Kfz-Gewerbe: „Wir können Karosserie“

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Wir haben den Eindruck, den Betrieben ist oft nicht klar, wo die Schwerpunkte den Unterschied ausmachen. Die zweijährige Grundbildung ist ja für alle gleich.

Gravendyk: Nach der Grundbildung muss man wirklich nach den Neigungen und Fähigkeiten der jungen Leute schauen. Denn mit Blechbearbeitung allein ist es ja längst nicht mehr getan. Baugruppenreparaturen im Stoßfängerbereich, also Arbeiten mit Kunststoffen, gehören heute genauso dazu wie Arbeiten mit Glas, das ja nicht selten bei Karosserieschäden im Mitleidenschaft gezogen wird. Dazu kommen solide Grundkenntnisse in Elektrik/Elektronik, ohne die es auch nicht geht.

Lotz: Die Betriebe stehen vor einer ungewöhnlichen Herausforderung, weil sie mit einem Schwerpunktwechsel gleichzeitig auch einen veränderten Innungs- und Berufsschulzuständigkeitsbereich akzeptieren müssen. Daran müssen wir in Zukunft arbeiten, die Strukturen des ZDK und des ZKF müssten einen Wechsel erleichtern, um sich an betriebliche Bedarfe anzupassen.

Würde das zu einer besseren Flächendeckung des Berufsschulangebots führen?

Lotz: Auf jeden Fall, und daran arbeiten wir auch.

Welche Voraussetzungen muss denn ein Betrieb überhaupt erfüllen, um den Schwerpunkt „Karosserietechnik“ als Schwerpunkt anbieten zu können?

Lotz: Der Kundenauftrag definiert, welche Dienstleistungsqualitäten der Betrieb vorhalten muss. Der Betrieb muss dafür sorgen, dass aus dem Ausbildungsbereich Facharbeiterqualitäten nachwachsen, die die Anforderung an dieses Dienstleistungssegment nachhaltig sicherstellen.

Worin liegen die Vorteile einer Schwerpunktbildung, wenn die Schwerpunkte berufsschulisch nicht abgedeckt werden können? Oder anders gefragt: Kann man eine Schwerpunktbildung empfehlen, auch wenn die berufsschulische Nähe nicht gegeben ist?

Gravendyk: Das notwendige handwerkliche Rüstzeug kann nur durch entsprechende theoretische Unterstützung der Berufsschule aufgebaut werden; genauso wie eine Ausbildungsunterstützung durch die überbetriebliche Unterweisung an dieser Stelle unerlässlich ist.

Muss der ZDK nicht das Weiterbildungsvakuum füllen, das ja offensichtlich für einen Mangel an flächendeckender Lehrerversorgung in den neuen Schwerpunkten verantwortlich ist?

Lotz: Die Verbände müssen die Toleranz aufbringen zu akzeptieren, dass der Betrieb eine Ausbildungsentscheidung jenseits der Zuordnung beim jeweiligen Verband trifft. Da darf es keine Streitereien zwischen „Fürstentümern“ geben, alles muss dem Ausbildungsziel untergeordnet sein. Wir von der Berufsbildung setzen hier auch klare Prioritäten.

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