Karbonscheiben bremsen den schwersten Audi

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Die größte Karbon-Keramik-Bremsscheibe von SGL Brakes bekommt es in ihrem ersten Serieneinsatz mit einem gewaltigen Gegner zu tun: dem Audi Q7 mit Zwölfzylinder-Dieselmotor.

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Zwei simple Zahlen verdeutlichen, welch anspruchsvolle Aufgabe die vier Scheibenbremsen des neuen Audi Q7 V12 TDI zu erledigen haben: Bis zu 3.275 Kilogramm bringt der SUV-Koloss auf die Waage (zulässiges Gesamtgewicht), und diese müssen aus Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h sicher abgebremst werden.

Auf herkömmliche Stahl- oder Graugussscheiben wollte sich Audi da nicht verlassen und orderte beim Zulieferer SGL Brakes die größten Karbon-Keramik-Bremsscheiben aus dem Lieferprogramm. 420 Millimeter Durchmesser und 40 Millimeter Breite messen die Teile an der Vorderachse.

Die Hightech-Produkte aus kohlefaserverstärktem Siliziumkarbid haben nach Angaben des Herstellers SGL eine Reihe von Vorteilen gegenüber herkömmlichen Bremsscheiben. Zum einen sind sie unempfindlicher gegen Hitze als Stahl oder Grauguss, deren Kristallgefüge sich bei extrem starker Erwärmung verändern kann oder die sich sogar verformen. Immerhin können Stahlscheiben unter extremen Bedingungen zu glühen beginnen! Die Keramikscheibe dagegen steckt laut SGL Temperaturen bis zu 1.300 Grad Celsius klaglos weg.

Keramik rostet nicht

Zweiter Vorteil des weltraumerprobten Materials (siehe Kasten): es rostet nicht, wie es Stahlteile speziell im Winter gern tun, und sendet dadurch keine störenden Quietschgeräusche aus. Dass es zudem deutlich leichter ist als Metall, macht sich zwar beim Gesamtgewicht des Fullsize-SUV kaum bemerkbar, doch die Fahrwerksingenieure freuen sich trotzdem über die verringerten ungefederten Massen.

Immerhin sind die Bremsscheiben nur halb so schwer wie eine gleichwertige Metallscheibe – das Exemplar an der Vorderachse bringt es auf 9,5 Kilogramm. Insgesamt spart die Anlage rund 30 Kilogramm gegenüber Grauguss ein.

Der einzige „Nachteil“ des neuen Materials trifft die Werkstätten. Keramikbremsscheiben sind laut SGL Lebensdauerteile. Ausschließlich im öffentlichen Straßenverkehr bewegt, sollen sie bis zu 350.000 Kilometer weit halten.

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