Kamps-Gruppe: Vom Volumen zur Nische
Trotz seiner Markenvielfalt ist die Autohausgruppe Kamps ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen geblieben. Den Fokus legt die Geschäftsführung auch künftig auf das Premiumsegment.
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Sammlerherzen schlagen beim Anblick der Modellautos im Büro von Gerd Kamps sicher höher: Weit über 100 historische und brandaktuelle Modelle, vom Käfer über den Alfa Brera bis hin zum Rolls-Royce, stehen in der Glasvitrine des familiären Unternehmers in Reih und Glied. Das besondere an der Sammlung: Alle Modelle hat die Kamps-Gruppe im Laufe der Jahrzehnte zum einen schon selber verkauft, zum anderen hat Gerd Kamps eine persönliche emotionale Beziehung zu den Modellen.
Den Grundstock der inhabergeführten Mehrmarkenautohausgruppe, die heute rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, bildete der Ursprungsbetrieb aus NSU-Anfängen in Bergkamen. Gerd Kamps verließ 1983 den elterlichen Betrieb, machte sich selbstständig und baute das Geschäft in den neunziger Jahren massiv aus. Nach der Wiedervereinigung 1989 etablierte er in und um Leipzig Volkswagen- und Audi-Betriebe.
Es waren die ersten VW- und Audi-Händlerverträge, die der VW-Konzern in den neuen Bundesländern vergab. Der erste Porsche-Händlervertrag der ehemaligen DDR wurde an Kamps vergeben.
Die Kamps-Gruppe hat die VW- und Audi-Betriebe in und um Leipzig an die Volkswagen Retail GmbH verkauft und sich weitestgehend für Premiummarken entschieden „Die Qualität der Geschäfte ist einfach besser und der Markt ist nicht so dicht besetzt, sodass der Interbrand- Wettbewerb noch kaufmännisch konservativ ist“, begründet Gerd Kamps seine damalige Entscheidung.
Das Markenportfolio und die Zahl der Standorte baut das Unternehmen seitdem ständig aus: Neben Audi und VW vertreibt Kamps die Fabrikate Alfa Romeo, Bentley, Jaguar, Land Rover, Porsche, Lamborghini, Bugatti und Rolls-Royce.
Die aktuell 14 Autohäuser sind nicht nur in mehreren Bundesländern verstreut. 1999 wagte Gerd Kamps auch den Sprung über die deutsche Grenze hinaus: Er übernahm das traditionsreiche, seit 1928 bestehende Züricher Autohaus Schmohl AG, den einzigen Bentley- und Rolls-Royce-Händler im deutschsprachigen Teil der Schweiz.
Expansion in die Schweiz
Und wenngleich auch die Alpenrepublik von der aktuellen Finanzkrise betroffen ist, laufen die Geschäfte dennoch nach wie vor befriedigend, sodass Kamps seine Aktivitäten dort weiter ausbauen möchte.
Auch in Deutschland stehen die Weichen weiterhin auf Wachstum: Anfang dieses Jahres kam ein 5.000 Quadratmeter großer Jaguar- und Land-Rover-Standort in Hannover dazu – und nach umfangreichem Umbau vertreibt der Betrieb an der Podbielskistraße neuerdings auch die Marke Bentley. Die vier bestehenden Porsche-Zentren entsprechen alle der aktuellen Porsche-CI. Die Kamps-Gruppe hat ihr Porsche-Zentrum in Leipzig, das Anfang Oktober neu eröffnet wurde, massiv erweitert.
Zudem wurde im Oktober der Grundstein für das neue Porsche-Zentrum Bergisches Land in Bensberg in der nahen Umgebung von Köln gelegt. Es wird im August 2009 seine Pforten öffnen und das jetzige Autohaus in Kürten ersetzen. Der Betrieb wird über eine Ausstellungsfläche von über 1.000 Quadratmetern verfügen; eine moderne Werkstatt und ein Porsche-Design-Shop sind ebenfalls vorgesehen.
Das Profil weiter schärfen
Es gibt viele Chancen und Möglichkeiten, das Markenportfolio zur erweitern und neue Standorte zu besetzen; aber in der heutigen Zeit ist Kamps eher zurückhaltend und konservativ denkend. Derzeit konzentriert sich der rührige Unternehmer vor allem darauf, das Profil der Premiumgruppe weiter zu schärfen und den Namen Kamps als Dachmarke im Premiumsegment noch bekannter zu machen.
Neben der Werbung spielen vor allem Events dabei eine entscheidende Rolle. Ob Live-Cooking mit Sterneköchen, Winzerbesuche oder ein Erlebnis-Wochenende auf Sylt mit Besuch der kultigen Sansibar: Die Kamps-Gruppe lässt sich immer etwas Besonderes für ihre Kundschaft einfallen. Zudem ist die Geschäftsführung immer bestrebt, den Kundenservice zu perfektionieren. Wie anspruchsvoll die Betreuung von Premiumkunden ist, zeigt allein die Kontaktfrequenz: Die Kunden werden vier- bis fünfmal im Jahr angesprochen.
Unternehmer im Unternehmen
Die operative Verantwortung tragen die Geschäftsführer und Betriebsleiter der einzelnen Standorte im vollen Maße. „Sie sind Unternehmer im Unternehmen, ich greife in das operative Geschäft nicht ein“, unterstreicht Gerd Kamps. Er koordiniert und steuert die Betriebe von der Verwaltungszentrale in Bergkamen aus.
Neben der Geschäftsführung sitzt in dem modernen Gebäude die zentrale Buchhaltung, das Finanzmanagement, die Personalabteilung für das Führungspersonal und die EDV-Abteilung. Einen zentralen Marketingverantwortlichen gibt es in der Gruppe nicht. „Wir beauftragen damit externe Agenturen“, erklärt Gerd Kamps.
Sehr großen Wert legt der Unternehmer auf das Controlling: „Es ist sehr wichtig, dass man kontinuierlich mit Kennzahlen arbeitet. Ich interpretiere sie regelmäßig mit den Verantwortlichen in den einzelnen Betrieben.“
Dazu gibt es verschiedene Regelkommunikationstermine: Einmal im Monat bespricht sich Kamps mit den Geschäftsführern in den einzelnen Betrieben, und alle drei Monate gibt es eine zentrale Besprechung in der Verwaltungszentrale.
Ein Faible hat Gerd Kamps auch für Prozesse. Oft resultiere ein schlechter Werkstatttest oder eine Kundenreklamation aus Fehlern in der Prozesskette. „Wir versuchen ständig, unsere Schwächen aufzudecken und sie an der Front auszumerzen“, unterstreicht Gerd Kamps. Er organisiert regelmäßig verdeckte Werkstatttests und Testanrufe. „Das lassen wir uns viel Geld kosten“, sagt der Unternehmer. Zudem leistet sich die Gruppe einen eigenen Qualitätsverantwortlichen. „Unser Ziel ist stets, dass der Kunde mit einem emotionalen Aha-Erlebnis aus den Betrieb kommt“, bemerkt Kamps.
Schulung hat hohen Stellenwert
Das erfordert auch gut geschulte Mitarbeiter. Die bezieht das Unternehmen am liebsten aus den eigenen Reihen. Aktuell bildet die Kamps-Gruppe rund 30 junge Menschen aus. Gern gesehen sind auch BA-Studenten. „Sie haben bei uns hervorragende Aufstiegschancen. In Kürze übernimmt beispielsweise ein ehemaliger BA-Studenten, der sich innerhalb von vier Jahren von unten nach oben gearbeitet hat, die Leitung eines Porsche-Zentrums“, erzählt der Familienunternehmer.
An seiner Premiummarken-Strategie will er auch künftig festhalten: „Natürlich geht die aktuelle Finanzkrise auch am Premiumbereich nicht spurlos vorbei, aber obwohl ich natürlich kein Hellseher bin, glaube ich, dass sich dieser Bereich etwas früher erholen wird als das Volumengeschäft.“ In den VW- und Audi-Betrieben wird das Großkundengeschäft weiterhin eine tragende Säule bleiben.
Wohlüberlegte Expansion
Eine sehr große Bedeutung, ist sich Kamps sicher, wird auch künftig das Gebrauchtwagengeschäft spielen. „Entscheidend im Premiumsegment ist allerdings“, so seine Überzeugung, „dass man seinem Markenprofil treu bleibt und es konsequent erhält.“
Gerd Kamps’ Credo derzeit lautet: Expansion ja – aber wohlüberlegt. „Entscheidend ist, dass die Qualität der Geschäfte stimmt. Man muss zwar im Moment sehr vorsichtig sein mit Neueröffnungen, aber sollte ein interessanter Standort/Betrieb auf dem Markt sein, werden wir weiter wachsen wollen“, betont er.
Nachwuchsprobleme gibt es im Hause Kamps übrigens nicht. Die beiden älteren Söhne von Gerd Kamps, Thilo und Tobias, haben sich entschieden, in die Fußstapfen des Vaters zu treten, und sind Mitgesellschafter. Der eine ist Geschäftsführer des Porsche-Zentrums Chemnitz, der andere wächst, nach erfolgreich abgeschlossenem BWL-Studium, gerade in die operative Verantwortung hinein.
„Die Tatsache, dass wir trotz unserer Markenvielfalt ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen sind, ist und wird unsere große Stärke bleiben“, ist sich Gerd Kamps sicher.
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