenüber der Erstauflage praxistauglicher und günstiger.
(Bild: Solveig Grewe / mid)
Seit 2014 steht der Toyota Mirai für Brennstoffzellentechnik. Mit dem Fahrzeug gilt Toyota als Vorreiter für den zweiten Weg neben der Elektromobilität, wegzukommen von fossilen Energieträgern in der individuellen Mobilität. Schon der Name weist den Weg, denn „Mirai“ bedeutet „Zukunft“. Die zweite Generation, die nun am 1. März 2021 auf den deutschen Markt kommt, geht nun mit einer massentauglicheren Optik als der Vorgänger an den Start. Dazu steigt die Reichweite, während der Preis deutlich sinkt.
Der neue Mirai baut auf der Toyota Global Plattform auf und gibt sich im Fahrtest alltagstauglich. Mit einer Tankfüllung kommt man bis zu 650 Kilometer weit. Mit diesem Wert und einem weniger als fünf Minuten dauernden „Tankvorgang“ bietet das Modell ein Umfeld, das sich hinter konventionellen Fahrzeugen nicht verstecken muss .
Toyota Mirai: Generation zwei – eine alltagstaugliche Alternative
Die gegenüber der ersten Generation um 30 Prozent gesteigerte Reichweite des neuen Mirai gewinnt der Hersteller durch ein verbessertes, kompakteres und leichteres Brennstoffzellensystem und eine veränderte Anordnung des Antriebsstrangs. Dies schafft nicht nur Platz für einen dritten Wasserstofftank, sondern auch für eine dritte Person im Fond. Der bisherige Viersitzer wird zum Fünfsitzer.
Die Leistung des Elektromotors wächst von 154 PS auf 182 PS, das maximale Drehmoment beträgt 300 Newtonmeter. Tempo 100 erreicht der neue Toyota Mirai in 9,2 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 175 km/h.
Außentemperaturen von weit unter null Grad Celsius lassen den futuristischen Wagen ungerührt. Er springt auch bei minus 30 Grad an. Verspricht Toyota. Auch ein spürbarer Reichweitenschwund durch das Heizen der Fahrgastzelle, wie es in batterieelektrischen Autos vorkommt, ist ihm fremd, da der Mirai die Abwärme der Brennstoffzelle zum Wärmen der Insassen nutzt.
Außen Warnton, innen flüsterleise
Nach dem Druck auf den Startknopf rollt der Testwagen in seiner auffälligen Hydro-Blue-Lackierung los. Bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h werden nichtsahnende Fußgänger vor der 4,97 Meter lang gestreckten eleganten Limousine beim Heranrollen durch akustische Hinweise gewarnt. Danach wird es im gut gedämmten Inneren bis auf ein dezentes Zischen bei starker Beschleunigung flüsterleise.
Im Sportmodus reagieren Gaspedal- und Lenkraderkennung gewollt spürbar schärfer, und der Elektromotor verteilt ohne groß zu fackeln seine Kraft über das stufenlose Getriebe auf die Hinterräder und sorgt für kraftvollen Schwung.
Eigentlich liegt dem Mirai die Rolle des sanften Gleiters mehr als die des kurvenraubenden Draufgängers. Im Normal-Modus federt die 1,9 Tonnen Kilogramm schwere Limousine jetzt sanft und komfortabel über die leicht gewellten Landstraßen, ohne aber schwammig zu wirken. Die bequemen Sitze sorgen vorne und hinten bei einem Radstand von 2,92 Metern für ausreichende Kopf- und Beinfreiheit in angenehmer Lounge-Atmosphäre.
Das Reisegepäck sollte bei voller Besetzung sorgfältig gewählt werden. Im Kofferraum dezimiert der eine der drei mit Carbon und Glasfaser verstärkten und damit nahezu unzerstörbaren Wasserstofftanks den Platz auf nur noch 271 Liter.
Feinstaubreiniger während der Fahrt
Das ist der Preis für vorbildliche Umwelteigenschaften, denn während der Fahrt mutiert der Mirai auch noch zum rollenden Luftfilter. Damit die Brennstoffzelle besonders effizient arbeitet, braucht sie Luft. Je sauberer, desto besser. Im von Toyota entwickelten Filter im Lufteinlass fängt ein elektrisch geladenes Vlieselement selbst mikroskopisch kleinste Partikel, darunter Schwefeldioxide, Stickoxide und Feinstaub.
Neben gereinigter Luft produziert das Brennstoffzellenverfahren Wasserdampf. Dieser wird automatisch ständig über ein spezielles Abwasserrohr anstelle der sonst üblichen Abgasrohre abgeleitet. Oder man lässt ihn publikumswirksam per Knopfdruck über einen H2O-Schalter im Cockpit nach außen entfleuchen.
Somit fährt der Mirai vollkommen emissionsfrei, doch das nur, wenn der getankte Wasserstoff durch regenerative Energie wie Wind- und Sonnenstrom und nicht aus Erdgas erzeugt wird. Erst dann kann dem japanischen Hightech-Auto auch CO2-Neutralität attestiert werden.
Stand: 08.12.2025
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Bisher gibt es in Deutschland lediglich 90 frei zugängliche Tankstellen für Wasserstoff – eine zweite wesentliche Einschränkung neben dem Kofferraumvolumen, die Käufer unbedingt beachten müssen. Angesichts der ordentlichen Reichweite von Brennstoffzellenfahrzeugen gestattet das H2-Netz dennoch eine gut geplante Reise durch Deutschland von Nord nach Süd und von West nach Ost. Ein weiterer Ausbau des Tankstellennetzes ist Bestandteil der hierzulande kürzlich beschlossenen Wasserstoff-Strategie.
Mit einem Preis ab 63.900 Euro kostet die zweite Generation des Mirai im Vergleich zum Vorgänger rund 15.000 Euro weniger. Unter Berücksichtigung der aktuellen Elektroautoförderung kann man von dieser Summe noch rund 7.500 Euro abziehen.