Innung Bremen: Herausforderungen mit politischer Hilfe meistern

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Aus Sicht des Bremer Obermeister Hans-Jörg Koßmann steht die Branche vor den größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Gut, dass die Politik positive Signale sendet.

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Neujahrsempfang der Kfz-Innung Bremen: Carsten Sieling (Bürgermeister; li.) und Hans-Jörg Koßmann (Obermeister).
Neujahrsempfang der Kfz-Innung Bremen: Carsten Sieling (Bürgermeister; li.) und Hans-Jörg Koßmann (Obermeister).
(Bild: Zietz)

Um fit für die Zukunft zu sein, muss das Kfz-Gewerbe diverse Hürden nehmen: In Städten drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, der Verbrennungsmotor bekommt zunehmend Konkurrenz durch den Elektroantrieb und die Hersteller testen neue Vertriebswege. Das Kfz-Gewerbe stehe vor den größten Herausforderungen der 130-jährigen Geschichte des Automobils, sagte Hans-Jörg Koßmann, Obermeister der Kfz-Innung Bremen, beim traditionellen Neujahrsempfang.

Zwar ist die blaue Plakette vom Tisch, aber die Diskussion um Fahrverbote verstummen nicht in der Hansestadt. Das gilt auch für andere Städte. Der Obermeister warnt vor flächendeckenden Fahrverboten. Dies käme aus Koßmanns Sicht einer Enteignung von Millionen Autofahrern gleich. „Die betroffenen Fahrzeuge sind dann nicht mehr zu verkaufen.“ Damit seien sie praktisch wertlos.

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Doch ob dies der Umwelt hilft, bezweifelt Koßmann. Er geht davon aus, dass die Betroffenen eher auf einen Benziner als auf ein Elektroauto umsteigen. Damit würden sich die Emissionen weiter erhöhen. Denn bislang fehlt es am Angebot: Die vorhandenen Elektroautos stehen meist in puncto Preis und Reichweite in der Kritik. „Alternative Antriebsformen starten erst 2020/2021 richtig durch“, ist Koßmann überzeugt. Dann sei bei einigen Herstellern mit ganz neuen Lösungen zu rechnen.

„Wir sollten es dem Markt überlassen, welche Antriebsform sich durchsetzt“, forderte Koßmann. Das bedeutet zumindest für einen bestimmte Zeitraum ein Nebeneinander von unterschiedlichen Systemen. Zudem sollten aus Sicht des Obermeisters Fahrzeuge mit einer hohen Laufleistung in Innenstädten auf schadstofffreie Antriebsformen umgerüstet werden. Neben dem öffentlichen Nahverkehr nannte er vor allem Taxis und Lieferfahrzeuge.

Werbung für duale Ausbildung

Will das Kfz-Gewerbe die Herausforderungen der Zukunft meistern, braucht es vor allem geeignete Mitarbeiter und qualifizierte Nachwuchskräfte. „Die vielen guten Schulabgänger sollten neben dem Studium die Chancen der dualen Ausbildung sehen“, betonte Carsten Sieling. Aus Sicht des Bremer Bürgermeisters ist auch die Politik gefordert: „Wir dürfen nicht nur für akademische Abschlüsse werben.“ Zumal sich die dadurch erhofften Gehälter im Berufsalltag nicht immer einstellen: Handwerker könnten nach ihrer Ausbildung oft mehr verdienen als Akademiker nach einem Studium, betont der Bürgermeister. Zudem seien deren Arbeitsverhältnisse sicherer.

Der Senat wird auch in Zukunft die Berufsausbildung unterstützen. Die Ausbildungsquote von 10 Prozent im Handwerk der Hansestadt wird in der Politik hoch geschätzt. Die Aussichten an der Weser sind gut, betonte Sieling. Die Bevölkerungszahl steigt stetig, im vergangenen Jahr lag Bremen mit seinem Wirtschaftswachstum an zweiter Stelle im Ranking der Bundesländer. Erstmals seit Jahren komme man dem Ziel näher, einen ausgeglichenen Haushalt zu verabschieden.

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