Tankstellen-Historie Industriedenkmal – Saft statt Sprit

Von Steffen Dominsky 5 min Lesedauer

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Sie ist die älteste in Betrieb befindliche Tankstelle Bayerns und steht sogar unter Denkmalschutz. Nach einer kurzen Pause kann man an ihr seit letztem November auch wieder zapfen, wenn auch keinen klassischen Kraftstoff.

Bis 2023 in der letzten Phase als Verkaufsstelle für Kraftstoffe: Die 2020 nach Gesichtspunkten des Denkmalschutz renovierte Shell- ( „Caltex“-)Tankstelle in der Erlenstegenstraße 39 in Nürnberg.(Bild:  Shell)
Bis 2023 in der letzten Phase als Verkaufsstelle für Kraftstoffe: Die 2020 nach Gesichtspunkten des Denkmalschutz renovierte Shell- ( „Caltex“-)Tankstelle in der Erlenstegenstraße 39 in Nürnberg.
(Bild: Shell)

Form follows function – auf Deutsch: Die Form folgt der Funktion – ist eine erstmals in der Kunst formulierte „Weisheit“, die rasch auch die Architektur aufgriff und sie sozusagen zur Spitze trieb. Und dennoch: Auch hier war die Funktion nicht immer und ausschließlich der Maßstab aller Dinge. Nutz- und Zweckbauten durften lange Zeit durchaus ansprechend aussehen, durften den Zeitgeist und Geschmack der jeweiligen Epochen widerspiegeln. Ein Beispiel dafür sind Tankstellen. Jene Tränken der modernen Automobilität, die der gemeine Fahrzeugbesitzer meist nur im Not-, sprich Bedarfsfall ansteuert und dort auch nur so lange bzw. kurz wie nötig verweilt.

Um so erfreulicher ist es, wenn solch ein Zweckbau die Zeit überdauert und die jeweiligen Moden überlebt hat. Genau zu diesen „Survivors“ gehört jene Tankstelle, die Shell Ende letzten Jahres in der Erlenstegenstraße 39 in Nürnberg wiedereröffnet hat. Doch anders als ursprünglich und über Jahrzehnte hinweg entweicht den „Zapfsäulen“ des futuristisch wirkenden Gebäudes bzw. Areals aus den Sechzigerjahren kein aromatisch riechender flüssiger, sondern ein geruchloser unsichtbarer Kraftstoff. Und das kam so …