Kfz-Mechatroniker noch zeitgemäß?
Die Elektromobilität verändert die Fahrzeugtechnik; davon sind auch die Aus- und Weiterbildungen betroffen. Das Kfz-Gewerbe benötigt aber keine neuen Berufsbilder.
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Die voranschreitende Entwicklung der E-Autos wird von Fachleuten gern als Paradigmenwechsel bezeichnet, denn sie soll unsere Mobilität grundsätzlich verändern. Grund dafür ist, dass reine Elektroautos nicht so universell einsetzbar sind wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Dass trotzdem viele Autohersteller und Regierungen auf die E-Mobilität setzen, liegt an den mangelnden Alternativen zu konventionellen Kraftstoffen wie Benzin und Diesel. Im Jahr 2050 will die EU komplett unabhängig sein von fossilen Energieträgern. Außerdem verursachen die Elektromobile dort, wo sie fahren, keine Schadstoffe; das kommt den immer weiter wachsenden Ballungsräumen und Megacitys zugute.
Mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen kann das gesamte Spektrum erneuerbarer Energien für die individuelle Mobilität genutzt werden. Denn dem Elektroantrieb ist es egal, ob der Strom aus Wasserkraft, Windkraft oder Solarenergie stammt. Auch Wasserstoff ist ein geeigneter Energielieferant für Elektroautos, da er direkt im Auto von Brennstoffzellen zu Strom umgewandelt werden kann
Nationale Entwicklungsplattform Elektromobilität
Damit die deutsche Autoindustrie ihre derzeitige Führungsrolle in der Fahrzeugentwicklung auch künftig behaupten kann, will die Bundesregierung Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität machen. Dafür wurde eigens eine „Nationale Entwicklungsplattform Elektromobilität“ eingerichtet, die in sechs hochkarätig besetzten Arbeitsgruppen der Frage nachgehen soll, mit welchen Maßnahmen die Elektromobilität in Deutschland am sinnvollsten eingeführt werden kann.
Wenn ein solch großer Aufwand nötig ist, um eine neue Technik zu etablieren, sind dann die heutigen Berufe wie Kfz-Mechatroniker noch dazu geeignet, die künftigen Fahrzeuge zu betreuen? Die Antwort lautet: Ja!
Das Deutsche Kfz-Gewerbe hat im Jahr 2003 die technischen Berufe neu aufgestellt und war dabei weitsichtig genug, die Ausbildungsordnung so zu verfassen, dass Ausbildungsbetriebe mit ihr auch zukünftige Fahrzeugtechniken berücksichtigen können. Denn die Fertigkeiten und Kenntnisse, die Ausbilder dem Berufsnachwuchs vermitteln müssen, sind in der Ausbildungsordnung offen formuliert.
Beispiel: „Elektrische, elektronische Größen und Signale an Baugruppen und Systemen messen, prüfen und beurteilen, Prüfergebnisse dokumentieren“. Konkret bedeutet das: Die Systeme und Baugruppen, an denen die Betriebe ausbilden, können sich immer am Stand der Technik und somit an aktuellen Fahrzeugen orientieren.
Höherer Stellenwert für Elektrik und Elektronik
Natürlich ändern sich mit der Elektromobilität die Inhalte der Ausbildung; insbesondere der Bereich Elektrik/Elektronik sowie die Systemvernetzung bekommen einen höheren Stellenwert. Kfz-Mechatroniker müssen sich künftig mit Invertern, Drehstrommotoren und Hochvoltakkus sowie Photovoltaik, Brennstoffzellentechnik und Schnellladesystemen auseinandersetzen. Doch diese Veränderungen kommen nicht schlagartig, sondern werden nach und nach in die Automobiltechnik einfließen. Werkstattmitarbeiter sollten die Entwicklungen deshalb aufmerksam verfolgen und sich rechtzeitig weiterbilden.
Genauso aufmerksam verfolgt die Abteilung Berufsbildung des ZDK den Fortschritt der E-Mobilität, um bei Bedarf die für das Thema wichtigen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Ausbildung noch deutlicher hervorzuheben. Auch für die Weiterbildungsstufen „Kfz-Servicetechniker“ und „Kfz-Meister“ analysiert der ZDK die bestehenden Verordnungen, um sie, falls erforderlich, zu aktualisieren. Damit ist das Kfz-Gewerbe auch für die Techniken der Zukunft gut gerüstet.
Arbeiten an Hochvolt-Systemen
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