Kein Grund zur Klage

Autor / Redakteur: Stephan Richter /

In nur zehn Jahren wuchs die Fahrzeugbau Schierling GmbH um drei weitere Standorte an. Die Geschichte des Unternehmens reicht noch viel weiter zurück.

Die Werkstatt ist ausgelastet und auch der Betriebshof mit Fahrzeugen gefüllt. Die zehn Servicefahrzeuge sind unterwegs und der 24-Stunden-Notdienst macht seinem Namen alle Ehre. Einst fertigten die Mitarbeiter des Unternehmens „Hermann Behrens Fahrzeugbau“ in Hameln noch komplette Fahrzeuge. Über 100 Jahre später und unter dem Namen „Fahrzeugbau Schierling GmbH“ hat sich das Angebot um ein Vielfaches erweitert. Geschäftsführer Heinz-Jörg Templin sagt selbstbewusst: „Ich kann nicht klagen oder mich beschweren.“

Und das in Zeiten, in denen die Hersteller von Lkw einen Großteil der Aufbauten selbst anliefern. „Wir werden dieses Standbein auf keinen Fall aufgeben. Wir bewegen uns mit dem Fahrzeugbau noch vermehrt in Nischenbereichen und fertigen Spezialwünsche.“

Historie

Hermann Behrens gründete das Unternehmen 1903 und startete nach dem Krieg einen Neuanfang als „Behrens u. Richter“. 1963 siedelte die Firma innerhalb Hamelns um und 1980 erwarb Friedrich Schierling das Unternehmen. Sein Neffe Heinz-Jörg Templin trat 1982 bei. 1985 wurde das Unternehmen in Fahrzeugbau Schierling GmbH umbenannt und Templin als Geschäftsführer eingesetzt

Im Jahr 1998 bezog das Unternehmen die neuen Hallen in der Otto-Körting-Straße. Auf 17.000 Quadratmetern Fläche fand sich viel Platz für die schweren Fahrzeuge: Fahrzeugbau, Nutzfahrzeughalle, Laser-Richtstand, Elektroraum und Prüfstraße. Neben dem Fahrzeugbau steht seit 1998 auch das MAN-Nutzfahrzeug-Logo auf dem Firmenschild. Der Servicevertrag brachte neue Aufträge mit sich und der Reparaturanteil wuchs stetig an. So stark, dass das Unternehmen 2002 das Grundstück um 5.000 Quadratmeter erweiterte und die Parkflächen ausbaute. Heute stehen insgesamt sieben Durchfahrten zur Verfügung.

Mit der Unternehmensgröße wuchsen auch die Aufgaben: Omnibusse, Krane, Abroller und Absetzer, Heizungsanlagen und elektronischen Brems- und Fahrzeugregelsysteme repariert Schierling inzwischen unter anderem. Zudem spezialisierte sich das Unternehmen auf Transportkühlung und repariert Fahrzeuge der Deutschen Bundeswehr und der britischen Rheinarmee. Auf die Frage, womit sich die GmbH nicht beschäftigen würde, antwortet Prokurist Uwe Trope: „Reifen. Da haben wir vor Ort jeweils sehr gute Partner, mit denen wir Kooperationsverträge geschlossen haben. Dadurch steht unseren Kunden ein Komplettservice zur Verfügung.“

Über Hameln hinaus

Schnell war ein Standort zu wenig und so eröffnete Templin 2000 einen Gabelstaplerservicebetrieb in Hameln, 2005 einen Truckpoint in Lauenau, 2006 ein Nutzfahrzeugzentrum in Minden und 2007 einen Truck- und Busservice in Halberstadt. In allen Betrieben gibt es einen Notdienst, der 24 Stunden tätig ist.

Der Sitz der Geschäftsleitung und die gesamte Verwaltung ist in Hameln ansässig. Waren im Jahr 1998 noch 26 Mitarbeiter bei der Fahrzeugbau Schierling GmbH beschäftigt, sind es heute 150 für die ganze Unternehmensgruppe, 65 davon sind allein in dem Betrieb in Hameln tätig. Besonders stolz ist Templin auf die 40 Auszubildenden, die für ihn arbeiten: „Wir bilden in allen Bereichen aus. Sei es als Lagerfacharbeiter, Bürokaufmann, Mechatroniker oder im Fahrzeug- und Karosseriebau.“ Zudem arbeiten in dem Unternehmen auch Studenten, die sich für ein duales Studium entschieden haben.

Informationen

Aber auch der Geschäftsführer lernt gerne dazu. Daher ist es für ihn keine Frage, zur Nutzfahrzeug-IAA nach Hannover zu fahren: „Seit Jahren fahre ich zur Messe, pflege Kontakte und informiere mich über interessante Neuheiten. Dabei kommt es mir natürlich entgegen, dass es von Hameln aus nur knapp 45 Minuten mit dem Auto nach Hannover sind.“ Wichtige Daten, Strategien und Tendenzen für seine Firma bezieht der Unternehmer aber nicht nur alle zwei Jahre auf dem Messegelände. „Ich beobachte auch die Pkw-Branche sehr genau, denn was derzeit in dem Bereich aktuelles Gesprächsthema ist, wird einige Jahre später auch auf das Nutzfahrzeugsegment zukommen. Nach den Service-Intervallen für Pkw wurden zum Beispiel auch die der Lkw länger. Mit etwas Glück sieht man einen Lkw einmal im Jahr in der Werkstatt“, erklärt Templin.

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