Jaguar Land Rover treibt Elektrifizierung konsequent voran

Autor / Redakteur: Julia Mauritz / Julia Mauritz

Nach dem I-Pace, dessen Produktion im Herbst 2018 startet, kündigt Hanno Kirner, Chefstratege des britischen Herstellers, in rascher Folge „einige E-Autos“ an.

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Der Jaguar-Land-Rover-Manager Hanno Kirner will den Kunden bei neuen Modellen immer die Wahl zwischen vier Antriebsformen bieten.
Der Jaguar-Land-Rover-Manager Hanno Kirner will den Kunden bei neuen Modellen immer die Wahl zwischen vier Antriebsformen bieten.
(Bild: Jaguar Land Rover)

Seit dem 1. März ist Hanno Kirner Chefstratege des britischen Herstellers Jaguar Land Rover. Im Interview erläutert der Manager die Antriebsstrategie des Unternehmens und schildert, welche Rolle die geplanten E-Autos im Modellportfolio spielen.

Redaktion: Jaguar Land Rover ist in den vergangenen Jahren in Europa überdurchschnittlich stark gewachsen. Kann das Wachstum angesichts des Brexits und der Dieselkrise in einem ähnlich hohen Tempo weitergehen?

Hanno Kirner: Wir sind optimistisch, dass das Wachstum mit ähnlich hohem Tempo vorangehen wird.

Wie entwickelt sich aktuell die Dieselnachfrage bei Jaguar Land Rover?

In Europa ist eine taktische Zurückhaltung beim Diesel spürbar; je nach Modell ist die Nachfrage zwischen fünf und zehn Prozent zurückgegangen. Nach wie vor entscheidet sich jedoch der weit überwiegende Teil der Käufer für einen Selbstzünder; zumal wir von Anfang an bei den Euro-6-Dieselfahrzeugen auf die SCR-Abgasreinigung mit Harnstoff gesetzt haben. Mit den neu entwickelten Vierzylinder-Ingenium-Benzinmotoren bieten wir auf jeden Fall eine breite, attraktive Auswahl an Antrieben an.

Können Sie Ihre Antriebsstrategie für die kommenden Jahre erläutern? Halten Sie weiter am Diesel fest?

Bei uns gilt ganz klar die Devise: Customer First. Wir liefern das, was die Kunden schätzen. Und aktuell schätzen sie überwiegend unsere Dieselantriebe. Sogar in den USA entscheiden sich über 20 Prozent der Range-Rover-Käufer für einen Selbstzünder, obwohl wir diesen Antrieb dort nicht aktiv bewerben; es ist reine Kundennachfrage. Wir werden folglich sämtliche Antriebsarten weiterentwickeln und verfolgen eine flexible Plattformstrategie über alle Modelllinien hinweg: Ab 2019 werden alle unsere neuen Produkte als Benziner, Diesel, als Plug-in-Hybride oder als reine BEVs erhältlich sein.

Welche Rolle wird der I-Pace im Modellportfolio spielen?

Der I-Pace, den wir global anbieten werden, spielt eine Schlüsselrolle: Er ist für uns deutlich mehr als ein Imageträger, nämlich ein Kernprodukt in unserem Portfolio. In den kommenden Jahren werden wir in rascher Folge einige Elektroautos auf dem Markt bringen. Damit sie bei den Kunden auch ankommen, werden sie immer den jeweiligen Markenkern richtig repräsentieren: Der I-Pace beispielsweise ist Jaguar-typisch sehr dynamisch und fahraktiv ausgelegt.

Spielt die Brennstoffzelle in der Forschung eine größere Rolle?

Die Brennstoffzelle hat für uns nicht die erste Priorität in der Forschung; kurzfristig glauben wir, dass Plug-in-Hybride, Diesel und Benzinmotoren ihren Stellenwert behalten werden.

Das Jaguar-Land-Rover-Tochterunternehmen InMotion hat jüngst 25 Millionen Dollar in den Ride-Sharing-Anbieter Lyft investiert. Wie passen beide Unternehmen zusammen?

Für Lyft ist es interessant, mit einem OEM aus der Premiumwelt zu kooperieren; für uns ist es interessant, unseren Kunden, die ohne ihr eigenes Fahrzeug im urbanen Umfeld unterwegs sind, einen flexiblen Premium-Mobilitätsservice anbieten zu können. Über unser neue 40-köpfige Mobility-Business- und Venture-Capital-Unit InMotion betätigen wir uns in den Mobilitätsfeldern, die uns sinnvoll erscheinen.

Stehen neue Digitalisierungsprojekte in den Startlöchern?

Da die Digitalisierung ein breites Feld ist, arbeiten wir auf vielen Ebenen. Aktuell entwickeln wir ein Kundenportal mit einem hohen Nutzwert, das bis ins Auto integriert sein wird. Zudem führen wir global ein neues CRM-System in den Handel ein, damit alle die gleiche und gleichzeitige Sicht auf die Kunden haben.

Wie steht Jaguar Land Rover zum digitalen Vertrieb?

Wir pflegen mit unseren Händlern eine enge Partnerschaft, daher wird es keinen digitalen Vertrieb geben, der an unseren Händlern vorbeigeht.

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