Autokrisengipfel Kommt neuer Bonus für E-Fahrzeuge?

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

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Am Montag treffen sich Vertreter der Automobilwirtschaft zu einem Krisengipfel, den Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck einberufen hat. Thema ist die angespannte Situation der Autoindustrie. Im Vorfeld stellte Habeck neue E-Förderungen in Aussicht.

Ein neuer Umweltbonus für E-Autos könnte den Markt wieder beleben. Davon könnte auch der schwächelnde VW-Konzern profitieren. Wirtschaftsminister Robert Habeck stellte im Vorfeld des Autogipfels eine neue Förderung in Aussicht. (Bild:  VW)
Ein neuer Umweltbonus für E-Autos könnte den Markt wieder beleben. Davon könnte auch der schwächelnde VW-Konzern profitieren. Wirtschaftsminister Robert Habeck stellte im Vorfeld des Autogipfels eine neue Förderung in Aussicht.
(Bild: VW)

Die angespannte Lage der deutschen Autoindustrie ist Thema des Autokrisengipfels, den Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Freitag kurzfristig für kommenden Montag, 23. September, festgesetzt hat.

Eingeladen sind die Spitzen der Autohersteller und Zulieferer, des Verbandes der Autoindustrie (VDA) und der Gewerkschaft IG Metall. Keine Einladung erhielt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

ZDK nicht zum Autogipfel eingeladen

Seinen Ärger darüber teilte der Zentralverband noch am Freitag in einem Schreiben an Robert Habeck mit. Schließlich hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing im Januar beim ZDK-Neujahrsempfang persönlich versprochen, zukünftig auch das Kfz-Gewerbe am Autogipfel zu beteiligen. Auch wenn diesmal die Einladung vom Bundeswirtschaftsministerium und nicht wie zum Autogipfel vom Bundeskanzler kommt, fühlt sich der ZDK mit seinen Mitgliedern übergangen.

Der ZDK vertritt die Interessen von rund 40.000 Autohäusern und Kfz-Betrieben sowie ihren rund 470.000 Beschäftigten. Das sind fast ebenso viele Beschäftigte, wie die Automobilhersteller (ohne Zuliefererbetriebe) in Deutschland zählen.

Die Themen, die beim Autokrisengipfel am Montag behandelt werden dürften, betreffen auch das Kfz-Gewerbe. Die Branche kriselt, und seit den Ankündigungen von VW Deutschland, möglicherweise Werke schließen und Arbeitsplätze abbauen zu müssen, herrscht Alarmstimmung. Die Rede ist von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen.

Die Krise trifft nun auch die Zulieferer. ZF, einer der größten in Deutschland, hatte Ende Juli angekündigt, in Deutschland von 2025 bis 2029 bis zu 14.000 Stellen zu streichen. Dafür plant das Unternehmen die Gründung mehrerer Standortverbunde mit schlankeren Strukturen. Zurzeit arbeiten bundesweit rund 54.000 Menschen bei ZF. Die Folgen dürften auch der Autohandel und die Kfz-Werkstätten direkt spüren.

Schon 2022 hatte Ford angekündigt, sein Werk in Saarlouis Ende 2025 zu schließen. Auch bei Audi kriselt es. Dort geht es um den Standort in Brüssel.

Als Grund für die Krise der Autoindustrie gilt unter anderem der Markteinbruch von E-Autos. Schuld daran ist aus Sicht der Branche auch die Politik, die mit der plötzlichen Abschaffung des Umweltbonus, dem schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur und den teuren Strompreisen nicht die Rahmenbedingungen schafft, die es für den von der Politik gewünschten Hochlauf der E-Mobilität braucht.

Belastungen durch neue Flottengrenzwerte

Hinzu kommen die Belastungen durch die 2019 von der EU verabschiedete Verordnung für die CO2-Flottengrenzwerte für Pkw. Die brachte die EU deshalb ein, weil die Selbstverpflichtung der Autohersteller zur Minderung der CO2-Emissionen zuvor gescheitert war.

Die nächste Stufe der Flottengrenzwerte greift ab 2025. Hersteller, die diese Flottengrenzwerte überschreiten, werden Strafen zahlen müssen. Ab nächstem Jahr müssen die aktuellen Flottengrenzwerte um 15 Prozent unterschritten werden. Seit 2020 liegt der Grenzwert bei 116 g CO2/km. Ab 2025 dürfen es nur noch 94 g CO2/km sein. Bis 2035 soll der Wert bei null liegen. Ab dann werden keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in der EU zugelassen.

Die Ziele werden bislang vor allem von den Herstellern erreicht, die früh auf die E-Mobilität gesetzt haben, allen voran Tesla. Aber auch BMW und Daimler erreichen in diesem Jahr ihre Ziele. 2025 jedoch, so die Prognose, kann kaum ein Autobauer die neuen Flottengrenzwerte einhalten.

ACEA und VDA fordern Entlastungen

Deshalb forderten bereits der VDA und der europäische Verband der Autohersteller die EU auf, Entlastungsmaßnahmen zu ergreifen, bevor die neuen CO2-Ziele für Pkw und Transporter im Jahr 2025 in Kraft treten. Die Europäische Kommission soll zudem die für 2026 und 2027 geplante Überprüfung der CO2-Vorschriften für leichte und schwere Nutzfahrzeuge auf 2025 vorziehen. Das fordert auch der ZDK von Bundesminister Habeck.

Außerdem fordern die Autohersteller die EU zur Technologieoffenheit bei den Antrieben auf. Der VDA legte am Freitag mit einem 10-Punkte-Plan nach und fordert unter anderem mehr Vorteile für E-Autofahrer, den Ausbau der Ladeinfrastruktur und den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe im Straßenverkehr, um die Klimaziele schneller zu erreichen.

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Beim Krisengipfel am Montag dürfte es spannend werden. Bundeswirtschaftsminister Habeck hat laut Medienberichten am Freitag bei einer Werksbesichtigung von VW in Emden wieder E-Fördermaßnahmen in Aussicht gestellt. Außerdem wies er auf die von der Bundesregierung geplanten steuerliche Anreize für E-Autos als Dienstwagen hin.

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