IAA 2017: Die neuen Elektriker

Mit Borg-Warner und Webasto drängen neue Firmen in die Elektromobilität. Die Amerikaner setzen auf 48 Volt, Webasto will sich als Batterieproduzent profilieren.

Der PTC-Heizer für E-Autos von Borg-Warner leistet sieben kW.
Der PTC-Heizer für E-Autos von Borg-Warner leistet sieben kW.
(Bild: Pauline Dennigan)

Der amerikanische Automobilzulieferer Borg-Warner ist hierzulande vielleicht nicht so bekannt wie die deutschen Branchenriesen, ist auf dem Markt für Motorkomponenten aber eine große Nummer. Am bekanntesten ist sicher die Turboladersparte 3K (früher Kühnle, Kopp & Kausch).

Genau wie viele Konkurrenten versucht Borg-Warner, in der Elektromobilität Fuß zu fassen. Mit der Übernahme des E-Motor-Produzenten Remy International im Jahr 2015 und der kürzlich geschlossenen Vereinbarung zur Akquisition von Sevcon, einem Hersteller von Leistungselektronik, verstärkt Borg-Warner seine Bemühungen in diesem Bereich.

Besonders wichtig ist den Amerikanern die 48-Volt-Technik für Mildhybride. Laut Marktstudien von Borg-Warner werden 48-Volt-Systeme bis 2027 über 60 Prozent des weltweiten Hybridmarkts ausmachen – das entspricht einem jährlichen Produktionsaufkommen von rund 25 Millionen Einheiten. Nach eigenen Angaben produziert das Unternehmen dafür eines der breitesten marktreifen 48-Volt-Portfolios der gesamten Industrie. Dazu gehören der E-Booster, ein elektrisch angetriebener Turbolader sowie riemengetriebene Startergeneratoren mit integrierter Elektronik. Die Massenproduktion der E-Booster läuft derzeit an – sein Debüt feiert das System bei drei Herstellern, unter anderem im 3,0-Liter-Benzinmotor von Daimler.

Außer den beiden genannten Produkten enthält Borg-Warners Programm für Hybrid- und Elektrofahrzeuge koaxiale und achsparallele P2-Hybridmodule, elektrische Allrad- und Heckantriebsmodule, Elektromotoren sowie Leistungselektronik-Komponenten.

Webasto will Traktionsbatterien produzieren

Das Batteriekonzept von Webasto lässt sich an jedes Fahrzeug und jede Zellenform anpassen.
Das Batteriekonzept von Webasto lässt sich an jedes Fahrzeug und jede Zellenform anpassen.
(Bild: Webasto)

Überraschend hat der Dachtechnik- und Thermospezialist Webasto auf der IAA eine Traktionsbatterie und weitere Produkte für die Elektromobilität vorgestellt. Webasto sieht sich als kompetenten Fertigungspartner für Batterien, weil man an das Handling großer Einzelbauteile gewöhnt sei und zudem das Thermomanagement beherrsche. Die Batterie ist für alle Zellformate geeignet – zylindrische, prismatische und Pouch-Zellen – und soll individuell für die jeweiligen Herstelleranforderungen entwickelt werden.

Weitere Produktneuheiten sind eine elektrische Standheizung zum Nachrüsten sowie Ladesäulen und -boxen für Wechselstrom mit unterschiedlicher Leistung (11 oder 22 kW) für Elektrofahrzeuge.

Konkurrenz bei den Hochvoltheizern

An einer Stelle sind die beiden Unternehmen sogar Konkurrenten: bei den Hochvoltheizern. Der HVH sorgt in Hybrid- und Elektrofahrzeugen für Wärme im Innenraum. Webasto hat nach dem Produktlaunch im Jahr 2015 das elektrische Heizgerät weiterentwickelt und präsentierte auf der IAA 2017 den HVH 100. Das Heizgerät ist für Bordnetzspannungen von bis zu 870 Volt ausgelegt.

Auch Borg-Warner fertigt Hochvolt-PTC-Luftheizer (Positive Temperature Coefficient) in Serie. Das Gerät liefert bis zu sieben kW Leistung und bietet eine Zwei-Zonen-Funktion, bei der nur der Raum um den Fahrer herum erwärmt wird. Das spart Strom.

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