Tesla Hoffnung in China, Ärger in den USA

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Beim E-Auto-Bauer dreht sich derzeit vieles um die „Autopilot“-Funktionen. In China soll das System nun dank einer Kooperation mit Baidu starten, in den USA bleibt die Verkehrssicherheitsbehörde auch nach einem Update skeptisch.

Tesla zwischen Himmel und Höllle: In den USA meckert die Verkehrsaufsicht, in China geht es mit „Autopilot“ voran.(Bild:  Grimm – VCG)
Tesla zwischen Himmel und Höllle: In den USA meckert die Verkehrsaufsicht, in China geht es mit „Autopilot“ voran.
(Bild: Grimm – VCG)

Tesla-Gründer Elon Musk hat bei seinem Blitzbesuch in China laut Medienberichten wichtige Zusagen für die Einführung der fortgeschrittenen Version des Assistenzsystems „Autopilot“ erreicht. Tesla ging dafür einen Navigations- und Kartendeal mit dem chinesischen Online-Giganten Baidu ein, schrieben am Montag der Finanzdienst Bloomberg und das „Wall Street Journal“. Die chinesischen Behörden hätten daraufhin grundsätzlich grünes Licht für den Start der neuen „Autopilot“-Version in dem Land gegeben, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

China ist einer der wichtigsten Märkte für Tesla. Der Elektroauto-Vorreiter trifft in dem Land aber auf immer mehr Konkurrenz von einheimischen Marken. Im Schlussquartal 2023 überholte der Hersteller BYD Tesla sogar bei den weltweiten Auslieferungen. Dabei trumpfen die Rivalen auch mit Fahrassistenz-Funktionen auf, während Tesla Zügel angelegt waren.

Die neue „Autopilot“-Version mit der Bezeichnung „Full Self-Driving“ (komplett selbstfahrend) soll unter anderem auch Ampel-Signale und Vorfahrtsregeln beachten. Tesla betont zugleich, dass die Software – entgegen ihrem Namen – das Auto bisher weiterhin nicht zu einem autonomen Fahrzeug macht und der Fahrer stets zum Eingreifen bereit sein soll.

Durststrecke in China

Musk traf Chinas Premier Li Qiang am Sonntag in Peking zu Gesprächen. Li war seinerzeit Parteichef in Shanghai als Tesla dort sein großes China-Werk ansiedelte. Wie das Staatsfernsehen CCTV berichtete, nannte Teslas Entwicklung in China ein „erfolgreiches Beispiel für die chinesisch-amerikanische Wirtschafts- und Handelskooperation“.

Das Werk Shanghai ist die größte Tesla-Fabrik. Derzeit leidet der Konzern jedoch unter einer Flaute auf dem E-Automarkt und dem brutalen Preiswettbewerb in China. Tesla lieferte im ersten Quartal weltweit mit fast 387.000 Autos überraschend weniger Fahrzeuge aus als ein Jahr zuvor. In Deutschland macht sich die weggefallene Kaufprämie für Elektroautos beim Absatz von Batterie-Pkw bemerkbar. Tesla will nun mehr als zehn Prozent seiner Stellen weltweit abbauen.

„Autopilot“-Ärgern in den USA: NHTSA ermittelt

Die US-Verkehrsbehörde hat ein neues Ermittlungsverfahren zu Teslas Fahrassistenzsystem „Autopilot“ eingeleitet. Sie geht dabei der Frage nach, ob ein „Autopilot“-Update von Dezember ausreicht, um die Sicherheitsbedenken der Behörde auszuräumen. Die NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) war in einer mehrjährigen Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass „Autopilot“ es Fahrern zu leicht machte, die Kontrolle komplett dem System zu überlassen, obwohl sie ständig die Verkehrslage im Blick behalten müssen.

Die NHTSA analysierte insgesamt 956 Unfälle aus dem Zeitraum von Januar 2018 bis August 2023. Bei 29 davon gab es Tote. In vielen Fällen seien die Unfälle vermeidbar gewesen, wenn die Fahrer aufgepasst hätten, betonte die Behörde in ihrem am Freitag veröffentlichten Bericht. So sei bei 59 von 109 Zusammenstößen, zu denen es genug Daten für eine solche Analyse gebe, das Hindernis mindestens fünf Sekunden vor dem Unfall sichtbar gewesen. Als ein Beispiel nannte die NHTSA einen Unfall im März 2023, bei dem ein Minderjähriger, der einen Schulbus verließ, von einem Model Y angefahren und schwer verletzt wurde.

Tesla hatte mit dem als offizielle Rückrufaktion durchgeführten Online-Update unter anderem zusätzliche Hinweise für die Fahrer eingeführt. Der Elektroauto-Hersteller weist zwar darauf hin, dass „Autopilot“ einen Tesla nicht zu einem selbstfahrenden Auto mache und die Menschen am Steuer jederzeit bereit sein müssten, die Kontrolle zu übernehmen. Schon die US-Unfallermittlungsbehörde NTSB warnte aber, dass Fahrer sich zu sehr auf die Technik verließen.

Die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA kritisierte auch den Namen des Systems. Die Bezeichnung „Autopilot“ könne Fahrer dazu verleiten, die Fähigkeiten der Software zu überschätzen und sich auf sie zu verlassen. US-Autofahrer können aktuell die "Full Self-Driving"-Version als Test-Version nutzen. Weil FSD die Wagen aber eben nicht zu einem autonomen Fahrzeug macht, ergänzte Tesla den Namen jüngst mit dem Zusatz „beaufsichtigt“ in Klammern.

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Das Standard-„Autopilot“-System kann das Tempo und den Abstand zum Fahrzeug davor sowie die Spur halten. Die FSD-Version soll unter anderem auch Ampeln, Stopp-Schilder und Vorfahrtsregeln auf Kreuzungen beherrschen. Firmenchef Elon Musk versprach diese Woche abermals tatsächlich selbstfahrende Tesla-Autos. Anfang August will er ein Robotaxi vorstellen.

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