Kältemittel „Ich möchte nur hier sitzen“

Von Steffen Dominsky 7 min Lesedauer

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Erst das Theater mit der Einführung von R1234yf, dann die Probleme Preis und Verfügbarkeit bei R134a. „Zum Glück ist das Geschichte!“, denkt da so mancher. Falsch! Denn Geschichte wiederholt sich bekanntlich – leider auch in diesem Fall.

Die Zeiten von „einfach“ sind in Sachen Klimaservice längst vorbei. Mit R744 (CO2) und R290 (Propan) gibt es umweltfreundliche Alternativen zu bekannten und weniger bekannten Kältemitteln auf Fluor-Basis.(Bild:  © industrieblick - stock.adobe.com)
Die Zeiten von „einfach“ sind in Sachen Klimaservice längst vorbei. Mit R744 (CO2) und R290 (Propan) gibt es umweltfreundliche Alternativen zu bekannten und weniger bekannten Kältemitteln auf Fluor-Basis.
(Bild: © industrieblick - stock.adobe.com)

Werkstätten können einem echt leidtun. Eigentlich möchten sie doch nur ihren Job machen. Oder um es mit den Worten des großen Loriot und seiner Figur „Hermann“ zu sagen: „Ich möchte nur hier sitzen.“ Das gilt gerade auch in Sachen Klimaanlagen. Kfz-Betriebe möchten sich auf Technik konzentrieren, nicht auf Politik. Dafür gibt’s andere – theoretisch. Praktisch muss sich das Handwerk in Sachen Kältetechnik seit etlichen Jahren mit politischen Entscheidungen befassen, besser gesagt mit deren Auswirkungen. Und die sind mannigfaltig, wie ein Blick ins Heftarchiv von »kfz-betrieb« zeigt (siehe Kasten).

Erst missglückte Ende der Nullerjahre der Schwenk hin zu einem natürlichen Kältemittel: Während der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) anfangs auf das natürliche CO2 alias R744 setzte, verharrte der weltweite Rest der Hersteller bei bewährter Chemie. Doch kaum gelangte das neue R1234yf ab 2011 in die Autos, war es im Aftermarket erst nicht lieferbar und als es das war, derart teuer, dass einem die Tränen kamen. Als Nächstes legte 2012 Daimler mit seinem „Real life“-Test der deutschen Regierung ein echtes Ei ins Nest. Die bekam wegen den Stuttgartern sogar ein Vertragsverletzungsverfahren von der EU an die Backe geheftet. Dann trat 2015 die sogenannte F-Gas-Verordnung, EU Nr. 517/2014, in Kraft (siehe Grafik in der Bildergalerie). Sie hatte bzw. hat eine stufenweise Reduzierung der in Europa verfügbaren Menge fluorbasierter Kältemittel zur Folge.