Köln und Wuppertal bestellen 40 Wasserstoff-Busse
Die ÖPNV-Anbieter von Köln und Wuppertal treiben die Verkehrswende in ihren Städten voran. Mit gemeinsam 40 Wasserstoff-Bussen haben Verkehrsbetriebe die bislang größte derartige Bestellung in Europa in Auftrag gegeben.

Die Umstellung öffentlicher Verkehrsmittel auf einen umweltschonenderen Betrieb gerät in der aktuellen Fahrverbots-Diskussion für ältere Diesel fast ein wenig in den Hintergrund. Die Kölner und Wuppertaler Verkehrsunternehmen haben nun aber gehandelt: Die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) hat 30 und die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) 10 Wasserstoff-Busse beim belgischen Hersteller Van Hool bestellt.
Liefern wollen die Belgier im Frühjahr 2019. Dem Unternehmen zufolge handelt es sich um den größten Auftrag aller Zeit für Wasserstoff-Busse in Europa. In Köln betreten werden die Fahrzeuge indes kein komplettes Neuland betreten: Dort sind seit Mai 2014 bereits zwei Wasserstoff-Busse von Van Hool unterwegs.
RVK-Geschäftsführer Eugen Puderbach erklärte das Engagement damit, dass mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Busse zu den umweltfreundlichsten Fahrzeugen im öffentlichen Nahverkehr gehörten. „Sie stoßen keinerlei schädliche Emissionen aus und sind sehr viel leiser als herkömmliche Busse.“ Für Puderbachs Kollegen von der WSW, Ulrich Jaeger, hält das Konzept für besser als Elektro-Busse, da Letztere nicht die nötige Reichweite hätten. „Und da wir auch den Wasserstoff umweltschonend produzieren, ist unser Projekt ein One-Stop-Shop“, so Jaeger.
Die bestellten 40 Wasserstoff-Busse sind vom Typ Van Hool A330, einem zweiachsigen und rund zwölf Meter langen Fahrzeug. Die Brennstoffzellen-Module liefert der Firma Ballard Power Systems aus Vancouver (Kanada), der PEM-Elektromotor mit 210 kW (rund 285 PS) kommt von Siemens. Jeder Bus bietet 29 Sitzplätze sowie 46 (Köln) bzw. 49 (Wuppertal) Stehplätze. Außerdem finden in den Fahrzeugen zwei Rollstuhlfahrer und ein Kinderwagen Platz. Die Busse können mit 38,2 Kilogramm Wasserstoff betankt werden und verfügen damit laut Van Hool über eine Reichweite von rund 350 Kilometern.
Dabei dient die Brennstoffzelle gemeinsam mit den Lithium-Ionen-Batterien und dem Elektromotor als Basis des Antriebs. Der Bus wird vollelektrisch betrieben. Einerseits wird Wasserstoff (H2) in der Brennstoffzelle in Elektrizität umgewandelt, wobei nur Wasserdampf emittiert wird, andererseits unterstützen die Lithium-Ionen-Batterien den Antrieb bei Bedarf. Dank dieses Hybridantriebs und der Rückgewinnung der Bremsenergie liegt der Wasserstoffverbrauch dem Hersteller zufolge im besten Fall bei rund 8 Kilogramm auf 100 Kilometer.
Projekte mit öffentlicher Förderung
Köln und Wuppertal profitieren bei der Beschaffung der Wasserstoff-Busse von verschiedenen Förderprogrammen. Beispielsweise erhalten die Verkehrsbetriebe Mittel vom Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Zudem fließt Geld von der „Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking“ (FCH JU), der europäischen privat-öffentlichen Partnerschaft zur schnelleren Markteinführung von Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologie im Rahmen des EU-Programms „Horizon 2020“. In welchem Rahmen sich die Kosten der Projekte bewegen, ist nicht bekannt.
Van Hool existiert seit 1947 und hat seinen Unternehmenssitz im belgischen Koningshooikt. Die Firma produziert Busse und Nutzfahrzeuge hauptsächlich für den europäischen und den amerikanischen Markt. Weltweit arbeiten mehr als 4.450 Mitarbeiter für das Unternehmen.
(ID:45165341)