Problemzone Caravan Innovative Ideen sind Mangelware

Von sp-x 5 min Lesedauer

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Nach bekanntem Rezept versuchen die Wohnwagen-Hersteller der Absatzkrise mit preislich attraktiven Sondermodellen entgegenzuwirken. Dennoch müssen hier und da Modelle eingedampft werden. Echte Neuheiten sind rar. Für Zuversicht sorgt nur das Besucherinteresse.

Neue Ideen mit Blick in die Zukunft präsentieren die Rendsburger Hobbywerke mit ihrer Designstudie Concept 830 CE.(Bild:  Michael Lennartz)
Neue Ideen mit Blick in die Zukunft präsentieren die Rendsburger Hobbywerke mit ihrer Designstudie Concept 830 CE.
(Bild: Michael Lennartz)

Die rekordverdächtigen Zahlen mit rund 90.000 Besuchern nach dem ersten Wochenende des Caravan-Salons in Düsseldorf stimmen die Branche optimistisch. Zwar interessierte sich das Gros der Schaulustigen zweifellos mehr für die motorisierten Freizeitfahrzeuge, aber auch die Wohnwagen-Hersteller können vielleicht wieder etwas zuversichtlicher nach vorn blicken. Denn zuletzt hatte sich die Stimmung doch merklich eingetrübt.

Seit Jahren schon hält ein steter Abwärtstrend bei den Absatzzahlen an, bestenfalls von vorübergehenden Phasen der Stagnation unterbrochen. Im Juni und Juli gab es diesmal allerdings wieder extreme Zulassungseinbrüche, so dass das Minus nach sieben Monaten auf rund zehn Prozent anwuchs.

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Die Innovationsfreude bei den Wohnanhängern ist daher eher gering. Bei den großen Herstellern mit besonders breit gefächerten Modellpaletten wird sogar der Rotstift eingesetzt. Gestandene Baureihen wie etwa der Azur bei Knaus oder der Senara bei Tabbert wurden ganz eingestellt, selbst Marktführer Hobby nimmt 13 Grundrisse aus dem Programm, und Bürstner streicht bei seiner Radikalkur sogar das komplette Caravan-Programm bis auf ein einziges B66-Sondermodell zusammen, das auf einem abgespeckten Averso-Modell basiert. Acht Grundrisse für Familien und Paare sollen der Vielfalt genug sein. Das Preisniveau ab rund 25.000 Euro liegt dafür gut 5.000 Euro unterhalb der bisherigen Averso-Modelle.

Hobby zeigt Designstudie mit magnetischen Oberflächen

So werden in erster Linie die Produktpaletten neu aufgestellt, Modelle anders ausgerichtet sowie hier und da aufgewertet. Neue Ideen mit Blick in die Zukunft präsentieren immerhin die Rendsburger Hobbywerke mit ihrer Designstudie Concept 830 CE. Der innovative Wohnwagen, ein über acht Meter langer Tandemachser im Format der Maxia-Baureihe, fällt allein schon durch seine Außenfarbe in einem speziellen Grauton auf. Der Farbton ist aktuell in der automobilen Welt äußerst beliebt, steht auch einem stattlichen Caravan gut zu Gesicht und kaschiert in der optischen Wahrnehmung sogar etwas das Monströse.

Die Innenraumgestaltung mit hochwertigen Materialien im skandinavisch-minimalistischen Hyyge-Stil richtet das Hauptaugenmerk auf die Küche, wozu sich die Nordlichter die renommierte Küchenmarke Alno als Partner mit ins Boot geholt haben. Die Winkelküche „in Marmor-Reproduktion mit Steinhaptik“ (O-Ton Hobby) bietet nicht nur reichlich Arbeitsfläche und Stauräume, sondern auch den innovativen Clou: Alle Flächen sind magnetisch. Ob Küchenarbeitsplatte und -rückwand, Hängeschrankunterseite, Küchenschubladen und Nachtschränke oder auch Tischplatte und Garderobenablage, das passende, magnetisierte Silwy-Geschirr vorausgesetzt, verrutscht nichts mehr. Gläser, Tassen und sogar die Kaffeemaschine bleiben während der Fahrt sicher an ihrem Platz.

An eine Serienfertigung der Hobby-Studie ist allerdings nicht gedacht. Bei entsprechender Resonanz des Publikums könnten allerdings einige Details zukünftig in Serienprodukte einfließen.

Fendt startet Einstiegsmarke Next

Konkreter wird da die zu Hobby gehörende Marke Fendt, ebenfalls einer der Branchen-Größen. Allerdings mit einem ganz anderen Ansatz: Das Unternehmen aus dem bayrischen Marktoberdorf, bislang hauptsächlich für hochwertige und höherpreisige Wohnwagen bekannt, schickt die neue Einstiegsmarke Next ins Rennen.

Fendt versucht sich damit einer jüngeren Zielgruppe zu nähern, die mit weniger Ausstattung zufrieden ist, aber dennoch Verarbeitungsqualität schätzt. Den Auftakt macht das Modell Next 380, ein kompakter, 5,88 Meter langer Wohnwagen, der sich bei leichten 1.000 Kilogramm Gesamtgewicht auch von kleineren Zugfahrzeugen und E-Autos ziehen lässt. Mit kompletter Küche, Zwei-Flammen-Gaskocher und 90-Liter-Kompressor-Kühlschrank ist der erste Next-Caravan für 18.900 Euro relativ günstig eingepreist.

Eriba überarbeitet zwei Baureihen komplett

Die zu Hymer gehörende Wohnwagenmarke Eriba bringt gleich zwei neue Baureihen mit nach Düsseldorf. Beide Baureihen wurden innen wie außen komplett überarbeitet und speziell bei der Novaline-Baureihe hat sich Eriba von den Wohnmobil-Modellen aus dem eigenen Hause inspirieren lassen. Denn sowohl beim Möbelbau, der Innenausstattung mit Holzoptik und Filzverkleidungen oder bei den Grundrissen mit Längs-Einzelbetten sind unverkennbar Parallelen zum Offroad-tauglichen Hymer ML-T Crossover zu erkennen.

Auch wenn es bei den beiden Baureihen konzeptionell viele Gemeinsamkeiten gibt wie kompakte Abmessungen und Leichtbau haben die Wohnwagen ihren jeweils eigenen Charakter. Der Feeling, direkt über dem Eriba-Klassiker Touring positioniert, ist noch stärker auf Flexibilität ausgelegt. Weil er mit 2,16 Metern 7 Zentimeter schmaler ist als der Novaline und bei einer Höhe von 2,25 Meter fast 30 Zentimeter niedriger ausfällt, wird er mit einem Aufstelldach ausgeliefert. Die weniger gute Nachricht: Mit einem Grundpreis ab 28.000 Euro für den Feeling und ab rund 29.500 Euro für den Novaline haben die Tarife für die Neuauflagen deutlich zugelegt.

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Knaus-Tabbert schärft Markenprofile

Knaus-Tabbert versucht mit einfachen Mitteln die Markenprofile seiner drei Caravan-Marken zu schärfen. Bei der Kernmarke Knaus etwa, indem trotz einiger aussortierter Grundrisse drei neue Familien-Wohnwagen für die Südwind-Baureihe Premiere feiern. Die drei Modelle 580 UF, 650 UK und 650 UDF haben allesamt ein längs eingebautes, französisches Bett im Heck mit einen daneben platzierten Sanitärraum.

Tabbert will mit den sechs, zwischen 4,94 und 7,52 Meter langen Sondermodellen der Pantiga Finest Edition den Premiumanspruch mit reichlich Ausstattung zu erheblichem Preisvorteil herausstreichen. Und Weinsberg wendet sich mit den elf Varianten seiner innen grundlegend überarbeiteten Baureihe Cara-One vor allem an preisbewusste Käufer. Das günstigste Modell Cara-One 390 QD wird ab 16.050 Euro angeboten.

Mini-Caravans und Teardrops boomen

Es geht auch noch günstiger: Nein, gemeint sind nicht die Dachzelte, die tatsächlich immer beliebter werden und in Halle 3 mit einem eigenen Hub in allen Varianten vom Klapp- über das Hartschalenzelt und eine hybride Mischart beider Konzepte bis hin zum aufblasbaren Dachzelt vertreten sind.

Es geht vielmehr um die Mini-Caravans, Teardrops in allen Spielarten mit und ohne Stehhöhe im Innern. Erstaunlich viele kleine und größere Hersteller bieten ein breites Spektrum an. So gibt es bei der österreichischen Marke Camppass das Modell Journey CR400 schon für knapp 10.000 Euro – mit Außenküche und großem Bett im Innenraum des 450 Kilogramm leichten Teardrops. Das Kontrastprogramm am Stand von Camppass ist der CB 650 Blacky, ein Offroad-Caravan für vier Personen mit Stehhöhe und wärmebrückenfreier Technologie für 75.000 Euro Messepreis.

Miniatouring punktet mit Holz-Teardrops

Ein echter Hingucker in dieser Abteilung ist auch der M23 des noch jungen Ingelheimer Start-ups Miniatouring, das durch die TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt wurde. Die Rheinland-Pfälzer bauen ebenfalls größere Teardrop-Caravans mit Stehhöhe im Innenraum, die in der Regel aus hochwertigem Holz bestehen und für eine warme, natürliche Ausstrahlung sorgen. Die leichten Wohnanhänger sind auch E-Auto-tauglich.

Der M23 ist das dritte Modell der Ingelheimer und zielt als geländetauglicher Wohnwagen auf Outdoor-Fans ab, die gern auch mal abseits asphaltierter Straßen übernachten wollen. Im nur 830 kg wiegenden Caravan können bis zu vier Personen nächtigen, wenn das optionale Aufstelldach (4.000 Euro extra) an Bord ist. Allerdings beträgt bereits der Basispreis 24.890 Euro.

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