HU: „Mehr als nur Plaketten kleben“
Die Fahrzeugüberwacher Dekra, GTÜ, KÜS und TÜV haben im Exklusivgespräch mit »kfz-betrieb« den Stellenwert des dualen Systems unterstrichen. Die sogenannte Meister-HU sei zudem längst keine beschlossene Sache der EU.

Die Diskussion um die sogenannte Meister-HU reißt nicht ab: Ausschlaggebend sind die EU-Pläne, die Hauptuntersuchung europaweit zu vereinheitlichen. Dies heißt allerdings nicht, dass in Sachen Hauptuntersuchung durch die Werkstätten schon alles in trockenen Tüchern ist. Ganz im Gegenteil: Bisher habe die EU-Kommission noch gar nichts entschieden, sagte eine Delegation der Fahrzeugüberwacher heute während eines Exklusivgesprächs zwischen den Überwachungsorganisationen und »kfz-betrieb« in Würzburg.
„Das in Deutschland seit Jahrzehnten praktizierte duale System – Überwacher prüfen, Werkstätten reparieren – ist inzwischen sogar ein erfolgreiches Exportmodell“, sagte Peter Schuler, Geschäftsführer der KÜS. Zudem zeigten zahlreiche Untersuchungen, dass in den Ländern ohne duales System, die Zahl der Unfalltoten deutlich höher sei als hierzulande, ergänzte Bernhard Kerscher, Sprecher der Geschäftsführung, TÜV Süd Auto Service GmbH. „In der Türkei haben wir durch die Einführung des dualen Systems innerhalb von drei Jahren die Zahl der Verkehrstoten um über 2.000 gesenkt. Das System vermeide es, das es einen Zielkonflikt gebe, der zwangsläufig entstehe, wenn derjenige der prüft, auch derjenige sei, der repariert. Sobald man das bestehende System der Hauptuntersuchung aufgebe, sei der hohe Qualitätsstandard der technischen Überwachung gefährdet, sind sich die Überwacher einig. Man könne sich nicht vorstellen, dass die EU dies zum Ziel habe.
Harmonisierung auf EU-Ebene bis 2015
„Das duale System hat sich über die Jahrzehnte bewährt“, fügte GTÜ-Bundesgeschäftsführer Rainer de Biasi an. Deshalb wolle man am System festhalten. „Die Überwachungsorganisationen sehen sich nach wie vor als Dienstleister des Kfz-Gewerbes“, so de Biasi weiter.
Wie schon mehrfach berichtet, prüft das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe derzeit die Möglichkeit, künftig Hauptuntersuchungen durch Werkstätten durchführen zu lassen. Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk sagte dazu im Gespräch mit »kfz-betrieb« kürzlich:„Die EU-Kommission will die technische Fahrzeugüberwachung auf europäischer Ebene hinsichtlich Prüfumfang, Prüffristen und Anforderungen an das Prüfpersonal bis 2015 harmonisieren. Dieses Ziel müssen wir in unseren Prüfungs- und Entscheidungsprozess einbeziehen. Daher lassen wir prüfen, unter welchen Voraussetzungen die HU neben den Überwachungsinstitutionen zusätzlich auch von Kfz-Meisterbetrieben in Deutschland selbst durchgeführt werden kann. Das erwarten unsere Verbandsmitglieder vom ZDK.“
„Wir halten an der Partnerschaft mit dem Kfz-Gewerbe fest“, sagte Volker Höhnisch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender TÜV Thüringen heute in Würzburg. Dafür seien allerdings sachliche Argumente eine wichtige Voraussetzung. „Wir wollen die Diskussion auf Augenhöhe“, resümierte der Vertreter des TÜV Süd, Bernhard Kerscher. Er wünsche sich einen fairen und vernünftigen Umgang mit dem Kfz-Gewerbe.
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