Karmann TC-145 – Eleganz am Zuckerhut

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Innen dagegen ist der Wagen schlicht und nüchtern wie alle jene VW-Modelle aus den Sechzigern, von denen die Konstruktion abgeleitet wurde: Ein großer runder Tacho in der Mitte, die Tankanzeige links und die Uhr rechts – mehr Instrumente braucht es nicht. Dazu noch zwei, drei Drehschalter, ein Lenkstockhebel, der chromglänzende Aschenbecher und ein paar Bahnen Kunstleder, fertig ist das Cockpit mit dem Liebreiz einer Lastwagenkabine, das so gar nicht zum schwungvollen Karmann-Ghia-Schriftzug passen will, der einen Hauch von Glanz und Gloria verspricht.

Man sitzt auf winzigen Sesselchen, klettert über die Klappstühle heckwärts auf eine überraschend bequeme Rückbank, zieht ein wenig den Kopf ein und fängt nach ein paar Minuten ordentlich an zu schwitzen. Zwar gab es eine Heizung damals nur gegen Aufpreis. Doch weil unter einer mit Schnellschrauben verschlossenen und von Hand beschrifteten Klappe im Heck ein luftgekühlter 1,6-Liter boxt, wird es im Innenraum schon nach ein paar Gasstößen von ganz alleine warm.

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Der Vierzylinder treibt aber nicht nur die Temperatur in die Höhe, er macht auch warm ums Herz – auch wenn ihm nur 54 PS zu entlocken sind. Doch der TC145 ist ein Fliegengewicht, die vier Gänge der kurzen Schaltung kann man ordentlich ausdrehen, und in einem mehr als 40 Jahre alten Auto fühlen sich auch die maximal 142 km/h verdammt schnell an – erst recht, wenn der Hecktriebler in scharfen Kurven mit seiner Kehrseite wackelt wie eine Karnevalsprinzessin am Rosenmontag in Rio: „Tanze Samba mit mir, Samba, Samba die ganze Nacht“ – solche Schlager schleichen sich einem da aus der Erinnerung ins Ohr.

So faszinierend der TC145 heute auch aussieht und so neugierig ihm die Fans bei Oldtimer-Rallyes hinterherschauen – er bleibt in der Oldtimerszene ein absoluter Exot, der jedem Vorkriegs-Bentley, jedem Porsche und jedem historischen VW mühelos die Schau stiehlt. Zwar wurden damals vor den Toren von Sao Paulo über 18.000 Exemplare des Touring Coupés gebaut. Doch exportiert wurde der schmucke Zweitürer nur im Reisegepäck von Karmann- oder VW-Mitarbeitern, die ihn nach dem Ende ihrer Dienstzeit in Brasilien einfach mit nach Hause genommen haben, sagt Karmann-Experte Klaus Ulrich von der VW-Sammlung in Osnabrück: „Viel mehr als ein halbes Dutzend Autos wird es deshalb in Europa nicht geben.“

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