Hybridantriebe: Vorsicht, Hochspannung!

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Mit der wachsenden Verbreitung von Hybridantrieben kommt eine neue Gefahrenquelle in die Werkstätten: die Hochvolttechnik. Nur Elektrofachkräfte dürfen an dieser Technik arbeiten. Schulungen bietet etwa der TÜV Süd an.

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Eine Autowerkstatt ist schon heute kein ganz ungefährlicher Ort. Es gibt aggressive und brennbare Flüssigkeiten, es walten rohe Kräfte und oft fallen irgendwelche schweren Teile zu Boden. Mit der wachsenden Verbreitung der Hybrid- und später auch Elektroautos kommt nun noch eine weitere Gefahrenquelle hinzu: der elektrische Strom.

Wie mehrere Medien berichten, erlitt im Juli im spanischen Jerez ein Mechaniker des BMW-Formel-1-Teams bei Tests des Hybridsystems KERS einen Stromschlag und wurde leicht verletzt. Die Gefahr ist also real. Heute noch werden Hybridautos fast ausschließlich im Händlernetz der Hersteller (derzeit stellen nur Toyota und Honda solche Fahrzeuge her) gewartet und repariert. Dort ist der Hersteller bzw. der Importeur für die Schulung verantwortlich (siehe Kasten). Doch mit zunehmender Verbreitung und steigendem Alter dieser Autos werden auch Freie Werkstätten mit ihnen konfrontiert, und die hatten bislang mit Hochvolttechnik nichts zu tun.

Bis zu 1.000 Volt

Bei gewöhnlichen Autos haben es Kfz-Mechaniker mit Strömen von maximal 48 Volt Spannung zu tun. Die Hybridtechnologie, die zeitweise einen Elektromotor zuschaltet, arbeitet hingegen mit Strömen von bis zu 1.000 Volt Spannung. Mit solch hohen Spannungen darf ein Mechaniker oder Mechatroniker nur arbeiten, wenn er vorher eine entsprechende Fachausbildung absolviert hat – das ist eine Vorschrift der Berufsgenossenschaft.

Die TÜV Süd Akademie macht deshalb mit speziellen Schulungen Fachkräfte bei Herstellern und Werkstätten fit für diese Anforderungen. Anfang dieses Jahres startete die neue Seminarreihe mit fünf verschiedenen Themen rund um die Hochvolttechnik.

Wolfgang Humburg, Projektleiter an der TÜV Süd Akademie in Filderstadt bei Stuttgart, verrät seine Erfahrungen aus den ersten Terminen: „Derzeit fragen vor allem die Autohersteller unsere Schulungen nach. Die Werkstätten haben die Notwendigkeit noch nicht so richtig erkannt. Ebenso wenig wie etwa die Feuerwehr oder die Rettungsdienste, die bei Unfällen ja auch mit Hybridfahrzeugen konfrontiert werden können.“

Fit für Elektrik

Grundlage für die Schulungen ist die BGG 944 (Ausbildungsanweisung für elektrische Betriebsmittel). Hier hat die Berufsgenossenschaft alle Anforderungen niedergelegt, die eine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten erfüllen muss, sollte sie an Hochvoltsystemen arbeiten. Für die Grundausbildung setzt die Berufsgenossenschaft mindestens 80 Stunden an. Für das Kraftfahrzeuggewerbe will die Organisation jetzt einen abgespeckten Leitfaden für die Arbeit an Hybridantrieben erstellen.

Die TÜV Süd Akademie schneidet ihre Fortbildungen auf die jeweilige Zielgruppe zu: Eine kurze Einführung zum Thema im Rahmen einer eintägigen Veranstaltung ist ebenso möglich wie die Schulung von Kfz-Mechanikern im Hinblick auf die speziellen Anforderungen der Hybridtechnologie.

Inhouse-Schulung möglich

Noch weiter geht die „Ausbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten bei Arbeiten an Hybridfahrzeugen“. Sie besteht aus einem Grund- und einem Fachmodul und dauert insgesamt zehn Tage. Für Kraft- und Nutzfahrzeughersteller sowie deren Werkstätten sind jederzeit speziell zugeschnittene Inhouse-Schulungen möglich.

Für Wolfgang Humburg ist klar: „Diese Ausbildung lohnt sich auf jeden Fall. Immer mehr Fahrzeughersteller bringen in Zukunft Hybrid- oder Elektrofahrzeuge auf den Markt. Auch Werkstätten, die Hybridfahrzeuge warten und reparieren müssen, brauchen zukünftig ein elektrotechnisch ausgebildetes Fachpersonal.“

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