»kfz-betrieb« Auto-Check: Opel Adam

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Wo andere Hersteller die Leistung ihrer Systeme nach oben meist begrenzen (die paar Lautsprecher-Garantiefälle?) gibt das „3.0 BT“ zusammen mit den 315-Watt-Infinity-Speakern Stoff, bis der Ohren-Arzt kommt. Sauberer Sound, druckvolle Bässe (@ Innenspiegelkonstrukteur: Kann man das Ding irgendwie druckwellentechnisch entkoppeln?).

Echt cool ist eine Navi-Lösung per App, die man sich auf das Smartphone lädt und die sich dann ins 3.0 BT integriert. Echt uncool ist jedoch, wenn man kein Smartphone zur Hand hat. Aber Alternativen gibt es kaum. An der Windschutzscheibe ein Saugnapf-Navi befestigen? Das ist erstens oldschool und zweitens sinnlos: Bei dem Scheibenabstand bräuchte man einen Inspektor-Gadget-Arm zum Bedienen. Stattdessen gibt’s mit dem „Flexdock“ einen schnieken Halter fürs Smartphone auf dem Armaturenbrett – allerdings gegen Aufpreis.

Und sonst? In Sachen Verarbeitung gibt es nichts zu kritisieren. Anders als bei manchem Asiaten, Franzosen oder Italiener in diesem Fahrzeugsegment wirkt alles wertig und teutonisch solide – satte 1.135 kg Lebendgewicht legen ein stummes Zeugnis ab. Auch das Fahrverhalten liegt auf hohem Niveau: Dank einer breiten Spur, kurzen Überhängen und einer sehr direkten Lenkung liegt der Adam wie das sprichwörtliche Brett. Dazu tragen auch die am Testwagen montierten 17-Zöller bei. Im Alltag hingegen kommt die Schattenseite der breiten Schluffen zum Tragen: Spurrillenempfindlichkeit und mäßiges Dämpfungsverhalten. Aber wer verlangt, dass High Heels praktisch sind? Einen schicken Fuß müssen sie machen – und das tun die dreißig (!) lieferbaren Alufelgendesigns in 15 bis 18 Zoll.

Schwächen beim Antrieb

Also alle alten Opel-Klischees wie weggeblasen? Nicht ganz. Nicht, dass die Rüsselsheimer keine modernen Motoren bauen können. Aber das Angebot im Adam kann man getrost mit „konservativ“ umschreiben. Leidiglich drei Benzinsauger stehen zur Wahl (70, 87 und 100 PS). Effiziente aufgeladene (Dreizylinder-)Motoren? Dieselaggregate? Gasantriebe? Beim Adam leider Fehlanzeige. Das ist schade – selbst einen Dacia Sandero gibt es mittlerweile mit einem sparsamen und zugleich spritzigen 90-PS-Turbo-Dreizylinder!

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So präsentierte sich der in unserem Testwagen verbaute 1,4-Liter-Vierzylinder sprichwörtlich auch als alter (Handwerks-)Geselle. Mit seinen 87 PS (64 kW) unauffällig bei der Arbeit, etwas träge, jedoch umso trinkfester – knappe acht Liter (wenn auch bei zum Teil flotter Fahrweise) sind kein Ruhmesblatt. Da fällt die gut 350 Euro Aufpreis teure Eco-Flex-Variante (Start-Stopp-Funktion ) kaum spürbar ins Gewicht. Apropos Start-Stopp: Deaktiviert man das System, ist es nach jedem Zündung aus/an wieder aktiv – gut im Sinne von „Ich will Sprit sparen“. Weshalb sich allerdings eine aus gleichen Aspekten deaktivierte Klimaanlage ebenfalls nach jedem Neustart stets automatisch zuschaltet und der Adam-Eigner somit häufig unnötig Kraftstoff verbläst, bleibt das Geheimnis seiner Entwickler.

Kein Geheimnis hingegen ist, dass der Traditionsmarke mit dem Adam ein großer Wurf gelungen ist. Gerade optisch bricht der Styling-Tausendsassa mit alten Opel-Zöpfen und bietet dennoch etliche der Tugenden, die Fahrzeuge mit dem Blitz im Grill stets ausgezeichnet haben. Werden die Hessen ihrem Kleinsten möglichst bald auch in Sachen Antrieb die nötige Portion Moderne verpassen? Adam Opel wäre zu Recht Stolz auf den Adam von Opel.

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