»kfz-betrieb« Auto-Check: Opel Adam

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Klischees pflegt man gerne. Manchmal erledigen sie sich allerdings von selbst. Der Adam von Opel ist ein Beispiel dafür.

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Spricht junge Fahrzeugkunden an: der Adam von Opel.
Spricht junge Fahrzeugkunden an: der Adam von Opel.
(Foto: Dominsky)

Opel? Den fuhren als Neuwagen einst kleine Verwaltungsangestellte und Fabrikarbeiter. Gegen Ende ihres Autolebens hatten nicht wenige Blitz-Modelle mit Cowboystiefeln auf ihren Fußmatten und Hopfensaft im Kofferraum zu kämpfen – Opel-Gang und so. Szene(n)wechsel: „VW ist halt die Macht“, kommentiert Sven vom Skaterpark den gelb-schwarzen Testflitzer. „Du Sven, das ist ein Opel!“ Der junge Border wirkt sichtlich irritiert. Er murmelt gerade noch hörbar etwas von „Respekt“. Tja mein Lieber, so ändern sich die Zeiten.

Nicht nur Fans der Marke zeigen beim Anblick des Adam mit ihrem inneren Daumen nach oben. Der Grund: Für einen Opel sieht er richtig fetzig aus und braucht sich hinter den trendigen Citywagen von Fiat oder Mini nicht verstecken, im Gegenteil. Zusätzlich zur Basisversion können allen voran die Evas dieser Welt ihren Adam dank der drei sprachgewandten Ausstattungsvarianten „Jam“, „Glam“ und „Slam“ nicht nur mithilfe zahlreicher poppiger Außenfarben individualisieren – die Siebziger lassen grüßen. Jeweils drei unterschiedliche Dachfarben, bunte Außenspiegelkappen und sogar farblich abgestimmte Alus (bei 18 Zoll) bieten zudem eine Vielzahl an Möglichkeiten, sein Alter Ego als automobiles Statement nach außen zu kehren.

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Hatten wir schon die ebenfalls erhältlichen „Black und White“- und die optionalen „Twisted“-Pakete sowie den in vier Ausführungen wählbaren Dachhimmel (Modell „Stars“: Sternenhimmel mit Hunderten von LEDs) und die in 19 Varianten lieferbaren Innenraumdekore erwähnt? Mit anderen Worten: Adam-Kunden bietet sich all das, was Up-Käufern verwehrt bleibt: Beinahe 82.000 (!) Kombinationsmöglichkeiten in Sachen Innenraumstyling erlaubt die hessische Knutschkugel. So viele, dass man ihr kürzlich den Designpreis für das beste Interieur eines Serienfahrzeugs auf der „Automotive Interiors Expo 2013“ verpasst hat – Glückwunsch, kleiner Adam!

Stylisch und praktisch zugleich?

Doch anders als Fiats rollender Espresso mit seinem insgesamt knappen Innenraum präsentiert sich Opels Legobaukasten für Erwachsene zumindest vorne als ausgewachsener Cappuccino. Hier finden selbst (sehr) große Staturen eine korrekte und dank der guten Sitze auch eine bequeme (Fahrer-)Position. Ansonsten orientiert sich das Raumangebot für Mitfahrer wie Gepäck an der Lebensform der „Dinks“ (= double income no kids). Anders ausgedrückt: Hinten ist es verdammt eng und der Kofferraum ist klein. Und: Wirft man Automobilen nicht selten eine hinderliche „Ladekante“ vor, muss man beim Adam von einer „Lademauer“ sprechen. Wie hier die allen voran weibliche Kundschaft zum Beispiel einen Wasserkasten herausbekommen soll, ist fraglich.

Gut, dass die Opelaner an manchen Stellen dann doch auf zu viel Lifestyle verzichtet haben: Die Bedienelemente geben sich eher klassisch. Sie sind durchdacht angeordnet, liegen griffgünstig und sind selbsterklärend. Die Radio-CD-Kombi mit Touchscreen ist Serie außer in der Basisversion. Der Sound: „leider geil“.

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