Kfz-Gewerbe reagiert gelassen auf Elektro-Hype

Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Ob Elektroautos in der Breite kommen oder nicht, ist noch nicht sicher. Sicher ist dagegen: Das deutsche Kfz-Gewerbe wird damit umgehen können.

Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe ist auf das Thema Elektromobilität gut vorbereitet. Dies war ein Fazit aus den Fachforen im Rahmen der 37. Bundestagung des Kfz-Gewerbes am Mittwoch in Berlin. In einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Verbänden unterstrichen sowohl Prof. Dr. Martin Burgmer vom Institut für Technik und ihre Didaktik, Flensburg, als auch Ulrich Köster, Pressesprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), dass das Kfz-Gewerbe auf den sich möglicherweise abzeichnenden Trend hin zu Elektrofahrzeugen mit „konzentrierter Gelassenheit“ reagiere.

Burgmer ist der Ansicht, dass nur unter ganz bestimmten Bedingungen ein ernsthaftes Elektro-Szenario eintreten werde: Entsprechende Förderkonzepte aus der Politik, restriktive CO2-Regularien und ein anhaltend sehr hoher Ölpreis. Der ZDK müsse sich nichtsdestotrotz über notwendige Weiterbildungskonzepte Gedanken machen und Tätigkeitsprofile analysieren, die in einem entsprechenden Szenario auf das Gewerbe zukommen würden. Auch die Grundlagenausbildung der Lehrlinge im Gewerbe müsse dann entsprechend angepasst werden.

Generell hält Burgmer das Thema Elektroantrieb aber für überbewertet. Spontanen Beifall von den Zuhörern gab es für die Aussage, dass bei einem ehrlichen Blick auf die CO2-Bilanz von E-Fahrzeugen auch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken berücksichtigt werden müsse. Hierbei schnitten E-Autos keineswegs automatisch besser ab als Autos mit Verbrennungsmotor. Man müsse sich zudem stets die Treiber des E-Trends, allen voran Energieversorger und Politiker, in Erinnerung rufen. „Politiker und Betrunkene suchen öfter mal nach einem Laternenpfahl – aber nicht wegen des Lichts, sondern auf der Suche nach Halt,“ sagte Burgmer schmunzelnd.

Ulrich Köster verwies hinsichtlich der grundsätzlichen Relevanz des „E-Trends“ auf das erklärte Ziel der Regierung, erst bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen zu haben.

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