Jaguar-Autohaus: Neustart aus Leidenschaft

Redakteur: Julia Mauritz

Nach der Insolvenz der Bamberger Faber Motor GmbH haben zwei ehemalige Autohausmitarbeiter ihr Schicksal selbst in die Hände genommen und den Würzburger Jaguar- und Land-Rover-Betrieb übernommen.

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Wenn ehemalige Mitarbeiter ein Autohaus übernehmen, ist das schon an sich ein mutiger Schritt – wenn der Betrieb dann auch noch gerade Insolvenz anmelden musste und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen alles andere als rosig sind, ist das umso gewagter.

Michael Brückner und Andreas Hofmann haben sich von den widrigen Umständen nicht abschrecken lassen und in Würzburg das Jaguar- und Land-Rover-Autohaus Brückner & Hofmann gegründet.

Angefangen hatte alles im Mai letzten Jahres. Horst Faber, Gesellschafter der Bamberger Faber Motor GmbH, musste Insolvenz anmelden. Neben einem Betrieb in Bamberg war davon auch der Würzburger Standort betroffen.

Insolvenz kam überraschend

Ausgelöst hatte den Gang zum Amtsgericht nach Aussage von Horst Faber der Wechsel von der Ford- zur FGA-Bank – die neue Herstellerbank hatte sich geweigert, die Finanzierung der Bestandsfahrzeuge zu übernehmen. „Die Nachricht von der Insolvenz kam für uns völlig überraschend“, erinnert sich Andreas Hofmann.

Knapp einen Monat später – der Betrieb lief währenddessen weiter – kam dem Land-Rover-Verkäufer Michael Brückner und dem Jaguar-Verkäufer Andreas Hofmann die Idee, den Würzburger Betrieb in Eigenregie weiterzuführen.

„Wir hatten schließlich nicht nur viele äußerst qualifizierte und langjährige Mitarbeiter, die die beiden Marken wirklich leben, sondern auch einen treuen Kundenstamm.“ Auch die Lage des Autohauses an der viel befahrenen Würzburger Automeile sprach für eine Aufrechterhaltung des Betriebs.

Schwierigkeiten bei der Kreditvergabe

Gemeinsam mit einem Unternehmensberater erstellten die beiden ein Konzept, wie sie das Autohaus erfolgreich aus der Insolvenz führen könnten. Dieses stellten sie dem Importeur und der FGA-Bank vor. „Beide waren von der Idee angetan, zumal mit Jaguar und Land Rover schon eine langjährige Partnerschaft bestand“, erinnert sich Andreas Hofmann an diese Zeit.

Wäre das Projekt gestorben, hätte es zudem nach dem Wegfall der Kroymans-Gruppe in Nürnberg keinen Jaguar- und Land-Rover-Vertragshändler mehr zwischen Frankfurt am Main und München gegeben.

Doch trotz der Unterstützung des Herstellers mussten die beiden auf dem Weg in die Selbstständigkeit noch viele Steine aus dem Weg räumen – vor allem drohte die Zurückhaltung der Hausbanken alles platzen zu lassen: „Wir haben sieben Absagen von Banken kassiert, ehe wir mit der Raiffeisenbank Estenfeld-Bergtheim ein Kreditinstitut gefunden haben, das bereit war, uns zu finanzieren“, erinnert sich Andreas Hofmann.

Die beiden Unternehmer standen unter einem enormen Zeitdruck. Es gab Probleme mit der Ersatzteilbelieferung und die Kunden mussten die Fahrzeuge bar bezahlen.

Fast alle Arbeitsplätze gerettet

Mittlerweile waren die Arbeitsverhältnisse aller zwölf Mitarbeiter, wie in einem Insolvenzverfahren üblich, gekündigt worden. „Die Situation war schon paradox“, schmunzelt Andreas Hofmann.

Ohne die tatkräftige Unterstützung des Insolvenzverwalters Linse aus Coburg, sind sich die beiden Unternehmer sicher, hätte der Neustart nicht geklappt. Der Insolvenzverwalter hatte die Fristen immer wieder verlängert, bis alles in trockenen Tüchern war.

Der Besitzer der Immobilie, Saalmüller, zeigte sich sehr kulant, „und auch unserer Kunden sind uns treu geblieben“, freut sich Michael Brückner.

Am 3. November schließlich war es so weit: Das Autohaus Brückner & Hofmann öffnete sein Pforten. Von den ehemals zwölf Mitarbeitern wurden zehn übernommen.

Einen rigiden Sparkurs sehen die beiden nicht als den Königsweg, um sich am Markt behaupten zu können: „Wir haben erst einmal kräftig investiert – in das Gebäude, in die EDV, in Werkzeuge und in Mitarbeiterschulungen“, erzählt Michael Brückner.

Obgleich die beiden nicht mit einem leichten Jahr 2010 rechnen, blicken sie positiv in die Zukunft: „Die Modelle stimmen bei beiden Marken, sowohl in puncto Qualität, als auch in puncto Design und Preispositionierung.“

Und wenn man auch noch Mitarbeiter habe, die ohne Probleme einen Jaguar E-Type reparieren können, brauche einem nicht bange zu sein.

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