Deutscher Verkehrssicherheitsrat Jeder zweite Lkw-Fahrer deaktiviert lebensrettende Systeme

Von Steffen Dominsky 2 min Lesedauer

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Fahrerassistenzsysteme retten Leben. Das können sie jedoch nur, wenn man sie nicht ausschaltet. Doch genau das machen offenbar zahlreiche Lkw-Fahrer, wie eine aktuelle Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) aufzeigt.

Fahrerassistenzsysteme tragen erheblich zur Verkehrssicherheit bei – wenn sie (auch ab Werk) korrekt eingestellt sind und vom Fahrer genutzt werden.(Bild:  Josam)
Fahrerassistenzsysteme tragen erheblich zur Verkehrssicherheit bei – wenn sie (auch ab Werk) korrekt eingestellt sind und vom Fahrer genutzt werden.
(Bild: Josam)

Moderne Fahrerassistenzsysteme in Lkw können die Sicherheit auf deutschen Straßen massiv erhöhen. Doch in der Praxis werden sie mitunter abgeschaltet. Eine Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) im Oktober und November 2025 unter 507 Lkw-Fahrern zeigt: 59 Prozent der Befragten nutzen ihre Assistenzsysteme nicht durchgehend. Während 19 Prozent bestimmte Systeme häufig deaktivieren, schalten 40 Prozent die technische Unterstützung gelegentlich aus. Besonders häufig wird der Spurhalteassistent deaktiviert: Rund 56 Prozent der Befragten nutzen ihn regelmäßig nicht. Es folgen der Intelligente Geschwindigkeitsassistent mit rund 16 Prozent und der Abstandsregeltempomat mit etwa 15 Prozent. Der Abbiegeassistent wird von rund acht Prozent sowie der Notbremsassistent von etwa fünf Prozent regelmäßig deaktiviert.

„Assistenzsysteme sind mehr als bloße Technik, sie sind Schutzengel für alle Verkehrsteilnehmenden“, erklärt Manfred Wirsch, Präsident des DVR. „Wer sie abschaltet, nimmt bewusst ein höheres Risiko in Kauf und gefährdet Menschenleben innerhalb und außerhalb des Fahrerhauses.“ Es reicht also nicht, die Technik nur zu verbauen: Es muss auch ihre Akzeptanz und konsequente Nutzung sichergestellt werden. Umso wichtiger ist es, dass der Umgang mit Fahrerassistenzsystemen ein verpflichtender Bestandteil der Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung ist. Nur wer die Funktionsweise und die systembedingten Grenzen realistisch einschätzt, fährt sicher. „Blinde Technikgläubigkeit kann ebenso riskant sein wie die Ablehnung von Technik, die nachweislich dazu beitragen kann, Unfälle zu vermeiden“, so Wirsch.

Mangelhafte Schulung führt zu Unsicherheit

Die Umfrageergebnisse legen laut DVR ein massives Defizit bei der Qualifikation offen: Knapp 32 Prozent der Lkw-Fahrer gaben an, keinerlei Einweisung in die Nutzung der Systeme erhalten zu haben. Weitere 45 Prozent wurden lediglich informell durch Kollegen eingewiesen, während nur rund 24 Prozent eine offizielle Schulung durchliefen. Diese mangelnde Aufklärung spiegelt sich im Kenntnisstand wider: 36 Prozent der Befragten fühlen sich unzureichend über die Systeme informiert. Etwa zwölf Prozent wissen nicht genau, welche sicherheitsrelevanten Systeme in ihrem Fahrzeug verbaut sind. Knapp 22 Prozent der Befragten empfinden die Technik der Systeme als unverständlich.

Dabei bewerten die Befragten die Technik grundsätzlich positiv. Fast 80 Prozent halten Assistenzsysteme für sinnvoll. Dennoch verlassen sich knapp 37 Prozent der Befragten eher nicht oder gar nicht auf die Systeme. Rund 53 Prozent der Befragten fühlen sich während der Fahrt durch Warnungen, Systemfehler oder Eingriffe des Systems gestört oder abgelenkt. Dabei hält die Mehrheit der Befragten Assistenzsysteme für nützlich. Dieses Vertrauen müsse man stärken, so der DVR-Präsident.

Wer Lkw-Fahrer allein für die Deaktivierung von Assistenzsystemen verantwortlich macht, übersieht, dass auch Fahrzeughersteller einen Beitrag dazu leisten können, die Lücke zwischen Überzeugung und tatsächlicher Nutzung zu schließen. Entscheidend seien klare und verständliche Warn- und Bedienkonzepte. Auch eine geringe Fehlalarmquote sowie einheitliche Symbole und Bezeichnungen können die Akzeptanz deutlich erhöhen.

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