Klimaanlagenreinigung
Klimaanlagen sind Standard. Doch so angenehm ein Klimatisierungsautomat auch ist, er birgt Tücken, über die ein Fahrzeughändler oder eine Werkstatt die Kunden aufklären muss.
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Klimaanlagen sind Standard – und zwar bei Neu- und Gebrauchtwagen. Doch so angenehm ein Klimatisierungsautomat auch ist, er birgt Tücken, über die ein Fahrzeughändler oder eine Werkstatt die Kunden aufklären muss. Neben dem jährlich angeratenen Klimaservice, bei dem die Anlage auf Undichtigkeiten geprüft und eventueller Kältemittelverlust auszugleichen ist, gehört die Reinigung mit auf den Arbeitsplan. So sieht es auch Kristian Kienberger, Inhaber einer Autofit-Werkstatt mit angeschlossenem Gebrauchtwagenhandel im unterfränkischen Prichsenstadt: „Für uns gehört auch die Reinigung der Klimaanlage zu einem perfekt aufbereiteten Gebrauchtwagen.“
Ohne viel Aufwand
Bei einer Klimaanlagenreinigung werden Verdampferoberfläche und Luftkanäle mit einem antibakteriellen Mittel behandelt. Liqui Moly beispielsweise bietet sowohl Reinigungsmittel als auch das Werkzeug und setzt dabei auf die Flüssigkeitsreinigung. Andere Anbieter schwören auf eine Ultraschallreinigung.
Um an den Verdampfer zu gelangen, sind einige Handgriffe erforderlich. Bei den meisten Fahrzeugen sitzt dieses Bauteil im Beifahrerfußraum hinter dem Handschuhfach. Kienberger beispielsweise holt sich die nötigen Informationen zur Bauteillage direkt von der Liqui-Moly-Homepage (passwordgeschützter Bereich) aus dem Internet.
Am Beispiel eines zwei Jahre alten VW Golf Variant zeigt der Autofit-Meister, wie eine Klimaanlage flüssig gereinigt wird. Der Verdampfer sitzt hinter dem Handschuhkasten. Er muss nicht ausgebaut werden, lediglich einige Abdeckungen sind zu entfernen. Der Verdampfer muss trocken sein, um ein gutes Reinigungsergebnis zu erzielen. Kienberger erklärt: „Der Wagen muss 15 Minuten im Stand laufen. Bei ausgeschalteter Klimaanlage und geschlossenen Fenstern. Heizung und Lüftung müssen auf maximale Leistung und Umluft eingestellt werden.“
In der Zwischenzeit befüllt man den Vorratsbehälter des Werkzeuges mit Reinigungsmittel. Das druckluftbetriebene System ist nach Anschluss der Energieversorgung sofort einsatzbereit, umständliche Mischarbeiten des Reinigers sind nicht erforderlich. Mit einer Hand bewegt man die Düse mit ihren acht Austrittsöffnungen über den Verdampfer, während man mit der anderen Hand über den Pistolengriff das System mit Druckluft beaufschlagt und so den Reiniger auf die Oberfläche des Verdampfers bringt.
Gut die Hälfte der 0,75 Liter Reinigungsmittel sind alleine für den Verdampfer bestimmt. Den Rest verteilt man auf die verschiedenen Luftaustrittsöffnungen. Dabei schiebt man den langen Düsenschlauch so tief als möglich in die Öffnung, betätigt den Abzug und zieht den Schlauch langsam zurück. Somit ist gewährleistet, dass alle Bereiche der Luftzuführung mit Reiniger benetzt werden.
Nach der Reinigung soll das Mittel zehn Minuten einwirken. In dieser Zeit werden alle Bakterien und Viren abgetötet. Das Mittel ist sehr kriechfähig, so dass auch schwer zugängliche Stellen quasi selbstständig gereinigt werden. Gleich im Anschluß wird die komplette Anlage nachgetrocknet. Der Arbeitsgang ist der gleiche wie beim Vortrocknen. Dann ist die Klimaanlage für ein weiteres Jahr bakterien- und virenfrei.
Dienstleistung verkaufen
Bei Kienberger kostet eine Klimaanlagenreinigung 29 Euro. Das ist zwar ein überschaubarer Betrag, dennoch muss diese Dienstleistung erst einmal verkauft werden. Wer bei Kienberger einen Gebrauchtwagen kauft, bekommt die Reinigung kostenlos: „Damit zeigen wir uns kundenfreundlich und fachkundig: Wenn ich die Gefahr und die von uns durchgeführte Arbeit erkläre, erkennen Kunden, wie gewissenhaft und professionell wir zu Werke gehen.“ Aber auch die übrigen Werkstattkunden sind aufgeschlossen. „Viele Menschen glauben, schon einmal von einer zu kalt eingestellten Klimaanlage krank geworden zu sein. Schuld an Erkrankungen, die mit Erkältungssymptomen auftreten, sind jedoch in der Regel Bakterien und Viren, die sich auf dem Verdampfer und in Leitungen angesammelt haben. Nur selten ist es eine falsche Temperatureinstellung“, erklärt Tobias Göbbel von Liqui Moly. Augenreizungen, angeschwollene Schleimhäute, Schnupfen und Husten nach langer Autofahrt seien ein Indiz für eine verschmutzte Klimaanlage.
Der Zeitpunkt ist immer richtig
Für Kienberger ist die Klimaanlagenreinigung fester Bestandteil der Aufbereitung: „Wenn wir den Wagen ohnehin checken und überarbeiten, geht die Reinigung schon fast nebenher mit.“ Fast alle Reiniger haben Aromastoffe, die dem Kunden vermitteln, dass die Anlage gereinigt wurde. Die Duftstoffe halten sich lange im Auto. Empfehlenswert sei, gleichzeitig auch den Innenraumfilter zu erneuern.
Nach wie vor sind Autofahrer der irrigen Meinung, dass eine Klimaanlage nur im Sommer ihre ganze Wirkung entfalten kann. „Mit einer modernen Klimaanlage kann ich heizen und kühlen. Sinnvoll ist es, die Anlage das ganze Jahr in Betrieb zu haben, insbesondere jedoch im Winter sollte sie häufig eingeschaltet werden, um die Vermehrung der Krankheitserreger einzudämmen“, erklärt Göbbel. Denn: Wenn der Wagen durch die Außentemperaturen kalt ist und nur mit der Heizung erwärmt wird, bildet sich insbesondere auf dem Verdampfer Kondenswasser – der Nährboden aller Bakterien und Viren. Wird dann zu den ersten Sonnenstrahlen die Anlage eingeschaltet, mutieren die Luftaustrittsöffnungen zu muffigen Bakterienschleudern. Nur wenn die Anlage in Betrieb ist, wird der Verdampfer heiß, Kondenswasser verdunstet und die Bakterien sterben ab. „Damit erfolgt in geringem Maße eine Selbstreinigung, die allerdings die jährliche Reinigung und Desinfektion nicht ersetzt“, mahnt Göbbel. Kienberger weiß: „Eine Reinigung der Klimaanlage sieht man nicht und sie lässt sich auch nur anfangs über den Zitrusduft erschnuppern. Verkaufen kann man diese Dienstleistung nur über den Gesundheitsaspekt, der jedoch für viele Menschen immer mehr in den Vordergrund tritt.“
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