IAA vor 50 Jahren: Flower Power für die Autobranche

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Auf der IAA 1967 hätte Mazda anlässlich seines Europastarts bereits zu gerne seinen seit Mai in Serie gebauten Cosmo Sport mit Zweischeiben-Kreiskolbenmotor gezeigt, musste diese Bühne aber noch Wankel-Lizenzgeber NSU überlassen. Nur Honda zeigte deshalb Neues aus Fernost in Form winziger Sportler und Cityflitzer mit Motoren, die hoch drehten wie ein Formel-1-Racer. Immerhin kündigte Toyota Geländewagen an, wie ein Krefelder Importeur kommunizierte.

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Während die Wirtschaftsmedien spekulierten, wann in Wolfsburg die Ära des Käfer-Förderers Heinrich Nordhoff enden würde und ob die auf der IAA doch noch nicht enthüllte VW-Mittelklasse (Typ 411) endlich Ford und Opel Marktanteile abringen würde, zeigte sich der so oft totgesagte Käfer lebendiger denn je. Nicht nur, dass ihn die Blumenkinder als Kultauto entdeckten, auch die frisch aufbrandende Welle der Strand- und Spaßmobile nutzte seine Technik.

Diese Buggys kamen aus Amerika und führten zugleich zu einem neuen Hype der Kunststoffkarosserie im Sportwagenbau. So zeigte Matra Automobiles seinen originellen Plastikflitzer 530, Saab den Sonett II und Metzeler den Delta mit NSU-Technik. Auch wenn sich die Sonne des Wirtschaftswunders vorübergehend verdunkelt hatte, ließen sich die Autokäufer das Träumen nicht nehmen und wagten sogar gänzlich Unerwartetes: Erstmals wurden Importfahrzeuge in Deutschland wirklich en vogue und eine Macht, der später ein Drittel des Marktes gehören sollte.

Dazu gehörte Alfa Romeo, jene Marke, die damals noch gegen BMW punktete. Während die Münchner in Frankfurt ihr sportliches Image polierten durch die aufgefrischten Coupés 1600 GT und 3000 V8 des gerade übernommenen Konkurrenten Glas, ließen sich die Mailänder für ihren Duetto Spider feiern. Was Alfa sogar auf der Kinoleinwand gelang, denn dort landeten die Italiener den genialen Coup einer Modelleinführung via Product Placements. Im nur scheinbar harmlosen Hollywoodstreifen „Die Reifeprüfung“ jagte Hauptdarsteller Dustin Hoffman alias Benjamin Braddock im Alfa Spider zu den gesellschaftlich verbotenen Verabredungen mit der verheirateten Mrs Robinson und deren Tochter Elaine, begleitet vom Soundtrack der Superstars Simon & Garfunkel.

„Sechs sells“ statt V8 und V12

Dagegen sprachen exklusive Sportler wie der neue Maserati Ghibli und Aston Martin DBS die Avantgarde unter den wohlhabenden Bundesbürgern an. Experimentierfreudige Enthusiasten, die Supercars in dezentem Design schätzten, vielleicht weil sie ahnten, was kommen sollte.

Durch die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche wurden chromfunkelnde V8 in der Bonner Republik nach 1968 ebenso geächtet wie grelle italienische V12. „Sechs sells“, lautete stattdessen die neue Botschaft bei BMW, Jaguar, Fiat oder Volvo, die im Herbst 1967 ihre künftigen, politisch korrekten Flaggschiffe finalisierten.

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