Kein Offroadreifen von Vredestein
Der Reifenhersteller Vredestein ist in erster Linie im Aftermarket vertreten. Lediglich Notlaufreifen werden in die Erstausrüstung geliefert.
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Redaktion: Wie hat sich das Reifengeschäft für die Marke Vredestein entwickelt
Achim Saurer: Unsere Geschäftsentwicklung verlief deutlich besser als der allgemeine Reifenmarkt. Allerdings wächst der Markt in Deutschland nur marginal. Wir sind mit der Entwicklung des ersten Halbjahres sehr zufrieden.
Geht es etwas konkreter
Ja, wir liegen etwa zehn Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Der vergangene Winter hat sich also nicht negativ ausgewirkt
Überraschenderweise nicht. Das lag jedoch an der Vorlage des Gesetzgebers bezüglich der Winterreifenpflicht. Problematischer sieht es allerdings beim Handel aus. Diesen haben wir mit Winterreifen beliefert, er konnte aber nicht alles abverkaufen. Dort liegen also noch Reifen, die das Geschäft im nächsten Winter behindern können.
In welchen Segmenten vertreiben Sie Reifen
Wir produzieren neben allen Pkw-Reifen auch leichte Lkw-, also Transporterreifen. Darüber hinaus sind wir ein bedeutender Hersteller von Fahrradreifen, Traktorenreifen und Reifen für alles, was der Traktor hinter sich herzieht – da sind wir auch in der Erstausrüstung aktiv. Ansonsten sind wir ausschließlich im Aftersales-Geschäft zu Hause – mit einer kleinen Ausnahme: In die Erstausrüstung liefern wir Notlaufräder – die die Automobilindustrie quasi als fünftes Rad am Wagen liefert, beispielsweise für den Audi Q7, VW Touareg , Porsche Cayenne und Mercedes SL.
Seit geraumer Zeit wachsen bei den Reifenherstellern die Umsätze mit SUV-Reifen. Wie ist das bei Vredestein
Wir haben nun seit zwei Wintern SUV-Winterreifen im Programm. Der Absatz hat sich in diesem Segment für uns sehr gut entwickelt, das heißt, wir liefern auch nennenswerte Mengen in den Markt und wir wachsen in diesem Bereich wirklich dramatisch. Wir streben einen Marktanteil von fünf Prozent an und sind da auf einem guten Weg. Es ist darüber hinaus ein sehr schönes Geschäftssegment, weil es auch für die Reifenindustrie margenstark ist. Der Trend geht weiter zu immer größeren, schwereren und schnelleren Automobilen. Diesem Trend muss die Reifenindustrie folgen. Wir liefern Reifen, mit denen der Verbraucher schnell und sicher fahren kann. Das bedeutet im SUV-Segment Winterreifen bis zum Geschwindigkeitsindex V – das ist technisch sehr anspruchsvoll. Diese Autos können ja bis zu 500 PS haben und erreichen dementsprechend leicht Geschwindigkeiten von 250 km/h.
Der SUV-Sommerreifen fehlt noch in Ihrem Portfolio
Nein, seit diesem Jahr nicht mehr. Wir haben nun auch SUV-Sommerreifen in unserem Programm. Es handelt sich dabei um einen sehr modernen Reifen bis 22 Zoll und mit den entsprechenden Geschwindigkeitsindizes. Wir definieren den SUV-Reifen zu 99 Prozent als Straßenreifen.
Das heißt der richtige Offroad-Reifen ist bei Ihnen nicht zu beziehen
Nein, wir haben keinen Offroad-Reifen im Programm, weil die Verbraucher zum größten Teil auf der Straße fahren – das heißt die Autofahrer suchen eher nach Komfort oder nach der Möglichkeit, schnell zu fahren, nicht unbedingt nach der Beständigkeit gegen Einschnitte. Darüber hinaus ist der Offroad-Reifen technisch auch nicht besonders anspruchsvoll.
Aber das Know-how für Offroad-Reifen haben Sie im Haus.
Das stimmt, auf Grund unserer Erfahrung mit den Traktorenreifen. Aber wir sehen im Offroad-Bereich kein großes Potenzial.
In letzter Zeit geraten die großen Fahrzeuge wegen ihrer CO2-Emissionen immer mehr unter Druck. Rechnen Sie auf Grund dieser Diskussion mit einem Verkaufseinbruch bei den SUV-Reifen
Da wir ausschließlich Reifen für das Ersatzgeschäft verkaufen, würden wir eine entsprechende Entwicklung nur zeitverzögert mitbekommen. Je mehr und je länger diese Fahrzeuge jedoch auf dem Markt sind, umso mehr Reifen werden gebraucht und desto stabiler entwickelt sich unser Geschäft. Selbst wenn der Verkauf jetzt zurückgeht, wird der Bestand an Fahrzeugen weiter ansteigen. Deshalb ist das Potenzial für diese Reifen erst einmal größer.
Wie ist Ihr Aftersales-Geschäft organisiert
Wir vertreiben unsere Reifen an Händler, und zwar vornehmlich an Reifenhändler. Das ist unsere grundsätzliche Vertriebsstruktur und macht etwa 90 Prozent unseres Gesamtgeschäfts aus. Die Reifenhändler werden in Deutschland von 15 Außendienstmitarbeitern betreut. Der Reifenhandel hält in der Regel das Lager für die Autohäuser vor, das heißt, er versorgt die Autohändler mit unseren Produkten. Aber wir beliefern in einem geringen Umfang auch selbst Autohäuser.
Die Autohäuser entdecken das Zubehörgeschäft und damit das Reifengeschäft immer mehr für sich. Verschärft sich der Wettbewerb dadurch für Sie
Wir sehen das eher positiv, nämlich als weiteren Vertriebskanal. Speziell die deutschen Marken sind sehr gut aufgestellt, was die Belieferung mit Reifen angeht. Das heißt, die Automobilhersteller versuchen, das Reifengeschäft in der eigenen Organisation zu behalten und zwar vornehmlich mit Erstausrüstungsfabrikaten.
Kann Vredestein dem etwas entgegensetzen
Ja, wir kooperieren mit großen Händlern, die beispielsweise Winterkompletträder für die Autohäuser anbieten. Vredestein setzt in Deutschland rund 110 Millionen Euro um, etwa zehn Prozent davon mit Autohäusern. Wir wollen in diesem Bereich wachsen, was allerdings eine große Herausforderung ist.
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