Karosserieinstandsetzung: Nicht biegen!

Autor / Redakteur: Ottmar Holz / Ottmar Holz

Die eigene Richtbank mit modellspezifischen Leih-Richtsätzen zu kombinieren, ist seit Jahrzehnten Standard in der Unfallschadenreparatur. Kann sich die Werkstatt auf die Maßhaltigkeit der geliehenen Schweißlehren und der Richtbank verlassen?

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Mit Granitplatte und Höhenmesser kontrolliert Michael Eckert eine Karosserieaufnahme für einen Touran anhand eines selbst erstellten Maßblattes.
Mit Granitplatte und Höhenmesser kontrolliert Michael Eckert eine Karosserieaufnahme für einen Touran anhand eines selbst erstellten Maßblattes.
(Bild: Holz)

Deutschland ist Richtwinkelsatzland – diese Marktbeschreibung hat nach wie vor Gültigkeit. Nur zwei bis drei von zehn Karosseriebetrieben setzen ein elektronisches Messsystem für Karosserien ein. Ihre Zahl steigt zwar, doch oft setzten die Betriebe das System nur für die Eingangskontrolle bei der Gutachtenerstellung ein – für die Instandsetzung von schweren Unfallschäden setzen die Betriebe weiterhin auf Richtwinkelsätze. Diese handwerklich rustikale Arbeitsweise kommt vielen Flaschnern entgegen, denn nicht jeder kommt mit der abstrakten Anzeige von vielen virtuellen Messpunkten auf dem Display eines elektronischen Messsystems zurecht.

Der direkte Blick auf die Spaltmaße und Abstände, die sich beim Rückverformen ändern, hilft dem Flaschner hingegen. Er sieht genau, wie sich das verformte Karosserieteil an den Zielpunkt annähert – der Richtsatz macht dies deutlich sichtbar. Darüber hinaus hat er gleichzeitig auch die Gesamtform und Lage des Bauteils im Blick, das er gerade rückverformt. So kann er es gezielt überstrecken und gegebenenfalls während des Ziehens auch Abschnitte fixieren, die ihre korrekte Lage bereits erreicht haben. Im Unterschied zu universellen Richtsätzen, die der Flaschner vor Beginn der Reparatur erst sorgfältig zusammensetzen und einstellen muss, sind typspezifische Richtsätze auch relativ anwendersicher.