Karmann TC-145 – Eleganz am Zuckerhut

Autor / Redakteur: sp-x / Steffen Dominsky

Andere Länder, andere Sitten: So manches Auto gibt es nur auf bestimmten Märkten. Das hat auch bei Volkswagen eine lange Tradition, wie der Karmann TC-145 beweist.

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Der Karosseriebauer Karmann hat bereits 1959 ein Werk in Brasilien eröffnet und dort ab 1962 seine schmucken Coupés gebaut.
Der Karosseriebauer Karmann hat bereits 1959 ein Werk in Brasilien eröffnet und dort ab 1962 seine schmucken Coupés gebaut.
(Foto: sp-x)

Brasilien – das steht für Sonne, Spaß und heiße Rhythmen. Doch auf der Straße gibt und gab sich der größte Automarkt in Südamerika in einem tristen Einheitslook: Kleine Limousinen, handliche Geländewagen, Pick-ups und Transporter bestimmen bis heute das Bild. Autos, die eher das Vergnügen als die Vernunft bedienen, haben es schwer in einem Land, in dem der Wohlstand für viele noch meilenweit entfernt ist.

Doch es gibt und gab Ausnahmen, die diese Regel bestätigen: Nicht umsonst zum Beispiel hat der Osnabrücker Karosseriebauer Karmann bereits 1959 ein Werk in Brasilien eröffnet und dort ab 1962 seine schmucken Coupés gebaut. Allerdings blieben die Stückzahlen bescheiden und in den ersten fünf Jahren wurden gerade einmal 10.000 Fahrzeuge produziert.

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Deshalb wollte Karmann den Markt mit einem designierten Brasilien-Modell ankurbeln und hat den TC-145 entwickelt – etwas größer und praktischer als der klassische Karmann Ghia und trotzdem nicht minder elegant, sollte er zum Schmuckstück unter den Familienkutschen werden. Die technische Basis des von 1970 bis 1974 gebauten „Touring Coupé“ lieferte der Volkswagen Typ 3, eine ebenso biedere wie langweilige Limousine, die vergeblich versuchte, den Käfer zu beerben. Und das Design war eine Mischung aus dem „kleinen“ Karmann Ghia vom Typ 14 und dem „großen“ Typ 34. Das kommt bei den Brasilianern offenbar an, denn über Nacht hat Karmann mit dem TC-145 seine Produktionszahlen verdoppelt.

Außen haben sich die Entwickler am anderen Ende der Welt viel Mühe gegeben und eine Form entworfen, die irgendwo zwischen dem frühen Porsche 911 und dem späten Audi A7 Sportback rangiert. Vorn zwei kleine, glänzende Kühlergitter zwischen den kugelrunden Scheinwerfern, an den Flanken filigrane Chromleisten, über den Rädern zärtliche Rundungen und am Heck eine große Klappe bis weit ins Dach, die heute jeden Kombi neidisch macht. Zwar muss man das Gepäck erst über eine hohe Ladekante lupfen, und über dem Motor hinter der Rückbank wird es gehörig warm. Doch reicht der Platz zur Not auch für die Reiseutensilien einer brasilianischen Großfamilie.

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