Nach dem schwierigen Start will Ora mit dem Projekt „GWM 2.0“ einen neuen Anlauf nehmen. Dabei dürfen sich Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, fordert der Partnerverband. Denn unter diesen leiden die Händler bis heute.
Vorstand und Geschäftsführung des GWM-Partnerverbands: (v. l.) Carsten Seitz, Martin Kloos, Marc Winkelmann, Geschäftsführer Andreas Wahl, Vorstandsvorsitzender Boris Mommerskamp, Dennis Herzog und Uli Bollack.
(Bild: Simon – VCG)
Great Wall Motor (GWM) plant im Sommer 2026 einen Neustart in Deutschland. Das Projekt „GWM 2.0“ solle der Auftakt für neue Modelle und eine bessere Positionierung am deutschen Markt werden, kündigte GWM-Deutschland-Chef Johannes Brandenburger auf der Jahreshauptversammlung des Great-Wall-Motor-Partnerverbands in den Räumen der MCE-Bank in Flörsheim an.
Den Beginn soll im Juli der Ora 5 machen, der in mehreren Karosserie- und Antriebsvarianten auf den Markt kommen soll, zuerst als Benziner und Vollhybrid, später soll eine BEV-Variante folgen. Außerdem soll es zwei neue SUVs geben, eines im C- und eines im D-Segment
Die Händler hoffen, dass mit den neuen Modellen die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholt werden – zum Beispiel bei der Einpreisung, die bei den bisherigen Ora-Modellen anfangs deutlich zu hoch ausfiel und den Händlern immer noch zu schaffen macht. Der Hersteller dürfe zu Beginn nicht so gierig sein, hieß es aus dem Plenum. Gleichzeitig besteht die Befürchtung, dass mit der Einführung des Ora 5, der dem Ora 03 auf Fotos nicht unähnlich sieht, die Bestände aktueller Modelle weiter entwertet werden könnten.
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Bei der Tagung in Flörsheim handelte es sich um die erste Jahreshauptversammlung des Verbands, der erst 2023 gegründet wurde. Trotz der kurzen Zeit des Bestehens kann der Verband auf „turbulente Zeiten zurückblicken“, sagte Geschäftsführer Andreas Wahl. „Ich kenne niemanden, der mit der GWM zurzeit wirklich glücklich ist, weder im Handel noch beim Importeur“, summierte Wahl. „Emil Frey hat die Herausforderung der Einführung einer neuen, im Export wenig erfahrenen chinesischen Marke deutlich unterschätzt.“ Viele Händler der ersten Stunde haben sich längst wieder zurückgezogen.
Symptomatisch für die Probleme: Läuft man am Gelände der MCE-Bank in Flörsheim vorbei, dann blicken einen viele runde Ora-Scheinwerfer an. Auch im Handel stehen noch zahlreiche Ora 03 und 07. Und es werden mehr, denn mittlerweile kommen auch Leasingrückläufer zurück. Deren ursprünglich ermittelte Restwerte lägen „fernab der Konditionen, zu denen der Importeur gerade seine jungen Gebrauchten anbietet“, so Wahl.
Problematisch ist in puncto Leasing auch, dass es für die Händler derzeit keine Möglichkeit gibt, das Restwertrisiko an den Importeur oder die Bank abzugeben. Bei Ora hatte diese Option zumindest in der Vergangenheit bestanden. Die Verantwortung für das Restwertrisiko sei ein Dauerthema und werde es wohl auch bleiben, kommentierte Carsten Seitz aus dem Vorstand des Verbands. Marco Christ, Geschäftsführer der MCE-Bank, stimmte zu, dass es hierzu einer Lösung bedarf, die Bank könne das Risiko aber nicht alleine tragen. Es müsse eine Lösung „im Dreiergespann“ her. Brandenburger zeigte sich in der Diskussion mit dem Handel für das Thema offen. Noch im ersten Quartal soll ein Vorschlag präsentiert werden.
Ein Schmerzpunkt im Handel ist auch das „Superleasing“, das GWM für junge Gebrauchtwagen anbietet. Die Angebote stehen in direkter Konkurrenz zu den Gebrauchten auf den Händlerhöfen. Er verliere jeden Tag Kunden wegen des Superleasing, erklärte ein Partner im Plenum.
Ora ist nur eine der Produktlinien von GWM in Deutschland. Daneben gibt es noch die beiden Wey-Modelle 03 und 05, die GWM mit Premiumanspruch positionieren wollte; kein leichtes Unterfangen in einem Segment, in dem sich schon „viele Hersteller tummeln“, so Wahl. Der Anspruch lahmte schließlich auch dadurch, dass die Fahrzeuge zunächst monatelang in Bremerhaven feststanden und massiv verspätet im Handel ankamen. „Wir haben Dinge erlebt, die wir noch nie gesehen haben“, sagte Carsten Seitz über den Start der Marke. Und das nicht im positiven Sinne. Erst nach und nach habe sich die Lage gebessert.
Haval als Hoffnungsschimmer
Mittlerweile gibt es mit Haval noch eine dritte Produktlinie. Auch wenn das SUV Haval H6 nicht für den europäischen Markt homologiert ist und nur per Einzelabnahme verkauft werden kann, betrachten die Händler es als Hoffnungsschimmer. „Wir haben die Fahrzeuge auf dem Hof und die Resonanz ist wirklich gut“, sagte Seitz. Der H6 erfülle mit dem Einstiegspreis ab 28.990 Euro das, was Kunden von einem chinesischen Newcomer erwarten: günstigere Preise als bei den etablierten Marken. Da würden viele auch darüber hinwegsehen, dass die eine oder andere Funktionalität nicht an Bord ist.
Bislang gibt es für die einzelnen Produktlinien einen eigenen Händlervertrag. Somit koexistieren im Netz Partner, die nur Ora vermarkten, solche, die Ora und Wey anbieten, und einige wenige, die nur einen Wey-Vertrag haben. Das uneinheitliche Bild soll sich perspektivisch ändern. Alle Händler, egal welchen Vertrag sie haben, sollen dann animiert werden, einen allgemeinen GWM-Vertrag zu unterschreiben. „Es wird für jeden eine goldene Brücke gebaut“, sagt Carsten Seitz. Das heißt aber auch: Die Händler müssen sich dann zu GWM als Dachmarke bekennen und alle Modelllinien vertreten. „Jeder muss für sich die Entscheidung treffen, ob er dabeibleiben will – auch wenn gerade niemandem die Pistole auf die Brust gedrückt wird“, sagte Wahl.
Stand: 08.12.2025
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„Es ist wichtig, dass wir uns zur Marke GWM hin entwickeln“, erklärte dazu auch Brandenburger. „Wir wünschen uns ein gemeinsames Netz, das Ora, Wey und Haval verkauft.“
Start auf 13 weiteren europäischen Märkten
Eine gute Nachricht für die Händler ist, dass GWM bald auf zusätzlichen europäischen Märkten starten will. Aktuell ist der chinesische Hersteller neben Deutschland lediglich in Schweden, Lettland, Estland und Bulgarien aktiv. In den nächsten Monaten sollen 13 Länder hinzukommen. Das würde dem europäischen Markt größeres Gewicht verleihen und die Möglichkeit eröffnen, europäische Marketing-Kampagnen zu fahren. Mit dem Start von „GWM 2.0“ habe der Hersteller bereits zugesagt, mit Budget aus China zu unterstützen. Das wäre wichtig, denn die mangelnde Marken- und Produktbekanntheit sei bislang noch ein Schwachpunkt, bemängelt der Verband.
Neben der Diskussion der aktuellen Themen stand auch die Wahl eines neuen Verbandsvorstands an. Guido Riemann und Jan Sperling kandidierten nicht erneut. Neuer Vorsitzender des Verbands ist Boris Mommerskamp vom Autohaus Mommerskamp in Mönchengladbach. Seine Vorstandskollegen sind: Uli Bollack, Dennis Herzog, Martin Kloos, Carsten Seitz und Marc Winkelmann.